06.04.2022 | Porträts und Geschichten

Was mich an­treibt – Da­ni­el Göt­te

Kasseler Promovierende und ihre Themen

Bild: privat

Daniel Götte (34) Die Siegelpraxis der Fuldaer Stiftspflege

Die einst durch Siegel beglaubigten Urkunden des Klosters Fulda verraten uns viel über die Intentionen ihrer Inhaber und die Geschichte der ehemaligen Abtei. Im Januar habe ich mei- ne von der Universität Kassel im Fachgebiet Mittelalterliche Geschichte mit einem Stipendium geförderte Dissertation vorgelegt. Sie thematisiert die Siegelpraxis der Fuldaer Stift- spfleger (1011–1531). Als Verwalter des Hochstifts Fulda fungierten Mainzer Erzbischöfe, benachbarte Adlige und Stiftsritter sowie Dignitäre des Kapitels. Im Fokus steht erstmals die gezielte Anwendung unterschiedlicher Siegeltypen zur Verwaltung einer mittelalterlichen Abtei in krisenhaften Zeiten. Die Siegeltätigkeit der geistlichen und weltlichen Pfleger, die eigenständig oder im Zusammenwirken mit den Äbten, dem Konvent sowie der Ritterschaft und den Städten des geistlichen Territoriums erfolgte, gibt vielfältigen Einblick in die diplomatischen Strategien zur Bewältigung von Finanz- und Regierungskrisen. Hierbei werden gegenseitige Abhängigkeiten ersichtlich. Zur Beglaubigung von Verträgen gebrauchten die Verwalter zum einen ihre eigenen (Amts-)Siegel, mit denen sie sich über ihren adligen Stand und ihre Stellung autorisierten, und zum anderen Amtssiegel mit abgebildeten Klosterheiligen, die sie zur Legitimierung auch gemeinsam mit den Äbten verwendeten. Im September 2021 hat mein zweijähriges wissenschaftliches Volontariat im Kreismuseum Wewelsburg begonnen. In Ausstellungsprojekten zum ehemaligen Hochstift Paderborn kann ich an meine bisherigen quellenbasierten und objektbezogenen Forschungen anschließen, auch dank Frau Prof. Dr. Ingrid Baumgärtner, die mir mit der Doktorarbeit den optimalen Einstieg in einen wissenschaftlichen Beruf ermöglicht hat.

Dieser Beitrag erschien im Universitäts-Magazin publik 2022/1. Protokoll: Sofie Althoff