20.03.2019 | Porträts und Geschichten

Ak­ti­vi­täts­räu­me von Ju­gend­li­chen

Der Kasseler Promovierende Moritz Merten über sein Thema: In meiner Forschung geht es um Aktivitätsräume von Jugendlichen und darum, wie sie die Stadt nutzen.

Bild: Eva Krämer
Moritz Merten

Den Begriff „Aktivitätsraum“ haben wir aus der Geographie übernommen. Damit sind Orte gemeint, an denen die Jugendlichen täglich aktiv sind, aber auch die Wege zur Schule, zur Arbeit oder zu Freunden. Ich schaue mir an, in welchem Verhältnis sich die Orte der täglichen Aktivitäten zueinander befinden. Daraus ergibt sich ein aussagekräftiges Muster, das sich über die ganze Stadt verteilt. An welchen Orten sich  Jugendliche besonders oft aufhalten, kann in einen Zusammenhang mit dem Sozialstatus und dem Wohnort der Eltern gebracht werden. Jugendliche aus Elternhäusern mit  geringerem sozialen Status halten sich an anderen Orten auf als Kinder von Akademikern. Meine Forschung ist ein Indiz dafür, dass sich die soziale Schichtung der Bevölkerung auch in den räumlichen Mustern ihrer täglichen Aktivitäten widerspiegelt. Die Chancen, in eine höhere soziale Schicht aufzusteigen, sind immer noch gering. In der Theorie wäre dies durch gleiche Bildungschancen möglich. Allerdings sehen wir in der Soziologie, dass schon in der Grundschule – meist unbewusst – erste Diskriminierungsschritte passieren. Kinder, die aus Arbeiterfamilien kommen, erhalten weniger häufig eine Gymnasialempfehlung, selbst wenn sie das Potenzial dazu haben. Ähnlich ist es im Studium. Kinder, die aus Familien mit geringerem sozialen Status kommen, tendieren eher dazu, eine Ausbildung zu beginnen. Ihre Eltern sind oftmals finanziell nicht in der Lage, sie ausreichend zu unterstützen.

Für meine Doktorarbeit in der Stadt-und Regionalsoziologie habe ich in Berlin an zehn Schulen in verschiedenen Stadtteilen 360 Schülerinnen und Schüler anhand eines Fragebogens befragt. Zusätzlich haben die Befragten auf einem Stadtplan ihre Wohn-und Freizeitorte markiert. Die Auswertung erfolgt kartografisch und statistisch, durch eine Berechnung der geografischen Distanzen zwischen den Orten. Im Herbst folgt eine zweite Feldphase, bei der ich mir vor Ort durch Begehungen mit Jugendlichen einen Eindruck über ihre Freizeitorte verschaffe.

Ich bin schon seit meiner Jugend sehr an politischem und gesellschaftlichem Geschehen interessiert. Heutzutage gibt es leider immer noch viele soziale Ungerechtigkeiten und Ungleichheiten. Ich hoffe, dass ich durch meine Forschung auf diese Probleme aufmerksam machen und den Handlungsdruck auf die Politik erhöhen kann.

Dieser Artikel ist erschienen in der publik 1/2019 (20.03.2019).