23.07.2019 | Campus-Meldung

Mo­bi­li­täts­chan­cen so­zi­al be­nach­tei­lig­ter Men­schen

Das Forschungsprojekt „Social2Mobility“ startet mit der zentralen Frage: Welche Maßnahmen müssen ergriffen werden, um die Mobilitätschancen von sozial benachteiligten Menschen zu verbessern und so die Teilhabe dieser Personen zu stärken? Dieser Frage wird im Rahmen des inter- und transdisziplinären Verbundprojektes Social2Mobility beantwortet, das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert wird. Das Forschungsprojekt wird federführend vom Fachgebiet Verkehrsplanung und Verkehrssysteme der Universität Kassel koordiniert.

Soziale Exklusion und mangelhafte Mobilitätschancen hängen oft miteinander zusammen, jedoch existieren bislang wenig Informationen über den Umfang, die Struktur und die Ursache-Wirkungs-Zusammenhänge zwischen sozialer Teilhabe, Mobilität und den Lebenslagen. Zum Abbau von sozialer Exklusion ist eine enge Verknüpfung der von Raum-, Verkehrs- und Sozialplanung sehr wichtig, aber aktuell kaum verbreitet. „Häufig wird nur die Erreichbarkeit wichtiger Orte untersucht, ohne jedoch zu prüfen, ob und wie unterschiedliche Personen mit ihren Ressourcen und Fähigkeiten diese Orte erreichen können. Personen, die sich kein Auto leisten können, können für sie wichtige, nur dem Pkw gut erreichbare Ziele eben nur schlecht erreichen,“ sagt Professor Carsten Sommer, Leiter des Fachgebiets Verkehrsplanung und Verkehrssysteme von der Universität Kassel.

Um die Wissenslücken zum Forschungsthema zu schließen, werden im Projekt zunächst quantitative und qualitative Erhebungen durchgeführt. Diese Erhebungen basieren auf zuvor definierten sozialen Indikatoren, welche neben der in der Verkehrsplanung üblichen Größe der objektiven Erreichbarkeit auch individuelle Lebenslagen berücksichtigen. Die Ergebnisse aus Theorie und Empirie bilden die Basis für eine inter- und transdisziplinäre Entwicklung von Planungsinstrumenten für eine integrierte Raum-, Verkehrs- und Sozialplanung. Dabei werden zwei Instrumente genutzt bzw. entwickelt – zum einen Workshops, welche die Partizipation von sozial exkludierten Personengruppen ermöglichen, und ein Verkehrsmodell, welches die Wirkungen von Maßnahmen ermitteln kann. Basierend auf diesen Instrumenten werden anschließend Maßnahmen entwickelt, die die Mobilitäts- und Teilhabechancen der o. g. Bevölkerungsgruppen erhöhen. Die Ergebnisse sollen als Grundlage der Verbesserung von Planungs- und Entscheidungsprozessen auf kommunaler Ebene dienen. Planungsinstrumente und Maßnahmen werden exemplarisch für die Region Hannover erarbeitet, sollen aber auf andere Regionen und Kommunen übertragbar sein.

Das Projekt Social2Mobility wird im Verbund von der Region Hannover, der WVI Verkehrsforschung und Infrastrukturplanung GmbH sowie den Universitäten Kassel und Frankfurt am Main durchgeführt. Das BMBF fördert das Forschungsprojekt im Rahmen der Leitinitiative Zukunftsstadt insgesamt mit einer Summe von 1,06 Millionen Euro. Der Anteil der Universität Kassel beläuft sich auf 399.000 Euro. Projektträger ist das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR).

 

Kontakt:

Prof. Dr.-Ing Carsten Sommer

Universität Kassel

Fachgebiet Verkehrsplanung und Verkehrssysteme

Fachbereich Bauingenieur- und Umweltingenieurwesen

Tel.: +49 561 804-3381

E-Mail: c.sommer@uni-kassel.de