Stuttgart, Altes Schloss

2° Ms. Hass. 107 [14]

Ansichtsskizze von Süden

Das Alte Schloß in Stuttgart  geht auf eine Wasserburg des 10. Jahrhunderts zurück. Nachdem die Grafen von Württemberg im 14. Jahrhundert ihre Residenz nach Stuttgart verlegt hatten, wurde eine Erweiterung der Anlage notwendig. 1325 entstand deshalb der Dürnitzbau. Herzog Christoph von Württemberg initiierte ab 1533 den Umbau zu einer repräsentativen Vierflügelanlage mit Arkadenhof. Unter der Bauleitung von Aberlin Tretsch  und  der Mitarbeit von Blasius Berwart wurde die Dürnitz umfassend verändert und alle alten Gebäude der Vorburg entfernt. Der schmucklose Bau mit den charakteristischen rechteckigen, auf die Ecken gesetzten Pavillons, erhielt durch die dreigeschossige Arkadengalerie im Innenhof einen besonderen Charakter. 1570 war der Umbau vollendet. Die Beziehungen des hessischen Landgrafen zum Stuttgarter Hof waren aufgrund der verwandtschaftlichen Beziehungen durch Sabina von Württemberg, seine Mutter, sehr eng. Demgemäß sind auch mehrere Besuche in Stuttgart nachweisbar, u.a. auf seiner Reise nach Frankreich 1602.[457]

Die vorliegende Zeichnung des Fürsten entstand während einer durch Archivalien und Zeichnungen belegten Reise, die in die Stuttgarter Umgebung führte (Philippsburg 5.6. / Brief, Bad Boll 14.6. / Zeichnung, Göppingen 27.6. / Brief). Der stark skizzenhafte Charakter der in Einzelteilen ungenauen Zeichnung lässt allerdings eine Aufnahme direkt vor Ort eher unwahrscheinlich erscheinen. Ein wenige Tage später, auf den 15.7. datierter Brief aus Worms[458] lässt vermuten, dass dieses Blatt möglicherweise erst im Nachhinein, aus der Erinnerung entstanden ist.


[457] Rommel 1839, S. 444ff.

[458] in: HStAM Best. 4a 38/19