02.07.2020 | Porträts und Geschichten

"Man­che Bau­vor­ha­ben sind für mich ech­te Her­zens­an­ge­le­gen­hei­ten"

Portrait: Beata Lejman

„Zu sehen, wie aus einer Idee etwas ganz Großartiges entstehen kann, ist faszinierend. Wenn man vom Campus am Holländischen Platz in Richtung Norden geht, begegnen Einem viele Beispiele dafür: Das Campus Center, der Lernort LEO, die beiden Torhäuser und der Science Park spiegeln das enorme Wachstum der Universität Kassel in den vergangenen Jahren wider. Sie zeigen, was möglich ist, wenn man an einer Idee festhält.

Die baulichen Veränderungen der Universität sind ein Thema, das mich schon lange begleitet. Während meines Architekturstudiums habe ich die Erweiterung der damaligen Gesamthochschule im südlichen Bereich des Campus erlebt. Jetzt habe ich als Architektin der Abteilung Bau, Technik und Liegenschaften die Chance, den neuen, nördlichen Teil mitzugestalten. Bei allen Bauprojekten, die in den vergangenen Jahren realisiert wurden, verbinde ich auch eine persönliche Geschichte. Denn bei jedem Projekt war ich in irgendeiner Form eingebunden. Manches habe ich lediglich in den Anfängen auf den Weg gebracht oder mitgeplant, anderes vom ersten Konzept bis zur Fertigstellung begleitet. Und dann gibt es Bauvorhaben, die für mich eine echte Herzensangelegenheit waren - so wie das Studierendenhaus, das im November 2019 fertiggestellt wurde.

Über die künftige Nutzung der Kopfbauten der ehemaligen Tuchfabrik Gottschalk ist viel diskutiert worden, sogar ein Abriss der historischen Bausubstanz stand im Raum. Dies galt es aus meiner Sicht zu vermeiden. Mir kam die Idee, hier einen zentralen Ort für studentische Gruppen zu schaffen. Ein Gebäude, das AStA und studentischen Referaten Raum bietet. Ein Gebäude, das gleichzeitig Lern- und Arbeitsort ist und das ein Kulturzentrum mit viel Platz für Veranstaltungen beherbergt. Aus meiner ersten Überlegung wurde eine wunderbare Idee und schließlich ein Konzept, mit dem ich auch Kollegen und das Präsidium überzeugen konnte.  

Architektur hat für mich in erster Linie den Anspruch, Gebäude zu planen für die Menschen, die sie nutzen. Sie sollen sich mit dem Ort, der zu ihrem wird, identifizieren und sich dort wohlfühlen. Deshalb nehme ich ihre Wünsche ernst und beziehe sie von Anfang an mit in den Planungsprozess ein. Das war auch beim Studierendenhaus so: Die Studierenden waren Teil des Planungsteams und konnten mitentscheiden, wie ihre Räumlichkeiten aussehen. Die größte Herausforderung war dabei, die unterschiedlichen Bedürfnisse und Anforderungen unter einen Hut zu bekommen. Dabei ist ein Gebäude entstanden, das ein multifunktionales, großzügiges Raumkonzept bietet, die Spuren der Geschichte aber sichtbar mit einbezieht. Dass das so gut gelungen ist, freut mich sehr. Das Studierendenhaus hat einen Ort Kasseler Geschichte wieder mit Leben gefüllt."