Cornberg, ehem. Kloster

Das ehem. Benediktinerinnenkloster Cornberg an der Straße von Bebra nach Sontra, das seit dem 13. Jahrhundert bestand, wurde nach der Reformation 1527 aufgelöst. 1580 übergab Landgraf Wilhelm IV. seinem unehelichen Sohn Philipp Wilhelm von Cornberg die ihm gehörende Hälfte, der Anteil des Stiftes Hersfeld kam 1584 hinzu. 1598 erwarb Landgraf Moritz das ehemalige Kloster für 10.000 Reichstaler und schenkte es seiner zweiten Frau Juliane von Nassau, die den an der Straße von Hersfeld nach Eschwege gelegenen Besitz als landgräfliche Vogtei verwalten ließ. 1627 gelangte Cornberg somit in die sog. „Rotenburger Quart“, den Erbteil der hessischen Nebenlinie, die 1834 erlosch.[110] Zwischen 1958 und 1974 wurden die bis dato erhaltenen Wirtschaftsgebäude und das Herrenhaus abgerissen. Der Klosterbezirk wurde 1990 bis 1994 renoviert und dient heute als Bürger- und Kulturzentrum.

Die beiden auf einem Blatt mit Darstellungen von Sontra und Melsungen vereinten Zeichnungen des Landgrafen sind in der oberen Zeichnung auf den 25.10.1630 datiert. Zu dieser Zeit hielt er sich mit seinen beiden Söhnen Moritz und Friedrich vorwiegend in Eschwege auf. Die Vogelschauansichten geben eine anschauliche Bestandsaufnahme des ehemaligen Klosters, das zur damaligen Zeit als gelegentliches Quartier für die landgräfliche Familie diente.

 

2° Ms. Hass. 107 [313] verso, oben rechts

Kloster und Herrenhaus von Norden,1630

Die Ansicht präsentiert die nördliche Hälfte des von einer Mauer umgebenen Klosterbezirks mit dem dort angrenzenden Wirtschaftshof, der von der Landstraße gequert wird. Moritz verzeichnet sorgfältig alle Gebäude, einschließlich des "Wirdtshauß", das 1615 von Landgräfin Juliane verkauft worden war.[111] Im Jahre 1617 sind Baukosten in Cornberg belegt.[112]

Die Klosterkirche wurde wie in Breitenau als „Marstall" genutzt, daran schließt in der Zeichnung links „das hauß“ an, die ehemalige Propstei, die als herrschaftliches Wohnhaus diente. Ausgedehnte Gartenareale, u.a. ein „Lustgarten“, ein „Baumgarten“ und ein „Birngarten“ komplettieren diesen Bereich des Geländes.

 

2° Ms. Hass. 107 [313] verso, unten rechts

Kloster und Herrenhaus von Süden

Der südliche Teil des Klosters "wie man es vom berge her ansiehet“ enthielt im ehemaligen Kreuzgang den "viehhof" mit "Rinder stal", "Marstall" und "kuhen stall". Das östlich neben der Kirche gelegene zweigeschossige „hern hauß”, die ehemalige Propstei, zeigt sich hier als repräsentativer Renaissancebau mit zentralem Zwerchgiebel, Doppelbahnenfenstern und zwei Flankentürmen mit geschweiften Hauben. Neben dem “hernn hauß gärtlein“ liegt - ebenso wie in der anderen Darstellung - ein separater, parzellierter „Lustgarten“. Der rundum eingefriedete Klosterbezirk bot somit eine ideale Grundlage für die kurzzeitige Beherbergung höfischer Gesellschaften.


[110] vgl. Seib 1989, Moch 1996

[111] Moch 1996, S. 24

[112] HStAM Best. 40a Rubr. 10 Nr. 152