13.07.2021 | Podcasts

"Open Ac­cess för­dert den wis­sen­schaft­li­chen Aus­tausch"

Warum ist Open Access so wichtig? Welche Vorteile bringt es? Welche Fallstricke müssen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler bei der Veröffentlichung Ihrer Artikel beachten? Dr. Tobias Pohlmann, Mitarbeiter der Universitätsbibliothek Kassel und Open Access Beauftragter, beantwortet uns diese drei Fragen in der Podcastfolge.

Dr. Tobias Pohlmann; Foto: Uni Kassel.

Das Interview führte Christine Graß.

Weitere Informationen finden Sie auch in dem Blogbeitrag der Universitätsbibliothek: https://blog.ub.uni-kassel.de/blog/2021/02/22/deal-or-no-deal/

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Transkript des Podcast:

Liebe Hörerinnen und Hörer, in der heutigen Podcast-Folge ist Herr Dr. Tobias Pohlmann zu Gast. Er ist Mitarbeiter der Universitätsbibliothek Kassel und unter anderem Open Access-Beauftragter. Erstmal von mir: Willkommen!

Dr. Tobias Pohlmann: Dankeschön!

 

Was Open Access so relevant für unsere Wissenschaftler macht, das ist das Thema dieser Folge und dazu stelle ich Herrn Pohlmann jetzt drei Fragen: 1. Warum ist Open Access wichtig?

Dr. Tobias Pohlmann: Inhaltlich ist es so, dass überwiegend in Zeitschriften weniger kommerzieller Großverlage veröffentlicht wird und der Zugriff auf solche Zeitschrifteninhalte, der verursacht hohe und auch zunehmend steigende Kosten. Das gegenwärtige System ist so nicht nachhaltig und dauerhaft auch nicht finanzierbar und die Wissenschaft begibt sich hier in eine Abhängigkeit zu diesen Großverlagen, während die Inhalte und deren Qualitätskontrollen von der Wissenschaft eigentlich unentgeltlich bereitgestellt werden. In der Printära war dieses Modell sinnvoll, im digitalen Zeitalter ist es das so jetzt nicht mehr und wissenschaftliche Kommunikation sollte möglichst frei und ohne Barrieren und Paywalls stattfinden. Open Access fördert genau diesen wissenschaftlichen Austausch und macht wissenschaftliche Forschungsergebnisse auch der interessierten Allgemeinheit und Öffentlichkeit zugänglich, die es letztendlich ist, die die Forschung maßgeblich finanziert.

 

Meine zweite Frage ist: Welche Vorteile bringt mir Open Access?

Dr. Tobias Pohlmann: Zum einen werden die eigenen Forschungsergebnisse, die in Open Access publiziert werden, weltweit frei zugänglich gemacht und finden dadurch eine weitere Verbreitung. Nachweislich werden sie auch häufiger rezitiert, was den wissenschaftlichen Diskurs fördert und auch beschleunigt. Zum anderen werden auch Open Access Artikel in aller Regel unter einer freien Lizenz veröffentlicht, sodass Autor*innen ihre eigenen Texte nach Belieben weiterverbreiten und auch in anderen Veröffentlichungen weiter nutzen können. Das ermöglichen sie auch anderen Wissenschaftler*innen, sodass die Nachnutzung von Open Access Publikation erheblich verbessert wird und je mehr Forscher*innen Open Access publizieren, umso leichter wird für den einzelnen Wissenschaftler und die einzelne Wissenschaftlerin ja auch die Rezeption relevanter Forschungsergebnisse in ihrer eigenen Fachdisziplin.

 

Und die letzte Frage ist: Was habe ich bei der Veröffentlichung meines Papers zu beachten?

Dr. Tobias Pohlmann: Es gibt beim Open Access auch ein paar Dinge zu beachten, beziehungsweise Fallstricke. In den STM-Fächern ist es so, dass für Publikationen Open Access-Zeitschriften in der Regel Artikelgebühren erhoben werden und die können mitunter sehr hoch sein. Und wenn wir hier jetzt im Open Access-Markt eine Preisspirale zulassen, die wir bisher im Subskriptionsmarkt haben, dann bekommen wir hier zwangsläufig dasselbe Problem, was wir ja eigentlich beseitigen wollen. Darum wäre zu beachten, dass man auf Journals achtet, die angemessene Artikelgebühren erheben und man sollte bei Forschungsanträgen immer auch Mittel für Open Access-Publikationen mitbeantragen und wenn einem diese nicht zur Verfügung stehen, dann kann man den Open Access-Fond der Universitätsbibliothek nutzen, der Artikelgebühren bis 2000 Euro brutto übernimmt.

Wichtig ist auch, dass man auf die Qualitätssicherung der Open Access-Journals achtet, und nicht bei Raubverlagen produziert, die ein seriöses Peer-Review nur vortäuschen und denen es eigentlich nur darum geht, eine Artikelgebühr zu erheben und die da alles publizieren, unabhängig von der Qualität. Wichtig wäre also, dass die Journals in der Directory of Open Access Journals gelistet sind.

Und ein letzter Hinweis, die Universität Kassel ist Teilnehmerin an den nationalen Dealverträgen mit den Verlagen Wiley und Springer Nature und Autor*innen der beteiligten Einrichtungen, so auch der Universität Kassel, können bei diesen Verlagen kostenlos im Open Access publizieren und zwar nicht nur in Open Access-Zeitschriften dieser Verlage, sondern auch in deren Subskriptionszeitschriften. Das ist leider noch nicht allen Wissenschaftler*innen der Universität Kassel bekannt, sodass diese Option teilweise unwissentlich abgewählt wird und ich möchte an dieser Stelle dafür plädieren, dass bei Artikeln, die bei Wiley und Springer Nature publiziert werden, immer die Open Access-Option mitgewählt wird, denn die ist von der UB bereits bezahlt und für die Autor*innen entstehen keine zusätzlichen Kosten.

Als abschließende Bemerkung vielleicht noch, mit besonderer Relevanz für die Geistes- und Sozialwissenschaften: Ab sofort fördern wir auch anteilig Open Access-Monographien, sofern bestimmte Förderkriterien erfüllt sind.

 

Lieber Hörerinnen und Hörer, wenn Sie mehr über Open Access erfahren möchten, finden Sie einen ausführlicheren Beitrag auf dem Block der Universitätsbibliothek. Den Link dazu finden Sie in der Beschreibung unter diesem Video. Lieber Herr Pohlmann, ich danke Ihnen für Ihre Antworten.

Dr. Tobias Pohlmann: Vielen Dank für das Interview!