Coburg, Residenzschloss

Kurfürst Johann Friedrich I. von Sachsen hatte im Torgauer Teilungsvertrag von 1541 seinem Stiefbruder Johann Ernst den Coburger Landesteil als eigenständiges Herzogtum zugewiesen. 1543 begann dieser daraufhin mit dem Ausbau des Stadtschlosses Ehrenburg - zusätzlich zu  der Residenz auf der Veste - auf den Mauern des säkularisierten Barfüßerklosters am Rande der Altstadt. Dies bot ihm die Möglichkeit einer Ausdehnung der Anlage über den späteren Schlossplatz bis hin zum Hofgarten am Abhang der Veste. An dem Bau beteiligt waren u.a. Caspar Vischer und Nicolaus Gromann.[423] 1547 konnte man bereits Teile der Anlage beziehen und dort Kaiser Karl V. empfangen. Herzog Johann Casimir, der im Erfurter Teilungsvertrag den nach dem Tode des kinderlosen Herzogs 1553 wieder an Sachsen gefallenen Landesteil zusammen mit seinem Bruder Johann Ernst zugesprochen bekam, ließ ab 1589 den noch heute erhaltenen Trakt an der Steingasse ausbauen und 1623 nach Plänen des Bamberger Baumeisters Giovanni Bonalino den Altanbau als Abschluss des vorderen Hofes nach Osten errichten.

Seit 1735 blieb die Anlage der Ehrenburg mit ihren drei Höfen durchgängig die Stadtresidenz der Coburger Herzöge.

Zwischen Landgraf Moritz und Herzog Johann Casimir bestand ein reger Briefwechsel, da sie auf politischem Gebiet zusammenarbeiteten.[424] Bereits 1605 war der Coburger Fürst in Kassel zu Besuch gewesen. Der durch die Datierung einer Zeichnung auf den 3.10.1629 und erhaltene Schriftstücke[425] belegte Besuch des Landgrafen in Coburg gehört in den Zusammenhang einer Reise, die ihn im weiteren Verlauf auch nach Cadolzburg (12.10., 2° Ms. Hass. 107 [88]) und Wertheim (19.10., 2° Ms. Hass. 107 [340] + [341]) führte.

 

2° Ms. Hass. 107 [13]

Stallhof  und Garten

Die skizzenhafte Darstellung gibt eine Vogelschau vom hinteren Stallhof der Coburger Schlossanlage von Norden samt dem davor gelegenen Garten mit Ballhaus und Lusthaus. Oberhalb der Darstellung befinden sich noch eine arithmetische Rechenoperation (links) sowie ein Text mit Maßangaben zu den dargestellten Flächen.

 

2° Ms. Hass. 107 [89] recto, oben

Ansicht von Süden

Die Zeichnung zeigt eine Vogelschauansicht  von Süden mit den angrenzenden Stadthäusern (links) und dem  Garten mit  dem „lusthauß“ (rechts). Im Zentrum steht der alte Vorhof des Schlosses mit dem heute noch zu  besichtigenden, 1590 bis 1595 errichteten neuen Trakt an der Steingasse mit den Zwerchgiebeln und dem Prunktor.[426] Allerdings fehlt hier der prächtige Erker an der linken Ecke.

 

2° Ms. Hass. 107 [89] recto, unten links

Lateinische Beschreibung des Schlosses

Der lateinische Text  beschreibt die Coburger Schlossanlage mit den drei verschiedenen Höfen („proaulio“, „media aula“, „postaulio“) und dem Wassergraben („fossa aquis plena“). Erwähnt werden auch die Gärten „ultra fossam hortuli amoenissimi“.

 

2° Ms. Hass. 107 [89] recto, unten rechts

Figurenstudie

Der Zusammenhang der Figurenstudie mit den anderen Darstellungen auf dem Blatt ist unklar. Dargestellt sind eine männliche Figur in zeitgenössischer Tracht mit szenischem Gestus, dazu weitere Masken- und Bekleidungsstudien. Möglicherweise handelt es sich um eine  Bühnenfigur.[427]

 

2° Ms. Hass. 107 [90]

Skizze der drei Höfe

Die skizzenhafte Darstellung gibt die drei hintereinander liegenden Höfe der Residenz ähnlich wie in 2° Ms. Hass. 107 [89]von Süden wieder.


[423] vgl. Bachmann  2009

[424] HStAM Best. 4a 40/23

[425] in: HStAM Best. 4a 38/19

[426] Katalog Coburg 1964, S. 9

[427] vgl. Katalog Lemgo/Kassel 1997, Kat.Nr. 340