Vogelsburg b. Eschwege

Das Gut Vogelsburg bei Reichensachsen, südwestlich von Eschwege gelegen, war seit 1471 ein hessisches Lehen der Herren von Boyneburg. Später erwarb die Landgrafschaft Hessen  die Domäne, die noch heute als hessischer Staatsbetrieb geführt wird.[381]

Die von Moritz auf den 15.03. und 1.04.1631 datierten diesbezüglichen Zeichnungen gehören in den Zusammenhang einer kleinen Reise bzw. Ausflügen, die er in diesem Jahr vermutlich zusammen mit seinen Söhnen Moritz und Friedrich im Raum Eschwege unternahm, wie die ebenfalls datierten Zeichnungen von Germerode (19.03.), Abterode (20.03.) sowie Grebendorf (24.03.) nahelegen.

Die dem Bestand beiliegende Vermessungstabelle, die Daten zu den zugehörigen Grundstücken und einen Kostenvoranschlag für eine Einfassungsmauer beinhaltet, lässt vermuten, dass die Entwürfe des Landgrafen in diesem Zusammenhang entstanden sind.

 

2° Ms. Hass. 107 [322]

Entwurf für eine Neugestaltung des landgräflichen Gutes, 1631

Die sorgfältig komponierte große Vogelschauansicht "Die Vögels Burgk. bey Reichensachsen / Anno 1631. den 15. Martij. M.H.L.", präsentiert die Gebäude  am Hang als absolut symmetrische, geschlossene Anlage. Das höher gelegene, zweigeschossige „Junker hauß“ (im Kern heute noch vorhanden) wird von Landgraf Moritz durch einen zentralen Treppenturm aufgewertet. Zwei mit massiven Substruktionen unterfütterte Rampen leiten über zum tiefer gelegenen Hof  mit den beiden flankierenden Wirtschaftsgebäuden. Eine Mauer und ein Torhaus („Meyer hauß“) schließen den Hof zur Straße hin ab.

In dieser Kombination von Bestandsaufnahme und Entwurf integriert Landgraf Moritz den vorhandenen Baubestand (Wohnhaus, Stall, Scheuer) in eine ideale Vision eines herrschaftlichen Hofes, der durch die Rampe und den Treppenturm repräsentativen Charakter erhält.

 

2° Ms. Hass. 107 [324]

Entwurf für eine Neugestaltung des landgräflichen Gutes, 1631

Die weiträumige Ansicht "Die Vögelsburg. / mit zween[?] Baum gart[en]. 1631. / den 1 Aprilis. M.H.L." zeigt die Hofanlage als Teil eines umfangreichen, am Hang gelegenen Besitzes, der neben den unterschiedlichen, terrassierten  Gartenbereichen auch über zwei Teiche verfügt. Das Wohnhaus des 16. Jahrhunderts besitzt ebenso wie das Torhaus ein massives Erdgeschoss sowie ein Fachwerkgeschoss mit  Zwerchgiebel. Die die Anlage prägende Rampen führen in diesem Fall in konkavem Schwung zu den Wirtschaftsgebäuden, eine Weiterentwicklung des in 2° Ms. Hass. 107 [322] gezeigten Entwurfes.

 

2° Ms. Hass. 107 [323]

Entwurf für eine Neugestaltung des landgräflichen Gutes

Ebenso wie die anderen Zeichnungen schildert auch diese Vogelschau  “Aviburgum”, den Hof Vogelsburg,  als symmetrische Hofanlage mit einer aufwendigen Rampenkonstruktion zur Überwindung des Höhenunterschiedes. Ergänzend zeigt Landgraf Moritz  in diesem Fall auch den separat gelegenen „Wagenhof“ bei den Teichen am „Weg nach Reichensachsen“. Maßangaben lassen darauf schließen, dass hier tatsächlich vor Ort Messungen vorgenommen wurden.

 

2° Ms. Hass. 107 [325]

Vermessungstabelle und Kostenvoranschlag für eine Einfriedung

Die "Data der Fögelsburg” verzeichnen die Maße des in 2° Ms. Hass. 107 [324] dargestellten Besitzes mit den unterschiedlichen Gärten. Desweiteren werden die Kosten für die Einfassungsmauer „wirdt lang 175 schue hoch mit dem grundt 14 schue dicke 2 1/2 schue“ errechnet, wobei die Steine zu Schiff von Albungen antransportiert werden sollten.


[381] vgl. Denkmaltopographie 1992, S. 280 f.