Kassel: Nassauer Hof

Der seinerzeit nach der zweiten Ehefrau des Landgrafen Juliane von Nassau  benannte Hof lag an der Stelle des hier vermuteten alten Fronhofs an der "Schlagd", dem Umladeplatz der Schiffe an der Fulda unweit des Ahnaberger Klosters und der Einmündung der von Nordwesten kommenden Ahna. [240] Landgraf Hermann von Hessen-Rotenburg beschrieb 1641 diesen Hof als ein “fürstlich in die Längde fast vierecktes zugebautes, doch nicht ganz steinernes Haus […], sehr lustig an der Fulda ahn dem Ort, wo die Schiffe ausgeladen werden, und ist mit ziemlichen Sälen und notwendigen Gemächern versehen“.[241] Als „Oberstenhof“  war er 1573 von Landgraf Wilhelm IV. angekauft worden und diente zunächst als Sitz des Kasseler Stadtkommandanten.

Während der Regierungszeit Landgraf Moritz d. Gelehrten wurde er von Mitgliedern der fürstlichen Familie bewohnt, so etwa 1612/13 von Otto, dem ältesten Sohn. 1617 wurde er Juliane von Nassau (in den Zeichnungen als „Illustrissima“ bezeichnet) überschrieben, wobei in der Schenkungsurkunde[242] vermerkt ist, dass es sich um eine um­fangreiche Anlage mit mehreren Nebengebäuden handelte.  Nach der Abdankung des Landgrafen 1627 sollte er der Landgräfin und ihren unmündigen Kindern nach dem Wunsche von Wilhelm V. als Unterkunft dienen, - aufgrund der beengten Verhältnisse wurde dies aber zunächst aufgeschoben.[243] Erst nach dem Tode ihres Ehemanns 1632 konnte die hessische Fürstin dort dauerhaft einziehen, mit ihrem Erbe gelangte der Besitz 1643 an die Rotenburger Linie des Landgrafenhauses.[244] Später befanden sich hier der „neue Collegienhof“ und im 18. Jahrhundert der „Packhof“.[245]

Landgraf Moritz hat die ansehnliche, sich zum Wall hin verjüngende Hofanlage nach seiner Abdankung mehrfach gezeichnet. Hauptthema der Zeichnungen war eine Erweiterung und Homogenisierung der Bauten sowie die Konzeption eines repräsentativen Hauptgebäudes­. Wie schon Holtmeyer bemerkte, stimmen die Zeichnungen weder in Zahl noch in Größe der angegebenen Gebäude überein. Das könnte möglicherweise damit zusammenhängen, dass einige der Zeichnungen nicht vor Ort entstanden sind und der hessische Fürst geschätzte Maße angab.

Inwieweit die vorgeschlagenen Verände­rungen, die vermutlich mit dem geplanten Umzug der Landgräfin nach der Abdankung 1627 zusammenhängen,  tat­säch­lich in diesem Ausmaß umgesetzt wurden, bleibt zweifelhaft. Der in dem Stadtplan von Wessel 1673[246] eingezeichnete Grundriss zeigt nach wie vor eine relativ unregelmäßige Anlage. Die geplante Verlegung des Flußlaufs der Ahne unter den Nassauer Hof ist allerdings tatsächlich er­folgt.[247]

2° Ms. Hass. 107 [57] recto , links

Ansicht von Westen

Die langgestreckte Ansicht des Hofes auf der Rückseite einer Darstellung des ehemaligen Klosters Breitenau geht vom Hauptgebäude an der Südseite des Komplexes aus und zeigt die anschließenden Bauten bis zum Wall. Vermutlich aus Gründen der besseren Übersichtlichkeit sind die Häuser im Vordergrund im Grundriss wiedergegeben. Hier befinden sich außerhalb des Hofs neben dem "Saltz haus" auf der rechten Seite auch die Wohnungen des  "Cantzley knechts" und  von "Heinrich der Kutscher“ neben "der alten Baumeisterin Müllers / Hofstädte"[248]. Der „große sahl" neben dem Hoftor an der "schlacht gasse" (heute "Vor der Schlagd") ist verbunden mit dem an der linken Ecke anschließenden quadratischen "vorsahl", der in den Hofraum hineinragt  und an "Georg Königs hofstädte" angrenzt. Die weiteren, in Vogelschau wiedergegebenen Hofgebäude weisen einheitlich Fachwerkkonstruktionen in den Obergeschossen auf, so wie es auch von Schmincke 1767 beschrieben wird: „ist ganz von Holz und nur mit einem steinernen Fusse versehen“[249].  Bei dem langgestreckten Bauwerk auf der linken Seite handelt es sich vermutlich um ein Stallgebäude, während rechts auf das alte Herrenhaus am Fuldaufer nach Norden hin ein deutlich zurück gesetztes Nebengebäude und eine überbaute Galerie folgen. Den Abschluss an der Schmalseite zum „Wall“ hin bildet ein schmaler Verbindungsbau.  Auf der rechten Seite, am Flussufer,  erstreckt sich  ein kleines Gartenareal mit einem Teich, das auch in anderen Zeichnungen wiedergegeben ist (vgl. z.B. 2° Ms. Hass. 107 [202], [204], [208]). Links im Hintergrund ist die angrenzende Bebauung an der „fliegengase“ und  "Jud[en]gasse“ neben dem  Wall teilweise nur angedeutet.

2° Ms. Hass. 107 [206]

Grundriss der südwestlichen Gebäude mit Erweiterungsentwurf

Der Grundriss der südwestlichen Gebäude des Nassauer Hofes entspricht in der gezeigten  Gebäudedisposition weitgehend dem in 2° Ms. Hass. 107 [57] dargestellten Zustand, wobei hier einige Details präzisiert werden. "Georg Könings Hofstädte" in der Ecke zwischen "Illa.[IIlustrissima]  Sahl“ und "Neuer baw." wird hälftig unterteilt, wobei ein Teil beschriftet ist "dieses gebe ein / stall 70 sch lang / 24 schu breidt", der andere "dieses bliebe ein / höflein." Die Erweiterung durch den Besitz von Georg König[250] wird in 2° Ms. Hass. 107 [204] verso expressis verbis erwähnt, kam aber vermutlich nicht zustande, wie der Plan von Wessel aus dem Jahre 1673[251] nahelegt. Das kleine quadratische Gebäude in der inneren Hofecke enthält neben der Treppe auch eine "Silber Cammer". Das angrenzende Gebäude umfasst Kammern und Stuben, die von einem durchlaufenden Gang erschlossen werden.

2° Ms. Hass. 107 [205]

Grundriss der südwestlichen Gebäude

Die sorgfältig mit Hilfe eines Lineals angelegte Zeichnung, die vermutlich zu einem späteren Zeitpunkt beschnitten wurde, präzisiert die Planung für den südwestlichen Teil des Nassauer Hofs, wie er in 2° Ms. Hass. 107 [206] vorliegt. Der neu zu errichtende Anbau an den Saal ist hier aufgeteilt in einen "Stall uff 26 pferde." mit kleiner "Stalstube" und "Vorgemach". Ein "höflein" in der Ecke zum “Vohrsälein” erlaubte den Durchgang vom Stall zum Vorgemach und der Stallstube. Das anschließende Gebäude an der Ahna konnte nur über den Innenhof erreicht werden.

2° Ms. Hass. 107 [56] recto, unten links

Ansicht von Westen

Die kleine Vogelschauansicht auf der Rückseite einer Zeichnung des ehemaligen Klosters Breitenau zeigt den Nassauer Hof in einem ähnlichen räumlichen Zusammenhang wie 2° Ms. Hass. [57], allerdings in diesem Fall von der „hinder Ahne gasse” im Westen aus gesehen. Ebenso wie dort begleitet den Lauf der Ahne ein langgestrecktes Wirtschaftsgebäude bis zum Wall hin. An der gegenüberliegenden Langseite im Hintergrund zieht sich auch hier eine überbaute Galerie, die bis zum alten Herrenhaus am rechten Bildrand reicht. Saal und Vorsaal neben dem Eingang erscheinen angeschnitten. Die Bürgerhäuser im Vordergrund sind nur angedeutet, während das Fachwerkhaus zwischen Fliegengasse und Judengasse genau dargestellt ist, - im Gegensatz zu der Darstellung in der genannten Zeichnung aber ohne einen Steinsockel.

2° Ms. Hass. 107 [207]

Grundriss

Der skizzenhafte Grundriss präsentiert die Gebäudesituation ähnlich wie in 2° Ms. Hass. 107 [57] recto, links mitsamt der südlich anschließenden Bebauung. Besonderes Augenmerk legt die Darstellung auf die Einzeichnung von Stallungen in dem zur Erweiterung vorgesehenen Gelände und den Ausbau des nördlich am Wall gelegenen Gebäudes.

2° Ms. Hass. 107 [204] verso

Ansicht von Norden mit Erweiterungsentwurf , 1627

Die eigenhändig signierte Darstellung: "Illa[IIlustrissima] hof wie derselbe könte / durch erkaufung George  Königs hauß / erweitert werd[en]. / inventiert in d[er] Moritzaw, den / 29. Aprilis 1627" greift den auch in anderen Zeichnungen verdeutlichten Vorschlag auf, den Hof an der Südseite nach Westen hin zu erweitern. An dieser Stelle präsentiert der Entwurf ein Fachwerkgebäude, das neben dem steinernen Hauptgebäude ein Stück weit zurückspringt, wobei der dort bisher eingezeichnete quadratische „Vorsaal“ entfällt (vgl. 2° Ms. Hass. 107 [207]). Ein langgestrecktes Gebäude mit Fachwerkobergeschoß begleitet den Lauf der Ahne, die im Vordergrund unter dem Wall verschwindet. An dieser Stelle schließt der Hof mit einem „Misthöflein“ hinter dem nördlichen Hofabschluss, einem einfachen Gebäude, das laut Beschriftung einen „kuhstall“ und ein „Bakhaus“ beherbergen soll. An der Fuldaseite zieht sich neben dem Garten eine überbaute Galerie, die hier bruchlos  in das deutlich erweiterte Herrenhaus übergeht. Auf diese Weise erreicht Landgraf Moritz eine Vereinheitlichung der Hofanlage, die mit der fast durchgängigen Verwendung von Fachwerk einen ländlichen Charakter erhält.

2° Ms. Hass. 107 [253] verso, rechts

Ansicht von Norden

Die ebenso wie 2° Ms. Hass. 107 [204] verso von Norden genommene Vogelschauansicht wird in ähnlicher Weise erläutert als "der Oberst hoff. erweitert / durch erkauffung geörge Königs hauß“. An der betreffenden Stelle neben dem Saalbau steht wiederum ein Fachwerkgebäude, das an das langgestreckte Gebäude an der Ahne grenzt,  einen schmalen eingeschossigen Steinbau. Auch hier mündet das Gelände in den Misthof  am Wall hinter dem nördlichen Hofgebäude. Die Kanalisierung der Ahne unter dem Wall ist deutlich erkennbar.

Detailliert schildert die Zeichnung auch die  die angrenzenden Bebauung  an "Newe Ahne gasse", "flieg[en]gasse" und „Juden gasse“, überwiegend eng zusammenstehende Fachwerkbauten. Hier schloss nördlich das Reithaus am Ahnaberger Kloster an (vgl. 2° Ms. Hass. 107 [56] recto, oben). Die Bezeichnung “Fuldathumer gasse“ bezieht sich auf  den sogen. Fuldaturm[252] in der Mauer am Fluß.

2° Ms. Hass. 107 [234] recto, oben

Ansicht von Nordwesten

Ähnlich wie 2° Ms. Hass. 107 [204] verso und [253] zeigt auch diese Vogelschau, die sich auf den südwestlichen Teil des Nassauer Hofes beschränkt, einen Fachwerkanbau an das große Saalgebäude, der in diesem Fall in L-Form ausgebildet ist und in Höhe der kleinen Ahnebrücke an das langgestreckte Stallgebäude anschließt, das hier nur auf Grundriss reduziert ist. Die Einzeichnung von "Schulbau", "grosse stall" und "klein stall" auf der Hoffläche dokumentiert weitere Überlegungen zur Erweiterung der von der landgräflichen Familie genutzten Gebäude, wobei die Schule für die damals noch unmündigen neun Kinder aus der zweiten Ehe vorgesehen sein dürfte.

2° Ms. Hass. 107 [203] recto

Ansicht von Norden

Ebenso wie 2° Ms. Hass. 107 [234] recto, oben konzentriert sich die Darstellung auf den südwestlichen Teil  von "Illa [Illustrissima] hof", wobei die angrenzende Bebauung im Grundriss nur angedeutet ist. Der Saalbau wird in diesem Fall von einem rechtwinklig(?) anschließenden Gebäude ergänzt, bei dem es möglicherweise um den in der genannten Zeichnung einskizzierten „Schulbau“ handelt.

2° Ms. Hass. 107 [203] verso

Besoldungsliste des Hofes der Landgräfin Juliane

Die Rückseite der kleinen Zeichnung vom Nassauer Hof enthält eine ausführliche Auflistung der Kosten des Hofes der Landgräfin und der Familie. Nach der Abdankung des Landgrafen Moritz wünschte Wilhelm V. ihren Umzug in den Nassauer Hof, der aber aufgrund der Vielzahl des Personals nicht so einfach zu bewerkstelligen war.[253]

2° Ms. Hass. 107 [202]

Ansicht von Norden, 1627

Die sorgfältige, unter Zuhilfenahme eines Lineals ausgeführte Zeichnung ist beschriftet: "der f.[ürstl] hof Illa.[Illustrissima] 1627 6 Maij M.H.L.". Die Ansicht von Norden zeigt die zum Wall hin sich verjüngende Hofanlage, deren Umgebung links außerhalb durch „die schlacht" (Schlagd), vorne durch "die möhl" (Mühle) und rechterhand durch die „hinder ahn gasse“ und den „ahn fluß“ definiert ist. Der Eingang erfolgt über das „furder thor“, das  neben dem im Hintergrund angedeuteten Salzhaus (s.u. 2° Ms. Hass. 107 [56] recto, unten rechts) liegt.  Ein  regelmäßiger dreistöckiger Steinbau mit  Mittelrisalit, bezeichnet  als "der Sahlsbaw", „die schule“ und "der neue bau", ersetzt die alten Gebäude im Süden.  Die rechte Langseite des Hofes besteht aus einem schmalen steinernen Verbindungsbau entlang der Ahne. An der linken Langseite befindet sich das „herrnhauß“, begleitet von zwei Gärten, dem „würtzgärtlein“ und dem „Biebergarten“, der von einer „Galerie“ zum Hof hin abgeschlossen wird. Der abschließende Bau im Vordergrund wird als „Der Neue bauw uber dem keller“ bezeichnet, rechts daneben liegt das „wall thor“. Bis auf das alte Herrenhaus sind sämtliche Gebäude als regelmäßige Steinbauten konzipiert, die dem Hof ein herrschaftliches Gepräge geben, eine Idealvorstellung des gerade abgedankten Landgrafen, der zu diesem Zeitpunkt vermutlich noch von einem gemeinsamen Aufenthaltsort der fürstlichen Familie ausging.

2° Ms. Hass. 107 [204] recto, oben

Ansicht von Norden

In weitgehender Übereinstimmung mit 2° Ms. Hass. 107 [202] schildert auch diese Zeichnung die gesamte Hofanlage von Norden als Abfolge von regelmäßig gegliederten Steinbauten. Der nördliche Abschluß zieht sich aber hier nicht bis zur Schlagd, sondern integriert das an dieser Stelle vorhandene alte Fachwerkgebäude, das in 2° Ms. Hass. 107 [56] recto, unten links als „Wagenhaus“ bezeichnet wird.

Ähnlich wie in 2° Ms. Hass. 107 [253] verso, rechts ist auch hier die städtische Bebauung von "hinder Ahngasse", "fliegen gasse" und „Jud[en] gasse“ wiedergegeben, allerdings mit deutlichen Abweichungen, die auf eine eher summarische Aufnahme dieser Gebäude schließen lassen.

2° Ms. Hass. 107 [204] recto, unten

Grundriss

Der Grundriss von "Illa[IIlustrissima] erweiterter hof"  auf einem Blatt, das auf Vorder- und Rückseite weitere Varianten zum Umbau des Nassauer Hofes präsentiert, verzeichnet eine relativ regelmäßige  Anlage des Hofes mit einem durch den "Neue[n] bau uff / george königs bawstädte" erweiterten Hauptgebäude, einer offenen Galerie an der Ahneseite  und einem breiten Querriegel "neuer baw mit Abschaffung / des Wag[en] hauses" am Wall. In ähnlicher Form ist der Baukomplex auch in der 1627 datierten  Vogelschauansicht 2° Ms. Hass. 107 [202] geschildert.

2° Ms. Hass. 107 [209]

Grundriss

Der sorgfältig ausgeführte, unbeschriftete Grundriss  wiederholt sehr getreu die in 2° Ms. Hass. 107 [204] recto, unten vorgegebene Gliederung. Kennzeichnend ist die regularisierte  Anlage der Bauten um den Innenhof, der durch Arkadengänge repräsentativ aufgewertet wird.

2° Ms. Hass. 107 [208]

Idealentwurf, Grundriss

Übereinstimmend mit  2° Ms. Hass. 107 [209] präsentiert auch dieser Grundriss einen recht detaillierten Entwurf für eine durchdachte Homogenisierung und Erweiterung der Hofanlage. Das Hauptgebäude "Illa[Illustrissima] Sahl" wird durch  den "Neu baw / von george / könig erkauft. / darin etzliche  ge / mach zu erbauen." ergänzt, wobei wie in der Ansicht 2° Ms. Hass. 107 [202] ein mittig vorgelegter Risalit beide Bauten verbindet und zugleich die Treppe und die  "Silber / stub[e]." aufnimmt. Das alte Herrenhaus an der Seite zur Schlagd hin sollte gemäß der eingezeichneten Raumdisposition als Versorgungsgebäude mit  "Küche", "Speiskammer" und  "backstube" dienen, während auf der gegenüberliegenden Seite eine  "Stallung uff 25. pfe" die "Stallung uff 20 pfe." am Wall zu einem fürstlichen Marstall ergänzt. Die beiden Galerien zwischen den Gebäuden vereinheitlichen den Hofraum und werten ihn repräsentativ auf. Im Anschluß an das Stallgebäude am Wall sind hier ein „keller“ und ein „Mühle“ eingezeichnet. Die vorgeschlagenen Veränderungen zielen in der Gesamtheit auf die Möglichkeit der Unterbringung einer großen fürstlichen Entourage.

Ergänzt wird die Darstellung durch die Angabe der  Bebauung an der „saltz oder schlacht gasse", die ähnlich auch in 2° Ms. Hass. 107 [57] recto , links und [207] angeben ist. Die sorgfältige Aufnahme des Salzhauses korrespondiert mit der separaten Ansicht des Gebäudes 2° Ms. Hass. 107 [56] recto, unten rechts.

2° Ms. Hass. 107 [56] recto, unten rechts

Salzhaus am Nassauer Hof

Das „Saltzhaus“, ein stattlicher zweiflügeliger  Bau  vor dem Nassauer Hof an der Schlagdgasse,  war von Landgraf Wilhelm IV. zwischen 1570 und 1580 erbaut worden  Es diente vermutlich in erster Linie zur Aufnahme des Salzes, das in Sooden bei Allendorf gewonnen wurde. In seiner Grundgestalt war es noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts erhalten.[254] Landgraf Moritz zeigt den Bau in Übereinstimmung mit dem Grundriss in 2° Ms. Hass. 107 [208] mit seinen im rechten Winkel aufeinandertreffenden dreigeschossigen Flügeln, die durch den Wendeltreppenturm in der Hofecke erschlossen werden. Rechts anschließend liegt der „Commiß / hof", der seinerzeit zur Verpflegung des Hofpersonals diente. 1615 hatte Landgraf Moritz das unweit gelegene Rüsthaus gegen diesen zwischen dem Salzhaus und dem „Neuen Bau“ gelegenen Hof getauscht.[255] Auf dem Stadtplan von Wessel 1673 ist er an derselben Stelle eingezeichnet.[256] 1618 war das ehemals landgräfliche Rüsthaus an der Schlagdgasse an Hans Fahr verkauft worden, unter dessem Namen erscheint es auch auf dieser Zeichnung links unten neben dem Haus von Bürgermeister Didamar.[257] Geschildert wird das stattliche Eckgebäude als Fachwerkkonstruktion über zwei Steingeschossen, ergänzt durch einen Erker an der Schlagdgasse. Vermutlich handelt es sich bei dieser Vogelschauansicht um eine Bestandsaufnahme der Bebauungssituation vor dem Nassauer Hof.

2° Ms. Hass. 107 [211]

Bericht über Bauarbeiten am Nassauer Hof

Der undatierte Bericht über „Die Gedingte Arbeijten ahn hießigem E. f.g. Naßau,, / ischen hoiff“,  betrifft die Bezahlung der Arbeiter „daß alß selbiger Arbejtter  einer  wochentlich / uff seine Verköstigung zue 42. auch zue 36 alb. bekomen thutt“  und die Beschaffung von Material und Fachkräften zum Verputzen „Wan E.F.G. mir auch in gn. befohlen etzliche  Kleibe / wie auch Kalck zue verbinde[en] So balt Möglich zue / wege zue  bring“. Ein konkreter Bezug zu den Zeichnungen lässt sich nicht erkennen.

2° Ms. Hass. 107 [219] verso, unten rechts

Hof am Steinweg

Die kleine Ansicht mit der Beischrift  „Illi. Hof zu den Linden am Steinweg(?) Zu Cassel 1630 den 29. Septemb. M.H.L.“, war bisher bei den Zeichnungen des Nassauer Hofes abgelegt worden. Die Beschriftung verortet diesen Hof jedoch eindeutig in der direkten Umgebung des Landgrafenschlosses am Steinweg. „Schloßwall“, „Schloßgraben“, und "Brüder Pfarrhaus" verorten die Gebäude ungefähr im Bereich des Renthofes. Der im Horizontalschnitt angedeutete "Cörenbergisch hoff" -  gemeint ist vermutlich der Cornberger Hof - lag aber eigentlich am Graben, an der Ecke zur Druselgasse.[258] Aufgrund dieser Widersprüche ist eine genaue Lokalisierung des Hofes in Kassel derzeit nicht möglich.


[240] vgl. Holtmeyer 1923, S. 429 ff.

[241] zitiert nach Perst 1964/65, S. 216

[242] HStAM Best. 4a 42 Nr.15

[243] Lemberg 1994, S. 345f.

[244] vgl. Lemberg a.a.O., S. 387ff.

[245] Holtmeyer 1923, S. 437

[246] HStAM Karten R II 46

[247] Holtmeyer 1923, S. 435

[248] nach Holtmeyer 1923, S. 746 besaß Baumeister Adam Müller 1605 das Haus „Vor der Schlagd Nr. 5“

[249] Schmincke 1767, S. 236

[250] hierbei handelt es sich vermutlich um den Zeugmeister gleichen Namens, vgl. die Akte im HStAM Best. 4d Nr. 247

[251] HStAM Karten R II 46, Holtmeyer 1923, Taf. 19,1

[252] Brunner 1913, S. 80

[253] Lemberg 1994, S. 345

[254] vgl. Holtmeyer 1923, S. 598f.

[255] vgl. Holtmeyer 1923, S. 423ff.

[256] Abb. in Holtmeyer 1923, Taf. 19, 1

[257] Holtmeyer 1923, S. 422

[258] Holtmeyer 1923, S. 672