17.06.2020 | Porträts und Geschichten

Die­se Ide­en sind ba­res Geld wert

Nachhaltigkeit nicht nur als Studienfach, sondern auch im täglichen Betrieb – die Universität Kassel zeigt, wie das geht

Bild: Andrea Fischer

Mehr als 25.000 Studentinnen und Studenten, mehr als 3.000 Mitarbeitende und eine zu bewirtschaftende Gebäudefläche von mehr als 350.000 Quadratmetern – der Betrieb der Universität Kassel ähnelt in vielerlei Hinsicht einer kleinen Stadt für sich. Klar, dass auch der Energieverbrauch in Dimensionen liegt, die eher denen einer Stadt als denen eines Privathaushaltes ähneln. So verbraucht die Uni jährlich rund 23.000 Megawattstunden Strom und benötigt mehr als 110.000 Kubikmeter Wasser.

Die damit verbundenen Kosten belaufen sich auf mehrere Millionen Euro pro Jahr – ein guter Grund, aktiv an Einsparmöglichkeiten zu arbeiten. Aber bei weitem nicht der einzige, wie der Kanzler der Universität Dr. Oliver Fromm sagt: „Mit unserer Zielsetzung für einen nachhaltigen Betrieb übernimmt die Universität Kassel gesellschaftliche Verantwortung – als einer der größten Arbeitgeber der Region müssen wir unseren Beitrag zum Klimaschutz leisten, dazu gehört auch, dass wir unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern Möglichkeiten eröffnen, Nachhaltigkeit aktiv im Arbeitsalltag zu leben.“

Prämierte Ideen werden umgesetzt

An der konkreten Umsetzung dieser Zielsetzung arbeiten Menschen wie Georg Mösbauer und Dirk Schnurr. Zusammen mit weiteren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern aus der Abteilung Bau, Technik und Liegenschaften arbeiten die beiden gerade am dritten Nachhaltigkeitsbericht der Universität und koordinieren viele der darin beschriebenen Aktivitäten im Betrieb.

„Vielen Mitarbeitenden und Studierenden sind die Dimensionen gar nicht bewusst, auf denen sich der Energie- und Ressourcenverbrauch der Uni bewegt“, sagt Georg Mösbauer, Leiter der Gruppe Arbeitssicherheit und Umweltschutz. So werden an der Universität Kassel jährlich rund 15 Millionen Blatt Papier verbraucht. Etwas weniger als die Hälfte davon ist Recyclingpapier – um die andere Hälfte an Frischfaserpapier zu erzeugen, sind rund 100 Bäume, mehr als 2 Millionen Liter Wasser und 430.000 kWh Energie nötig. Und das jedes Jahr.

Um den Papierverbrauch zu senken, wurde deshalb zunächst das doppelseitige Drucken und Kopieren als Standardeinstellung an den Multifunktionsgeräten in den Universitätsbibliotheken eingeführt. „Alleine in den ersten zwei Wochen nach der Umstellung wurden dadurch gut 6.000 Blatt DIN A4 weniger verwendet“, berichtet Mösbauer. Diese Maßnahme soll nun auf andere Gebäude und Einrichtungen übertragen werden.

Hervorgegangen ist diese Einspar-Idee aus einem Ideenwettbewerb im Jahr 2016, in dem Vorschläge zur nachhaltigen Entwicklung der Universität gesammelt wurden. „Wir haben im Rahmen dieses Wettbewerbs auch noch viele andere Vorschläge erhalten, mit dem Ziel den Wasser-, Strom- und Wärmeverbrauch zu reduzieren oder den Anteil an E-Mobilität zu erhöhen – das sind für uns wertvolle Impulse für die Planung“, sagt Mösbauer.

Nachhaltige Finanzierung

Um Planung geht es auch in dem Projekt „Intracting“, das Dirk Schnurr betreut. Intracting ist ein Finanzierungsinstrument, das im Kern die Finanzierung von Energieeffizienznahmen aus sich selbst bedeutet. Mit dem Geld also, das durch konkrete Maßnahmen eingespart wird, werden im Uni-Budget dann direkt neue Maßnahmen finanziert. „Das Energie-Intracting zeigt schon kurzfristig Erfolge, rechnet sich aber vor allem langfristig“, sagt Dirk Schnurr, der als Energieeffizienzmanager seit 2017 an der Uni angestellt ist.

Schnurr rechnet vor, dass sich die Maßnahmen, die bis Ende 2019 bereits umgesetzt wurden, in den kommenden zehn Jahren auf eine Gesamtersparnis von rund 14.300 Megawattstunden Primärenergie, mehr als 480 Tonnen CO2 und mehr als 2 Millionen Euro an gespartem Geld summieren werden.

„Ein Riesen-Schub für das Projekt hat uns zudem die cdw-Stiftung gegeben, die innerhalb von zehn Jahren Solaranlagen im Wert von rund einer Million Euro auf den Dächern von Universitätsgebäuden finanziert“, schildert Schnurr. Die Kosteneinsparung durch den vermiedenen Strombezug aus dem Netz beläuft sich zum Ende der Projektlaufzeit auf rund 200.000 € pro Jahr. „Neben diesem finanziellen Vorteil trägt das Kooperationsprojekt auch zum Klimaschutz bei, denn durch die Nutzung der Sonne als Energiequelle wird die Atmosphäre bis zum Jahr 2030 um 2.600 Tonnen CO2-Äquivalente entlastet“, berichtet Schnurr.

Infos zum Projekt Intracting und zu den weiteren Aktivitäten der Universität in Sachen betrieblicher Nachhaltigkeit finden sich in der neu eingerichteten Rubrik auf der Uni-Homepage unter www.uni-kassel.de/go/nachhaltigeuni.de