Düsseldorf, Residenzschloss

2° Ms.Hass.107 [93]

Ansicht von der Stadtseite

Die  1521 zur Residenz erhobene Schlossanlage der Herzöge von Jülich-Cleve-Berg im Bereich der Einmündung der Düssel in den Rhein hat ihren Ursprung in  einem befestigten Haus der bergischen Grafen im 14. Jahrhundert.[428] Der Umbau der Burg zur Dreiflügelanlage erfolgte in der ersten Hälfte des 15. Jhdt. Nach dem großen  Brand von 1510 erfolgte der Um- und Wiederaufbau z.T. nach Plänen von Allessandro Pasqualini.  Landgraf Moritz zeichnete erstmals die Stadtfront der am Rhein gelegenen, zur Stadt hin mit einer Zinnenmauer abgeschlossenen dreiflügeligen Schlossanlage mit Renaissancegiebeln und beidseitigen Türmen. Der Mittelflügel mit den Arkaden wird durch einen Treppenturm zugänglich, den Moritz entgegen der Realität wohl aus Symmetriegründen genau in die Mitte setzt. Dem Drang des Landgrafen zur Regularisierung entsprang wohl auch der Rundturm am Südostflügel, der in anderen Darstellungen stets auf quadratischem Grundriss dargestellt ist.[429] Ähnlich kann man vermutlich auch das Fehlen des eigentlich vor dem Schloss verlaufenden Grabens interpretieren, der hier nur auf der linken Seite entlang des Lustgartens eingezeichnet ist. Am Brückenzugang erhebt sich die mit doppelstöckigen Arkaden geschmückte Ehrenpforte, die 1583 aus Anlass der Hochzeit von Johann Wilhelm von Jülich-Kleve-Berg errichtet wurde. Das Terrain des Lustgartens wird begrenzt von "Rathauß" und "Cantzley“ an der Südseite sowie vom "Balhauß" an der Rheinseite, das durch eine "galerie", einen überdeckten Laufgang, direkt mit dem Schloss verbunden wird. Auf der anderen Seite des Schlosses trennt ein „holtzplatz“ die fürstliche Anlage von den Bürgerhäusern, die auch im Vordergrund der Zeichnung summarisch angegeben sind.

Wie auch in anderen Ansichten des Landgrafen Moritz von real existierenden Schlossbauten bietet diese Vogelschau des Düsseldorfer Schlosses eine Darstellung, die bis zu einem gewissen Grad auf der Realität beruht, in den von ihm vorgenommenen Veränderungen aber seine eigenen Idealvorstellungen spiegelt.

Die auf den 14.8.1629 datierte Zeichnung entstand während einer Reise, die von Frankfurt aus nach Ausweis der Korrespondenz[430] weiter bis nach Frankreich führen sollte, woraus aber, wie bei vielen seiner in den letzten Lebensjahren geplanten derartigen kostspieligen Unternehmungen, letztendlich nichts wurde.


[428] vgl. Küffner/Spohr 1999

[429] Küffner/Spohr 1999, S. 61

[430] HStAM Best. 4f Frankreich 1268