11.11.2022 | Campus-Meldung

Di­gi­ta­le Selbst­be­stim­mung: Auf­takt zur Ring­vor­le­sung des ITeG

Die digitale Selbstbestimmung ist in diesem Wintersemester Schwerpunkt der ITeG-Ringvorlesung „Digitale Gesellschaft – eine Gestaltungsaufgabe“, die vom Wissenschaftlichen Zentrum ITeG an der Universität Kassel in Kooperation mit der Gesellschaft für Informatik e.V. (GI) und namhaften Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus verschiedenen Disziplinen veranstaltet wird.

Bild: Uni Kassel.

Diskutierte Fragen sind: Was bedeutet digitale Selbstbestimmung überhaupt? Wo liegen die Grenzen der Selbstbestimmung im digitalen Raum? Wie können wir bei der Gestaltung technischer Systeme (digitale) Selbstbestimmung mitbedenken und Benachteiligung vermeiden?

Den Auftakt macht am kommenden Mittwoch Dr. Marcel Mertz, der am Cologne Center for Ethics, Rights, Economics, and Social Sciences of Health (ceres) an der Universität zu Köln an einer von der Deutschen Telekom AG geförderten Studie zum Thema "Digitale Selbstbestimmung" mitgewirkt hat. Der Termin findet online statt.

Digitale Systeme ermöglichen heutzutage Freiheiten, die früher kaum möglich gewesen wären. Wir können heute bequem vom Sofa zu jeder Tageszeit Waren bestellen, Zeitung lesen, rasch etwas in Wikipedia nachschlagen, uns in mannigfacher Weise unterhalten lassen und unser Leben in den sozialen Medien mit Tausenden von Menschen teilen. Wir können miteinander über WhatsApp, Telegram und Co. kommunizieren, jeden Schritt den wir tun verfolgen oder unsere Körperfunktionen rund um die Uhr messen lassen - wenn wir denn wollen.

Doch ist es in der Tat so einfach? Inwieweit kann man sich diesen "Freiheiten" noch entziehen - sei es, weil man mehr und mehr von solchen Systemen und Diensten abhängig wird, sei es, weil nun etwas möglich und wünschenswert geworden ist, was früher gar nicht erst denkbar gewesen wäre (wie z.B. sich ständig selbst zu vermessen, um gesünder zu leben)? Da zudem die konkrete Gestaltung dieser "Freiheiten" selten von einem selber (mit-)bestimmt wird, drängt sich die Frage auf, was Selbstbestimmung in diesem Kontext bedeuten könnte. Im Vortrag wird daher ein Konzept "digitaler Selbstbestimmung" vorgeschlagen, welches an allgemeine philosophische Erwägungen von Selbstbestimmung zurückgebunden ist und sieben Komponenten digitaler Selbstbestimmung identifiziert (Kompetenz, Informiertheit, Werte, Wahlmöglichkeit, Freiwilligkeit, Willensbildung und Handlung). Neben den Grenzen des Konzeptes werden auch beispielhaft Möglichkeiten der empirischen Operationalisierung thematisiert.

Mittwoch, 16. November 2022, 17:00 - 18:30 / online
Dr. phil. Marcel Mertz, M.A.,
Institut für Ethik, Geschichte und Philosophie der Medizin, MHH
"Mehr Freiheiten, aber auch mehr Fremdbestimmung? Überlegungen zu einem Konzept der ‚digitalen Selbstbestimmung‘ "
Via Zoom (www.uni-kassel.de/go/iteg-lectures)