01.09.2020 | Campus-Meldung

Das GPN be­nennt sei­ne PhD-Sti­pen­di­en nach Tho­mas San­ka­ra

Das Global Partnership Network (GPN) wurde im Jahr 2020 gegründet und besteht aus universitären und zivilgesellschaftlichen Partner*innen aus Burkina Faso, Jamaika, Südafrika, Senegal, Uganda, Ghana, Haiti, Indien, Äthiopien und Deutschland.

Bild: GPN / Universität Kassel

Das GPN arbeitet zu den Versäumnissen und problematischen Aspekten internationaler Partnerschaften, die historisch durch die kolonialen Beziehungen zwischen globalem Norden und Süden geprägt wurden und diese teilweise weiterhin reflektieren. Um diese historische Dynamik zu überwinden, muss das Konzept in Richtung einer auf gegenseitiger Anerkennung und Solidarität beruhenden Partnerschaft rekonstruiert werden, die dem multipolaren und postkolonialen Charakter des 21. Jahrhunderts angemessen ist.

Neben der Erstellung von E-Learning-Tools, der Förderung von Forschungskooperationen und der Durchführung einer Vielzahl an Workshops ist das Graduiertenprogramm eine der Kernaktivitäten des GPN. Das GPN vergibt zwölf Stipendien an Doktorand*innen aus dem globalen Süden, um die dortige universitäre Wissensproduktion zu unterstützen.

Wir freuen uns sehr bekannt geben zu dürfen, dass die Familie von Thomas Sankara unserer Bitte zugestimmt hat, die GPN PhD-Stipendien nach ihm benennen zu dürfen. Bis zu seiner Ermordung war Thomas Sankara Präsident von Burkina Faso (1983-1987). Unser Wunsch die Stipendien nach dieser herausragenden Persönlichkeit zu benennen, geht auf seinen bahnbrechenden Ansatz gegenüber globaler Partnerschaften zurück, den wir als Inspiration für unsere eigene kritische Auseinandersetzung mit den Nord-Süd- wie auch den Süd-Süd-Beziehungen betrachten. Sein Widerstand gegen Neokolonialismus und seine Beiträge zur Emanzipation und Selbstbestimmung des burkinischen Volkes inspirieren die afrikanische und internationale Jugend bis heute. In den nur vier Jahren seiner Präsidentschaft machte Sankara das Land unabhängig von jeglichen Nahrungsmittelimporten, ermöglichte zahlreichen Frauen den Zugang zu politischen Ämtern, bekämpfte Elitismus und Korruption, bemühte sich um eine Dezentralisierung und Demokratisierung der Staatsmacht, setzte sich gegen illegitime Schulden ein, begann die Umsetzung von Afrikas ‘Grüner Mauer’ in Burkina Faso und ersetzte die teuren Mercedes Benz der Regierung durch günstigere Kleinwagen, während er selbst mit dem Fahrrad zur Arbeit fuhr.

Unser burkinischer zivilgesellschaftlicher Partner, der Balai Citoyen (zu deutsch: bügerlicher Besen) betrachtet sich als soziale Bewegung und Organisation mit sankaristischer Tradition und besitzt daher eine außergewöhnliche Expertise bezüglich Sankaras Ideen und Politiken. Die Einladung eines*r Sprecher*in des Balai Citoyen zu einem virtuellen Graduiertenschul-Seminar wird daher eine der ersten Maßnahmen unserer Koordinatorin der Graduiertenschule sein. Mit der Benennung des GPN PhD-Stipendiums nach Thomas Sankara haben wir eine Basis geschaffen, um bei der Diskussion von Konzepten wie Ernährungssouveränität, Gleichstellung der Geschlechter, Neokolonialismus oder Theorien wie Post-Development, Dependenz- und Postkolonialen Theorien auf seine visionäre Politik zurückgreifen zu können.

Das GPN bietet ein Graduiertenprogramm an, in dem unsere Doktorand*innen von Professor*innen von zwei GPN-Partneruniversitäten betreut werden. Die ausgewählten Doktorand*innen sind an der Universität ihrer*s ersten Betreuer*in angesiedelt, haben aber die Möglichkeit, sechs Monate an der Universität ihrer*s zweiten Betreuer*in zu verbringen.

Unsere Koordinatorin der Graduiertenschule organisiert zusammen mit den Mitgliedern der verschiedenen GPN-Partner*innen (Partneruniversitäten sowie Partnerorganisationen der Zivilgesellschaft) ein regelmäßiges virtuelles Graduiertenprogramm. Auf diese Weise kann ein breites Spektrum an Fachwissen in verschiedenen theoretischen und praktischen Bereichen in unsere Graduiertenschule eingebracht und eine Verbindung zwischen Theorie und Praxis hergestellt werden.

Das Online-Format ermöglicht einen reichhaltigen internationalen und interkulturellen Austausch, ohne die ohnehin schon anhaltende Klimakrise durch Flugreisen zu sehr anzuheizen. Die Gesamtausrichtung der im Graduiertenkolleg behandelten Inhalte orientiert sich an den drei Forschungsclustern des GPN:

  • Cluster 1: Partnerschaft in der Entwicklungszusammenarbeit: Zugang, Rechenschaft und substantielle Partizipation
  • Cluster 2: Partnerschaft in der globalen Wirtschaft: Landwirtschaft, Finanzen und Energie
  • Cluster 3: Partnerschaft in der Wissensproduktion: Eurozentrismus und alternatives Wissen

Kleinere Gruppen werden mit denjenigen Doktorand*innen gebildet, die im selben Cluster forschen, um das Peer-to-Peer-Lernen über die Distanz und unterschiedliche Kulturen hinweg zu fördern. Die Doktorand*innen werden ermutigt, sich aktiv an der Gestaltung des Graduiertenprogramms zu beteiligen und können so Teile davon nach ihren spezifischen Bedürfnissen und Wünschen gestalten.

Das GPN bietet seinen Partner*innen auch die Möglichkeit an, E-Learning-Tools zu entwickeln, die die Integration vom interdisziplinärem und vielfältigem Wissen unserer Partner*innen in die Lehre der Graduiertenschule unterstützen.

Mit unseren Thomas Sankara-Doktorand*innenstipendien und unserer ‘Global Partnership Graduate School’ hoffen wir, gemeinsam mit unseren Doktorand*innen und unserem gesamten Netzwerk neue Horizonte zu erkunden und dazu beizutragen, dass wir - wie Thomas Sankara zu sagen pflegte - es wagen, die Zukunft zu erfinden.

 

Ansprechpersonen für Rückfragen:

Prof. Aram Ziai, Direktor GPN, Tel. 0561 804-3023

Fiona Faye, Koordinatorin Graduateschool, Tel. 0561 804 7283 (Montag – Mittwoch)