Rohna, landgräflicher Gutshof

Der Gutshof Rohna, heute vermutlich in Unterrhon (Ortsteil von Tiefenort im Wartburgkreis) zu lokalisieren, gehörte zur Vogtei Frauensee, deren Mittelpunkt das ehemalige Zisterzienser-Nonnenkloster Frauensee am gleichnamigen See war. Aus dem Besitz des Stiftes Hersfeld kam das Kloster mit seinen Besitzungen 1525 nach der Säkularisation an die hessischen Landgrafen.

Eine Urkunde im Hessischen Staatsarchiv Marburg dokumentiert die Schenkung des Hofes Rohna „im Amt Frauensee“ durch den Landgrafen Moritz an seine Frau Juliane von Nassau, datiert auf den 1.1.1626.[447]

Das Rohna betreffende Konvolut im Bestand (sieben Zeichnungen und sieben Schriftstücke) beschäftigt sich mit einigen vom Landgrafen geforderten Baumaßnahmen, die einen Ausbau des Hofes zu einer geschlossenen Anlage zum Thema haben. Eine der Zeichnungen sowie der überwiegende Teil der beiliegenden Schriftstücke sind in den Juni/Juli 1621 datiert. Es ist deshalb davon auszugehen, dass zu diesem Zeitpunkt tatsächlich Baumaßnahmen (Einfriedung, Neubau von Scheuern) stattgefunden haben.

 

2° Ms. Hass. 107 [295]

Anweisung an die Bauverwalter für anstehende Bauarbeiten, 1621

Auf den 21. Juni 1621 ist die ausführliche Anweisung des Landgrafen datiert, die dieser offensichtlich im Anschluß an einen Besuch in Rohna verfasst hat: "Nachdem unser gn. fürst undt herr den 18 t huius zu Mittage / den hoff Rohna besichtiget“. Als vordringlichstes Problem erwähnt er das Fehlen von Scheunen  und die mangelnde Sicherung des Hofes durch eine durchgehende Einfriedung. Aus diesem Grund habe Landgraf Moritz „den gantzen hof in grundt legen“, d.h. einen Grundriß anfertigen lassen, und beauftrage seine Bauverwalter „nemlich hanß fleischhut underbawmeister Zu Cassel, Jost Mohr g[ene]ral baw: und bergkschreiber“ sowie den Vogt zu Friedewald, den auch als Unterzeichner der Schriftstücke 2° Ms. Hass. 107 [192], [294] und [296] in Erscheinung tretenden Peter Meckbach, sich am 22. Juni auf dem Hof einzufinden und die Baumaßnahmen zu beratschlagen. Die vorgeschlagenen Arbeiten betreffen zwei Scheunen, die Verlegung des Schweinestalls, die Anlage von Gärten, das Modernisieren des Brunnens sowie die Einfriedung des gesamten Hofs nebst einer Nivellierung des Innenhofs mit gepflasterten Wegen,  um dadurch „des hofs reinigkeit“ zu erreichen. Die Zeichnungen, die zum großen Teil nicht von Landgraf Moritz selbst, sondern von einem seiner Landvermesser angefertigt wurden, beziehen sich auf diese Planungen.

 

2° Ms. Hass. 107 [287]

Unbekannter Zeichner, Lageplan, 1621

Der sorgfältige, auf zwei zusammengeklebten Blättern angelegte Plan eines unbekannten Landvermessers, der, wie die Anweisung vom 21.06.1621 2° Ms. Hass. 107 [295] belegt, den Gutshof im Auftrag des Landgrafen vermessen und aufgezeichnet hat, zeigt sämtliche der in diesem Schriftstück erwähnten Gebäude. Mit „B“ ist „deß Schaffmeisters  wohnung“ bezeichnet, die ersetzt werden kann, da sie laut der Anweisung „nicht bewohnet noch sonderlich gebraucht wirdt“. Unter „F.“ findet sich die „Vom Winde eingeworffene Scheuer“, deren Holz zum Bau neuer Wirtschaftsgebäude verwendet werden sollte. Auch das zu bebauende „Spacium Zwischen der schaffscheuer undt Abseidte” ist unter “W” vermerkt. Der Schweinestall - laut der erwähnten Instruktion: „dem Wohnhauße weg(en) gestancks undt anderm unlust viel / Zu nahe undt unbequem“ - ist links unten neben der Wohnung des Hofmannes „P“ eingezeichnet. Neben den Gebäuden verzeichnet der Plan auch die umliegenden Wiesen und Felder und diente somit als Grundlage für die Planungen.

 

2° Ms. Hass. 107 [290]

Unbekannter Zeichner, Lageplan, 1621

Der mit einem bezifferten Maßstab (vermutlich in Fuss) versehene Plan gibt ebenso wie 2° Ms. Hass. 107 [287] eine Bestandsaufnahme der Hofanlage mit den wesentlichen Gebäuden. Das kleinere Format und der identische Maßstab verbindet die Zeichnung mit den beiden Blättern 2° Ms. Hass. 107 [285] + [289], die sich mit der Umgestaltung beschäftigen.

 

2° Ms. Hass. 107 [296]

Bericht des Vogtes Meckbach sowie der Bauverwalter Fleischhut und Mohr (Kopie), 1621

Es handelt sich hier um eine „Copia“ des Berichtes der Bauverwalter Meckbach, Fleischhut und Mohr über die in 2° Ms. Hass. 107 [295] angewiesene Inspektion am 24. Juni, versehen mit Kommentaren von Landgraf Moritz vom 27. Juni (Schmalkalden).  Die drei Beamten befürworten den Neubau einer Scheune anstelle der „Schaffmeisterswohnung“, während „die Lücken / zwischen d obern und Schaffscheuren, mit / einer Mauren beschlossen“ werden könne. Desweiteren sollen auch der Schweinestall versetzt  und der Brunnen verbessert werden. Baumaterialien können zumeist aus der Umgebung bezogen werden, so z.B. der Kalk, der aus dem Kalkofen „Gemeinde Zu dieffnor, sachsische underthanen“ (gemeint ist Tiefenort), der bereits in der Joist Moers zugeschriebenen Karte des Amtsbezirks von 1580[448] eingezeichnet ist, bezogen werden kann.

Die Kommentare des Landgrafen spiegeln seine teilweise abweichende Meinung und enthalten Anweisungen an seine Untergebenen.

 

2° Ms. Hass. 107 [293]

Verzeichnis des Baumaterials und der Kosten , 1621

Das ebenso wie der Bericht der Bauverwalter 2° Ms. Hass. 107 [296] auf den 24. Juni 1621 datierte Verzeichnis „was uf dem hoff Rohna notwendigk zu bawen”, listet die Materialien und die Kosten auf, die für den Umbau des Gutshofes benötigt werden. Dazu gehören entsprechend der Anweisung vom 21. Juni (2° Ms. Hass. 107 [295]) und dem genannten Bericht vier Mauerabschnitte, außerdem eine „newe scheuer, so zwischen die schafscheuer undt den viehe stall gesetzet werden soll“, "Ein beschloßen thor  von eichen diehlen mit aller Zugehör”, der Abbruch des „großen Schweinekoben“ und „des schafmeisters wohnung […] darauf vorbesagte neue scheuer gesetzt  werden soll“ sowie „den brunnen zu verendern und ahn stat des schwengels mit einem raht und schöpfkübel zu machen“.

 

2° Ms. Hass. 107 [291]

Verzeichnis des Baumaterials und der Kosten  (Kopie), 1621

Der Text dieses Schriftstücks ist weitgehend identisch mit dem Verzeichnis 2° Ms. Hass. 107 [293], es handelt sich daher vermutlich um die Abschrift eines Kanzleischreibers.

 

2° Ms. Hass. 107 [345]

Vermessungstabelle der Hofmauer

Das kurze Schriftstück enthält eine Tabelle mit den Maßen und Baukosten der von Landgraf Moritz geplanten durchgehenden Einfriedungsmauer, mit der er den Hof Rohna sichern wollte (vgl. 2° Ms. Hass. 107 [296]).

 

2° Ms. Hass. 107 [289]

Unbekannter Zeichner, Umbauplan, 1621

Die  Zeichnung eines Vermessers, die von Landgraf Moritz übergangen und mit Graphitnotizen versehen wurde, zeigt ähnlich wie 2° Ms. Hass. 107 [287] und [290] den damals vorhandenen Baubestand, wobei aber hier die vorgesehenen Änderungen an den in den Schriftstücken 2° Ms. Hass. 107 [295] + [296] erwähnten Stellen einskizziert sind. Das "Schaffmeisters hauß" wird durch einen Neubau ersetzt, während die  "Eingefallene Scheuer" rechts oben wegfällt. Ebenso entfällt der "Kelber stall" neben der "Oberste scheuer” und die Lücke  zum Schafstall wird mit einem Neubau verschlossen. Der "Schwein stall" neben der "hoffmans wohnung" wird durch eine durchgehende Mauer ersetzt, die auch die Lücken zum Gebäude rechts daneben schließt. Auf der rechten Seite wird der Hof jetzt durch eine Mauer mit vorgelegter Arkade abgeschlossen,  in der Handschrift des Landgrafen erläutert als „der Wagen schopfen“, also ein offener Unterstand für die Wagen, die durch das anschließende Tor neben dem „neuen“ Bau in den Hof gelangen konnten.

Weitere Eintragungen in Graphit betreffen die unmittelbare Umgebung der Hofanlage, wobei an drei Seiten Gärten vorgesehen sind, wie es auch in der Anweisung vom 21.6.1621 (2° Ms. Hass. 107 [295]) heißt, „undt wirdt hierdurch der hof ahn dreyen seitten / nemlich nach Süden, westen undt norden mit lust, küchen undt baum,, / gartten umbgeben undt ist die vierdte seitten nach oosten ein / lauter schönes undt ahnmutiges ackerfeldt.“ Neben einem "Alte küche garte" (oben) werden hier ein "Newe  küchengarte" (rechts) und ein  "Wurtz gartte" (unten links) sowie ein weiterer „Gartte“ (unten mittig) aufgeführt. Möglicherweise handelt es sich deshalb um den „Abriss“ der in 2° Ms. Hass. 107 [296] erwähnt wird, wo es heißt: „die umb und an dem hoff stossende Gartten / und wie dieselbige lauffen haben Efgn / aus beijgefugtem abrisse gnedig zu ersehen".

 

2° Ms. Hass. 107 [288]

Unbekannter Zeichner, Lageplan mit neuen Wirtschaftsgebäuden

Dieser sorgfältig angelegte und mit einer Legende versehene Plan präsentiert den Hof wie 2° Ms. Hass. 107 [289] und stimmt auch im Maßstab mit diesem überein. So wie in dem Verzeichnis 2° Ms. Hass. 107 [293] aufgelistet, steht an der Stelle des Schafmeisterhauses das Gebäude „I. die von Ifgn. newe vorgeschlagene Scheuer, so ahn stadt / deß schaffmeisters wohnung versetzt werd[en] soll“. Ebenso sind die Schweineställe „M.“ von der Stelle neben der Hofmannswohnung an die Mittelscheuer „L.“ versetzt worden. Zusätzlich ist auf diesem Blatt auch ein Verbindungsbau zwischen Schafscheuer und Oberscheuer eingezeichnet, wie er in der ersten Anweisung des Landgrafen vom 21. Juni 1621 (2° Ms. Hass. 107 [295] fol. 1 recto) erwähnt wird: „erstlich dz das ledige Spatium / zwischen der obersten undt  schafscheuern so 52 ß lang mit / dem  alten gehöltze der eingefallenen scheuren zugebawet“,  aber nach dem Bericht der Bauverwalter vom 24. Juni  (2° Ms. Hass. 107 [296]) nicht für unbedingt notwendig erachtet wurde. Dieser Bau „G“ erscheint auch in dem Plan 2° Ms. Hass. 107 [285] sowie in den beiden eigenhändigen Zeichnungen des Landgrafen 2° Ms. Hass. 107 [284] und 2° Ms. Hass. 107 [286]. Dies legt den Schluss nahe, dass nun auch die zweite Scheune errichtet werden sollte.

 

2° Ms. Hass. 107 [285]

Unbekannter Zeichner, Umbauentwurf, 1621

Der auf den 30. Juni 1621 datierte Plan des unbekannten Vermessers wurde von Landgraf Moritz offensichtlich eigenhändig korrigiert und mit Erläuterungen versehen. Ähnlich wie in 2° Ms. Hass. 107 [289] sind die alten Gebäude um die „Mistedte“ angeordnet, wobei das Schafmeisterhaus durch das größere „Backhauß“ ersetzt wird. Ergänzend wird aber ebenso wie in 2° Ms. Hass. 107 [288] zwischen „Schafscheuer“ und „Alter Oberscheuer“ eine „Neue steinern scheuer“ mit einer Durchfahrt eingefügt. Die „Schwein stallung" ist wieder neben das "Wohnhauß" gerückt, während der in 2° Ms. Hass. 107 [288] angegebene Standort durchgestrichen und durch einen offenen „Schopfen" ersetzt ist. Möglicherweise handelte es sich hier um den „Abriß“ den der Vogt Peter Meckbach in seinem Bericht über die Beschaffung von Baumaterialien im Zusammenhang mit der Verlegung des Schweinestalles (2° Ms. Hass. 107 [294]) angefordert hatte.

Die beigefügte "Außmessung des gartten umb den / hof Rohna her” bezieht sich hingegen auf die in 2° Ms. Hass. 107 [289] eingezeichneten, diversen Gärten.

 

2° Ms. Hass. 107 [284]

Gutshof, Ansicht

Die eigenhändige Vogelschauansicht des Landgrafen schreibt die unregelmäßige Hofanlage in eine nahezu quadratische Einzäunung ein, die das Gut weiträumig umfasst und ebenso auch in den Lageplänen 2° Ms. Hass. 107 [288] und [289] durch Linien angedeutet ist. Ebenso wie dort erfolgt auch hier der Zugang zum Hof über ein Tor an der Ecke zwischen dem „Neuen Bau“ und dem offenen Wagenschuppen. Die geschlossene Anordnung der Gebäude, entspricht am ehesten der von Moritz eigenhändig korrigierten Version in 2° Ms. Hass. 107 [285] mit den wieder neben dem Wohnhaus angesiedelten Schweineställen. Die rückwärtige Front wird von einem kleinen steinernen Bau zwischen der „oberen“ Scheune und der „Schafscheuer“ geschlossen. Diese Seite des Hofes hat Landgraf Moritz noch einmal separat gezeichnet (2° Ms. Hass. 107 [286]).

 

2° Ms. Hass. 107 [286]

Entwurf für eine neue  Scheuer

In dieser kleinen Zeichnung entwirft Landgraf Moritz in perspektivischer Ansicht eine "Neue Scheuer" zwischen "Oberscheuer" und "Schaffscheuer". Ebenso wie in der Vogelschauansicht ist dieser Bau als Steinbau zwischen die alten Fachwerkgebäude eingepasst, allerdings liegt hier der Eingang bzw. die Durchfahrt nicht mittig, sondern ist auf die rechte Seite verlegt. Ergänzt wird die Darstellung noch durch Maßangaben.

Es handelt sich vermutlich um den in 2° Ms. Hass. 107 [294] in einer Randnotiz des Landgrafen erwähnten „Abriß“ der den Verlauf der Dachabschlüsse an dieser Hofseite betrifft.

 

2° Ms. Hass. 107 [294]

Brief des Vogtes zu Friedewald wegen Beschaffung von Baumaterialien für den Hof, 1621

Der Bericht des als Bauverwalter eingesetzten Friedewalder Vogtes Peter Meckbach[449] vom 6.7.1621 schildert ausführlich seine Bemühungen, aus dem Abbruch von alten Gebäuden in Creuzburg und andernorts Material zum Neubau der Scheunen in Rohna zu beschaffen. Ähnlich wie in 2° Ms. Hass. 107 [296] spiegeln die teilweise nur schwer lesbaren Randnotizen die Reaktionen des Fürsten auf die enthaltenen Vorschläge, wobei deutlich wird, dass er mit den Bemühungen des Vogtes sehr unzufrieden ist: "Es hette er unlängst thun sollen, wirdt deßwegen undt anderer / seinen verspurten verseumnis / halben die straffe baldt empfang[en]“ (fol.1 verso).

Meckbach erwähnt unter anderem auch die in 2° Ms. Hass. 107 [284] + [286] dargestellte „Newe Scheuren 50 ß langk undt 36 ß / breidt, zwischen die Oberste undt Schaffscheuren zu setzen“ (fol.1 verso) und verlangt einen Abriß zur Klärung des Dachabschlusses, der vermutlich in der kleinen Zeichnung 2° Ms. Hass. 107 [286] vorliegt. Ebenso fordert er einen Grundriss wegen der Versetzung des Schweinestalls: „mochte Copij deß grunts Abrißes haben, zu vernehmen / wie die ander Mauer, daran der Schweinestal zu setzen / lauffen thutt", der vermutlich in 2° Ms. Hass. 107 [285] vorliegt. Aus diesen konkreten Angaben kann man schließen, dass die betreffenden Arbeiten vermutlich tatsächlich realisiert wurden.

 

2° Ms. Hass. 107 [292]

Brief des Vogtes zu Friedewald wegen Beschaffung von Baumaterialien, 1621

Vom 12. Juni 1621 datiert ein weiteres Verzeichnis der Baumaterialien, das der Vogt in Reaktion auf die Anweisungen des Landgrafen vom gleichen Tage, die in dem Schriftstück 2° Ms. Hass. 107 [294] enthalten sind, angefertigt hat. Darin listet er auf, was an Bauholz und Ziegeln vorhanden und was noch zu beschaffen ist. Auch hier hat der Fürst noch am gleichen Tage Anmerkungen an den Rand gesetzt, die dem Vogt übermittelt wurden.


[447] HStAM  Best. Urk. 51 Nr. 31, vgl. Rommel, S. 321

[448] HStAM Karten P II 10366

[449] zu seiner Person HStAM Best. 40 a Rubr. 04212