30.01.2020 | Pressemitteilung

Kas­se­ler As­tro­phy­si­ker be­ob­ach­ten Mo­le­kül-Brut­stät­te von Stra­to­sphä­re aus

Moleküle sind die Bausteine unserer Materie. Wissenschaftler der Universität Kassel erforschen mit Daten aus dem All, wie sie entstehen. Die NASA und das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) gewähren ihnen dafür jetzt einen privilegierten Zugang zu einem außergewöhnlichen Observatorium.

Bild: NASA/Carla Thomas.
Das Stratosphären-Observatorium für Infrarot-Astronomie (SOFIA) mit geöffneter Teleskoptür.

Das Stratosphären-Observatorium für Infrarot-Astronomie, kurz SOFIA, ist eine umgebaute Boeing 747SP, in deren Heck sich ein 2,7-Meter-Teleskop befindet. Mit diesem fliegenden Infrarot-Observatorium können die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler weit über den Wolken, in mehr als zehn Kilometern Höhe, das Weltall untersuchen. Dort oben ist Infrarotlicht – im Gegensatz zur Erdoberfläche – gut zu empfangen. Jetzt hat eine Kasseler Gruppe um Dr. Guido W. Fuchs und Prof. Dr. Thomas Giesen den Zuschlag bekommen, das SOFIA für mehr als zwei Stunden exklusiv zu nutzen, um Molekül- und Staubhüllen um alternde Sterne zu beobachten.

„Wir interessieren uns für Moleküle in der Nähe riesiger alter Sterne, die uns wertvolle Informationen über die chemische Zusammensetzung unseres Universums liefern. Die Beobachtung mit SOFIA ist für uns eine großartige Gelegenheit, diese Moleküle im Infrarotbereich zu studieren. Mit normalen Teleskopen könnten wir sie so nicht beobachten“, sagt Projektleiter Fuchs, der bei der Messung selbst mit an Bord sein wird. Alternde Sterne gelten als die treibende Kraft, die Chemie in unserem Universum zu verändern, indem sie durch Kernprozesse aus Wasserstoff Elemente herstellen wie Kohlenstoff, Stickstoff oder Sauerstoff. Diese tragen wesentlich zu einer komplexen kosmischen Chemie bei und bilden die Grundlage für alles Leben.

Um Beobachtungen an SOFIA durchführen zu können, setzten sich die Kasseler Astronomen zunächst in einem wissenschaftlichen Ausschreibungsverfahren gegenüber einer starken internationalen Konkurrenz durch: Ihr Projekt zählt zu den vier topklassifizierten deutschen Einreichungen und hat sich somit eine garantierte Mess-Zeit von 132 Minuten auf SOFIA gesichert. Start ist voraussichtlich in der zweiten Jahreshälfte 2020, wenn der zu beobachtende Stern „VY Canis Majoris“ im Sternbild Großer Hund eine günstige Position am Himmel einnimmt.

SOFIA ist eine von der amerikanischen Weltraumbehörde NASA und dem DLR geführte Einrichtung. Für das Kasseler Projekt wird der Beobachtungsflug vom Palmdale-Flughafen in der Nähe von Los Angeles (Kalifornien) starten.

Die Universität Kassel hat mit der Laborastrophysikgruppe eine weltweit anerkannte Expertise im Bereich astronomisch relevanter Moleküle und ist spezialisiert auf hochauflösende Spektroskopie. Gerade diese Fachdisziplin ist entscheidend, um über weite astronomische Distanzen Moleküle aufspüren zu können.

 

Weitere Informationen:

Astrophysikgruppe Kassel:
http://www.uni-kassel.de/fb10/institute/physik/forschungsgruppen/laborastrophysik/startseite.html

SOFIA: www.dlr.de/sofia


Kontakt:

Dr. Guido W. Fuchs
Universität Kassel
Forschungsgruppe Laborastrophysik
Tel.: 0561 804-4797
E-Mal: fuchs@physik.uni-kassel.de