04.06.2021 | Pressemitteilung

Gerechte Weltwirtschaft ist wirksamstes Mittel, um Fluchtursachen zu bekämpfen

Wissenschaftlerinnen der Universität Kassel haben den Zusammenhang von Fluchtursachen und Europäischer Politik untersucht. Die Studienergebnisse und die Initiative der Arbeiterkammer Wien „Das Recht, nicht gehen zu müssen. Europäische Politik und Fluchtursachen“ werden am 7. Juni digital präsentiert.

Bild: AK Wien.

Wenn über das Thema Flucht und Migration gesprochen wird und die möglichen Gründe, warum Menschen ihr Zuhause verlassen, zeigt der Finger dabei oft auf die anderen. Egal ob Krieg, Hunger oder Armut, die Ursachen für Flucht werden meist ausschließlich dort gesucht, wo das eigentliche Drama seinen Ausdruck findet. „Doch diese Sichtweise greift zu kurz. Die tatsächlichen Fluchtursachen liegen tiefer, in einem ungerechten globalen System, das Armut, Hunger, Klimaerhitzung und Kriege erzeugt“, erklärt Präsidentin der Arbeiterkammer Wien Renate Anderl.

„Anstatt lediglich Hilfe vor Ort zu leisten, was gerne als einfache Lösung ohne konkrete Taten ausgesprochen wird, wäre es an der Zeit unsere Produktions- und Lebensweise zu hinterfragen, die an anderen Orten der Welt dazu führt, dass Menschen ihre Heimat verlassen müssen“, so Anderl.

Daher hat die Arbeiterkammer Wien gemeinsam mit Gewerkschaften und NGOs (medico international, weltumspannend arbeiten, pro asyl, VIDC, GPA, PRO-GE und ÖGB International) die Initiative: „Das Recht, nicht gehen zu müssen – Europäische Politik und Fluchtursachen“ gestartet. Dazu findet zwischen dem 7. und 11. Juni eine vielfältige Veranstaltungswoche statt.

Basis bildet die gleichnamige Studie, die diePolitikwissenschaftlerinnen Prof. Dr. Sonja Buckel und Judith Kopp von der Universität Kassel im Auftrag der Arbeiterkammer Wien erstellt haben. Die Studie wirft einen kritischen Blick auf die bisherige Debatte rund um Fluchtursachen. Statt diese nur einseitig in der korrupten und undemokratischen Verfasstheit vieler Herkunftsstaaten zu verorten, thematisiert die Studie, wie globale Ungleichheit und Klimakrise, gerade auch vorangetrieben durch europäische Politik, diese Fluchtursachen (mit-)produzieren.

Studienautorin Sonja Buckel dazu: „Seit den 1980er Jahren werden in der internationalen wie der europäischen Migrationspolitik die Ursachen von Flucht und Migration vor allem in den Herkunftsländern verortet. Dieses Verständnis und die daraus folgenden Maßnahmen können empirisch betrachtet als gescheitert bezeichnet werden. Eine realistische Migrationspolitik muss die Fluchtursachen in globalen Ungleichheitsverhältnissen verorten.“

„Es geht darum, denjenigen etwas entgegenzusetzen, die versuchen Asyl- und Migrationspolitik aus dem globalen Zusammenhang zu reißen, nationalistisch engzuführen und die Sicherung des nationalen Wohlstands über rassistisch begründete Versprechen zu suggerieren. Stattdessen gilt es, Migrationspolitik als Moment der globalen Gerechtigkeitsfrage zu begreifen – und zu adressieren“, ergänzt Judith Kopp.

 

Studienpräsentation

Die Studie wird am 7. Juni von 15 Uhr -17 Uhr von den Studienautorinnen und Lukas Oberndorfer, Referent der Abteilung EU und Internationales, via Zoom präsentiert:

https://us02web.zoom.us/j/87498637918 

 

Außerdem finden von 7 – 11. Juni einige Veranstaltungen zum Thema statt. Zusätzlich wurde eine Broschüre erstellt, in der das Thema Fluchtursachen kompakt und anschaulich behandelt wird. Alle Unterlagen inklusive des Veranstaltungsprogrammes finden Sie unter folgendem Link:Europäische Politik und Fluchtursachen | Arbeiterkammer Wien

 

Kontakt:
Sonja Buckel
Uni Kassel
Professorin für Politische Theorie
E-Mail: sonja.buckel@uni-kassel.de