12.10.2021 | Porträts und Geschichten

Ide­en für die KVG-Dienst­be­klei­dung

Studierende der Kunsthochschule haben neue Textilien für die Verkehrs-Gesellschaft entworfen

Bild: Fabienne Rako

„(Up)date KVG“ lautet ein Kooperationsprojekt zwischen der Kunsthochschule und der Kasseler Verkehrs-Gesellschaft (KVG): Unter der Leitung von Professorin Ayzit Bostan (Design textiler Produkte) haben Produktdesign-Studierende aufgewertete Dienstbekleidung und neue Accessoires für die KVG entworfen.

 

Ausschlaggebend für die Kooperation war der Wunsch nach Praxiserfahrungen: „Studierende sollen ihr theoretisches Wissen auf reale Projekte anwenden, um so einen Einblick in die spätere Arbeitswelt zu gewinnen. Auch die Tatsache, dass Entwürfe auf Umsetzbarkeit, Funktion und Ästhetik geprüft werden können, ist für die Praxiserfahrung im Studium sehr wichtig“, erklärt Prof. Bostan. Eine unmittelbare Anschaffung plant die KVG zwar nicht – aber die Designs könnten Anregungen für zukünftige Bestellungen geben, betont KVG-Sprecherin Heidi Hamdad.

Im ersten Schritt setzten sich die Studierenden intensiv mit der Geschichte der Dienstbekleidung auseinander und analysierten die von der KVG bereitgestellte Bekleidung. Da Arbeitskleidung bestimmte Standards, zum Beispiel Hochwertigkeit und Funktionalität, erfüllen soll, wurden die Wünsche der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in das Outfitkonzept miteinbezogen. Das KVG-Team gab den Studierenden einen Einblick in ihren Arbeitsalltag und beantwortete Fragen zu Stärken und Schwächen der aktuellen Dienstbekleidung.

„Unser Ziel war es, die Schnitte zu optimieren und die Qualität der Materialien zu verbessern“, so Prof. Bostan. Sie ergänzt: „Neben der Funktionalität sollte die Arbeitsbekleidung ihren Trägerinnen und Trägern ein attraktives Wohlbefinden vermitteln. Nach meiner Meinung ist die aktuelle KVG-Dienstkleidung nicht modern und zeitgemäß. Eine Dienstkleidung darf ruhig ein bisschen ,cooler‘ aussehen.“ Studentin Fabienne Rako, die im 8. Semester Produktdesign mit dem Schwerpunkt Design textiler Produkte studiert, findet: „Wenn ein Unternehmen für Werte wie Sicherheit, Zuverlässigkeit und Nachhaltigkeit steht, dann sollte sich dies auch in der Dienstkleidung widerspiegeln.“

In der Designphase intervenierten die Studierenden in die vorhandenen Kleidungsstücke und verwendeten Readymades – kombiniert mit ergänzenden und aufwertenden Details. Dazu Rako: „Wir haben durch kleine Eingriffe große Änderungen in Schnitt und Passform vorgenommen, indem wir aus einem klassischen Hemdkragen einen zeitgemäßen Stehkragen entwarfen.“ Außerdem wurden zwei Bänder an der Seite der Damenbluse entwickelt, damit die Bluse bei Bedarf enger getragen werden kann. Bei der Konzeptarbeit stand die Nachhaltigkeitsfrage immer im Fokus: „In textilen Gestaltungsprozessen ist es ein Muss, auf einzelne Nachhaltigkeitskriterien von der Materialgewinnung bis hin zur Textilherstellung einzugehen,“ betont Rako.

Zusätzlich zum Dienstkleidungs-Update wurden Merchandise-Produkte für Personal und Fans der KVG entwickelt. „Es entstanden Schals mit einer verlängerten Straßenbahn und einem Bus in der Länge der Schals“, berichtet Bostan. Außerdem ein Badetuch mit einer Fahrbahnmarkierung in der Mitte. „Im Sommer nehmen sich die Busfahrerinnen und -fahrer ein eigenes Badetuch mit zur Arbeit, um es bei hohen Temperaturen aus hygienischen Gründen unter ihren Sitzbereich zu legen“, erläutert Rako. Bei der Merchandise-Entwicklung wurde thematisch zudem die documenta 15 aufgegriffen. „So zeigt beispielsweise ein Halstuch-Entwurf eine fiktive Kooperation zwischen der KVG und der documenta 15“, so Bostan. Das gekaufte Tuch solle außerdem als Fahrkarte für die Nutzung von Bus und Bahn während der documenta 2022 fungieren, so die Idee. Die Studierenden hoffen, dass eine kleine Anzahl ihrer Entwürfe realisiert wird: „Es gibt zum Beispiel erste Überlegungen, die Fanschals über die KVG anzubieten“, sagt Bostan.

Die angehende Designerin Rako wünscht sich, dass am Ende eines Projekts ein Produkt entsteht, für das sowohl sie als Gestalterin als auch die Auftraggebenden stehen. Deshalb findet die Studentin Kooperationsprojekte wie mit der KVG so wichtig: „Wir Studierenden können erst durch Praxisprojekte ein Bewusstsein dafür gewinnen, wie die Arbeitswelt und die Kommunikation mit Kundinnen und Kunden außerhalb der Kunsthochschule wirklich funktionieren.“

 

Dieser Beitrag erschien im Universitäts-Magazin publik 2021/3. Text: Çiğdem Özdemir