21.02.2020 | Pressemitteilung

Spe­zi­el­les Kraft­trai­ning ver­bes­sert Hirn-Funk­tio­nen

Gedächtnis, schnelles Denken, Reaktionsfähigkeit: Ein kombiniertes Kraft- und Gleichgewichtstraining verbessert die Hirn-Funktionen bei Seniorinnen und Senioren spürbar. Das ist das Ergebnis einer Studie von Kasseler Sportwissenschaftlern. Andere Krafttrainingsmethoden zeigen nicht den gleichen Effekt.

Bild: Uni Kassel.
Krafttraining auf wackligem Untergrund: Übungen ähnlich wie diese verbesserten bei Probanden auch die Hirnleistung.

Für die Studie teilten die Wissenschaftler der Universität Kassel die Probanden in drei Gruppen ein; eine der Gruppen absolvierte ein so genanntes Instabilitätskrafttraining, also ein kombiniertes Kraft- und Gleichgewichtstraining, bei dem Gewichte auf wackelnden Unterlagen gehoben wurden. Die anderen beiden Gruppen trainierten an unterschiedlichen Geräten unter stabilen Bedingungen. Zu Beginn und am Ende der Studie absolvierten die Teilnehmer kognitive Tests.

Während die Seniorinnen und Senioren der letzteren beiden Gruppen keine nennenswerte Verbesserung zeigten, konnten die Teilnehmer des Instabilitätskrafttrainings sich signifikant besser an Zahlen erinnern (+ 11% in einem sogenannten digit memory test), unter Zeitdruck Symbole zuordnen (+ 19% in einem digit symbol substitution test) und in einer Stresssituation Farben benennen (+ 8% in einem stroop-colour-word test).

„Dass Sport die Hirnleistung verbessert und sogar einer Demenz vorbeugen kann, ist inzwischen anerkannt. Unsere Studie zeigt, dass dies auch für Krafttraining gilt, insbesondere wenn auf instabilen Unterlagen trainiert wird“, erläutert Prof. Dr. Armin Kibele, Leiter des Arbeitsbereichs Training und Bewegung an der Universität Kassel. Das könne mit den Anforderungen an das Gehirn zu tun haben, die nötig sind, um beim Heben von Lasten das Gleichgewicht zu behalten. Zudem wäre denkbar, dass bei Übungen, die ältere Menschen herausfordern, mehr Dopamin produziert wird, was zu besseren Leistungen des Gehirns beigetragen haben könnte. „In unseren nächsten Studien werden wir diesen offenen Fragen auf den Grund gehen“, kündigt Kibele an.

An der Untersuchung nahmen 82 gesunde Männer und Frauen im Alter von 65 bis 80 Jahren teil, von denen 68 das Programm vollständig absolvierten. Sie trainierten zweimal wöchentlich über zehn Wochen. 

Der Kasseler Sportwissenschaftler Armin Kibele führt seit einigen Jahren national und international beachtete Trainings-Studien mit älteren Menschen durch. Die vorliegende Untersuchung wurde maßgeblich von seinem Mitarbeiter Nils Eckardt konzipiert, beteiligt war außerdem Claudia Braun. Die Ergebnisse sind jetzt erschienen in Nature Scientific Reports.

Link zur Veröffentlichung:

www.nature.com/articles/s41598-020-59105-0

 

Kontakt:

Prof. Dr. Armin Kibele
Universität Kassel

 

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Sebastian Mense
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