09.03.2022 | Porträts und Geschichten

„Nord­hes­sen hat das Po­ten­ti­al zum Sustainable Val­ley“

Er kommt ins Schwärmen, wenn er die „Aufbruchsenergie“ beschreibt, die er in Kassel spürt. Beim Sprechen scheint es, als wolle er sie mit seinen Händen fassen. Daniel Opper will diesen Spirit nutzen. Seit Sommer 2021 ist er Leiter von UniKasselTransfer und seine Aufgabe ist es, wissenschaftlichen Erkenntnissen in die praktische Umsetzung zu verhelfen.

Bild: Andreas Fischer

„Die Universität hat ein neues Präsidium, engagierte Studierende und Forschende mit innovativen Ideen, baut gerade ein einzigartiges Zentrum für nachhaltige Transformation auf, und auch zivilgesellschaftliche Bewegun- gen wie Scientists for Future geben eine Richtung vor“, beschreibt Opper die Ausgangslage. „Auch auf anderen Gebieten sind Universität und Region stark, etwa in der Mobilitätsbranche oder bei neuartigen Materialien, um nur zwei Beispiele zu nennen.“ Zusammen mit Partnern und Partnerinnen aus Zivilgesellschaft und Wirtschaft müsse die Wissenschaft Herausforderungen unserer Zeit adressieren: „Die großen Fragen sind so komplex, dass wir sie meist nur gemeinschaftlich lösen können. Und so – dialogisch, transdisziplinär, gestaltungsorientiert und nachhaltig – sollte auch Wissenstransfer sein“, schlussfolgert er und rückt seine Hornbrille zurecht. Dafür steht auch die Transferstrategie der Universität, die der Senat im November 2021 verabschiedet und an der Opper bereits mitgewirkt hat. Klassische Kernbereiche wie Patente und Startups seien tragende Säulen des Transfers, aber weitere Elemente gehörten dazu: „Kassel ist eine Gründer- und Ideenhochschule, zu der technologische ebenso wie soziale und kulturelle Innovationen gehören. Das wollen wir stärken.“

Opper stammt aus Kassel. Für ihn verbindet sich die neue Aufgabe mit einer Rückkehr in die Heimat, gemeinsam mit seiner Partnerin. Er studierte Politik, Soziologie und Medienwissenschaften in Göttingen, Hamburg und Berkeley (USA) und arbeitete als Journalist. Als Leiter des Bucerius Lab der ZEIT-Stiftung in Hamburg brachte er in den letzten zehn Jahren Wissenschaft und Gesellschaft in einen Dialog, etwa zum digitalen Wandel, dem zentralen Motor von Veränderungen. Dass die Universität Kassel ein an den 17 Sustainable Development Goals ausgerichtetes Zentrum aufbaut, machte ihn hellhörig. In dem Thema liege eine große Chance, Forschung und Lehre zu Nachhaltigkeit mit Transfer zu flankieren; schließlich gehe es um konkrete Lösungen für eine lebenswerte Welt von morgen.

Disruption in der Region
„Ich beginne meine Aufgabe mit Demut vor den Leistungen der noch jungen Universität Kassel. In den letzten Jahren ist viel entstanden, zum Beispiel der Science Park, wo UniKasselTransfer heute seinen Sitz hat. Mit meinen Erfahrungen und Interessen möchte ich einen persönlichen Beitrag für meine Heimat Nordhessen leisten“, erzählt er lächelnd. Dabei kann er auf ein „eingespieltes Team einer großartigen Einrichtung“ bauen, wie er weiß. „Um die bestehenden erfolgreichen Angebote und Strukturen weiterzuführen und zu entwickeln, brauchen wir einen integrierenden Begriff von Leitung. Ich sehe mich wie einen Coach einer Fußballmannschaft: Gewinnen kannst du nur, wenn du ein starkes Team hast, das den Ball nach vorne spielt.“ Das gelte auch für die Zusammenarbeit mit der Region. Auch und gerade in Nordhessen seien disruptive Herausforderungen zu spüren: Klimawandel, Transformation der Wirtschaft, Digitalisierung oder gesellschaftlicher Zusammenhalt.

„Gleichzeitig hat Nordhessen großes Potential, Nachhaltigkeit zum Leitbild zu machen und vielleicht einmal zu einem ,Sustainable Valley‘ zu werden – zwischen Wilhelmshöhe und Hohem Meißner“, beschreibt Opper seine Vision. Einige Schritte in diese Richtung geht UniKasselTransfer bereits: Im Frühjahr startet eine Crowdfunding-Kampagne, um Projekte für Kassel als „Smart City“ zu fördern. Im Rahmen des Wissenschaftsjahres 2022 findet unter dem Motto „Nachgefragt!“ ein Trialog zwischen Wissenschaft, Kultur und Öffentlichkeit zum Mensch-Natur-Verhältnis im Staatstheater statt. Im Documenta-Sommer soll eine Ausstellung Ideen aus der Universität für die Welt von morgen präsentieren. „Wir zeigen: Hier in der Mitte Europas schlummert viel Potential. Gleichzeitig werben wir für Wissenschaft als verlässlichen Orientierungspol in einer verunsicherten Gesellschaft“, resümiert Daniel Opper.

 

Dieser Beitrag erschien im Universitäts-Magazin publik 2022/1. Text: Vanessa Laspe