04.07.2019 | Berichte aus den Bereichen

Round Ta­ble „Gleich­stel­lungs­per­spek­ti­ven im Wis­sen­schafts­sys­tem der Universität Kas­sel“

Beim Runden Tisch „Gleichstellungsperspektiven im Wissenschaftssystem der Universität Kassel“ diskutierten am 8. Mai Professorinnen und Professoren der Fachbereiche Maschinenbau, Geistes- und Kulturwissenschaften, Mathematik und Naturwissenschaften, Gesellschaftswissenschaften sowie Elektrotechnik und Informatik vor interessiertem Publikum.

Sie setzten sich mit eigenen berufsbiografischen Diskriminierungserfahrungen auseinander und erörterten Gleichstellungskonzepte, Gleichstellungsarbeit und konkrete Zukunftsperspektiven an der Universität Kassel. In der Runde kamen auch variierende Auffassungen von Gleichstellung in den Fachkulturen zur Sprache. Dabei zeigte sich, dass einige bei Gleichstellung ausschließlich an Frauen denken, während andere den Gleichstellungsbegriff vielfältiger besetzen und in Richtung Diversität erweitern. Einen besonderen Platz in der Diskussion nahm das Thema „geschlechtergerechte Sprache“ ein. Einerseits wurde auf Sprache als kognitive Lenkung, die sich auf Verhaltensweisen in der Gesellschaft auswirkt, verwiesen und so die Wichtigkeit eines sensiblen Umgangs damit betont. Andererseits wurde argumentiert, dass Sprache als Tarnkappe fungieren könne und die Verwendung von Sternchen oder Unterstrichen mitnichten Zeichen für Sensibilität oder ein Garant für Gleichstellung sei.

Zudem wurde darauf hingewiesen, dass es sich dabei um ein Problem in der deutschen Sprache handele, und es wurde dafür plädiert, sich an anderen Ländern zu orientieren und Sprache nicht zum wichtigsten Thema bei Gleichstellungsfragen zu mache. Insbesondere an diesem Diskussionspunkt wurde der Mehrwert des Experiments eines Round Table zu Gleichstellungsperspektiven deutlich. So zeigte sich eindrücklich die Komplexität des Themas Gleichstellung und wie wichtig und bereichernd deshalb eine Auseinandersetzung außerhalb der eigenen Komfortzone und fachkulturgebundenen Denkstrukturen ist.

Bei den Dimensionen Veränderung und Zukunftsperspektiven verwies die Runde zunächst auf die sehr gute bisherige Arbeit des Gleichstellungsbüros. Darüberhinausgehend wurde vorgeschlagen, dass Gleichstellung mit der Nachwuchsförderung verzahnt werden solle, so dass Wichtigkeit und Bedeutung für die Hochschule von Beginn an transportiert werden können. Ebenfalls wurde gefordert, dass die Universität ihr eigenes Menschenbild öffentlicher zugänglich machen und damit verbunden ein deutliches Bekenntnis gegen Anti-Feminismus ablegen solle. Neben diesen grundlegenden Forderungen gab es auch konkrete Vorschläge, z.B. 24-Stunden-Kindergärten einzurichten oder das Zeitbudget der Gleichstellungsbeauftragten auf Fachbereichsebene zu erhöhen. Insgesamt soll eine „Infrastruktur“ für Gleichstellung geschaffen und ein sinnvoller Aufgabenkatalog erarbeitet werden. Gerade in diesem Teil der Diskussion wurde deutlich, wie wichtig der Expert*innenrunde konkrete, nachvollziehbare Handlungsvorschläge sind.

Während der Round Table allen Beteiligten die Gelegenheit bot, vor einem großen Publikum, der das breite hochschulöffentliche Interesse deutlich machte, die eigenen Positionen in einem konstruktiven Miteinander zu reflektieren und auch gegenläufige Positionen zur Sprache zu bringen, erhielt das anwesende Publikum spannende und vielfältige Einblicke in aktuelle Gleichstellungsdebatten an der Kasseler Universität.