19.11.2018 | Standpunkte

Wie ge­ziel­te Des­in­for­ma­tio­nen er­kannt und ge­stoppt wer­den kön­nen

In der Policy-Paper-Reihe des Forschungsverbunds „Forum Privatheit“ veröffentlichen Wissenschaftler des Projekts DORIAN ein Paper, das erläutert, wie Desinformationen, auch bekannt als Fake News, eingedämmt werden können. Das Projekt „Desinformation aufdecken und bekämpfen“ (DORIAN) wird vom Fraunhofer-Institut für Sichere Informationstechnologie (SIT) koordiniert. Beteiligt ist auch die Universität Kassel.

Bild: Sonja Rode.
Prof. Dr. Alexander Roßnagel, Sprecher des Forum Privatheit.

Gesellschaftliche Diskussionen und politische Meinungsbildungsprozesse verlagern sich mehr und mehr in die Online-Welt. Die bietet jedoch nicht nur eine Plattform für den freien Meinungsaustausch, sondern auch viele Einfallstore für gezielte Desinformation. Das interdisziplinäre Forschungsprojekt DORIAN hat ein Policy Paper veröffentlicht, das zunächst erklärt, was Desinformationen überhaupt sind: „Bei Desinformationen handelt es sich um Veröffentlichungen, die nachweislich faktisch falsch oder irreführend sind und in manipulativer Absicht erscheinen, geteilt und halb- bis vollautomatisch weiterverbreitet werden.“ Das Paper liefert unter anderem praktische Hinweise und Vorschläge, die Bürgerinnen und Bürger, Medien und Online-Betreiber, aber auch Politik und Gesetzgeber nutzen können, um ihren Beitrag zum Erhalt einer fairen Diskussionskultur und zur Stabilisierung der Demokratie zu leisten.

Was können Bürgerinnen und Bürger tun?

Auch ohne besondere Technikkenntnisse können Bürgerinnen und Bürgern Desinformationen leicht erkennen, indem sie Plausibilitätschecks durchführen: Textliche Merkmale, die auf Desinformation hinweisen, sind beispielsweise Skandalisierung, unlogischer Aufbau und Abweichung zwischen Überschrift und Text. Technisch affine Personen können in vielen Fällen mittels einer so genannten Bildrückwärtssuche schnell herausfinden, ob ein Foto oder ein Video bereits früher einmal erschienen ist und tatsächlich zum Kontext gehört. Eine wesentliche Möglichkeit, um Desinformation einzudämmen, besteht darin, dafür zu sorgen, dass diese nicht weiterverbreitet werden. Personen, die Desinformationen auf Online-Plattformen entdecken oder vermuten, dass es sich um solche handelt, sollten diese nicht weiterleiten, sondern der jeweiligen Distributionsplattform melden.

Was können Online-Betreiber tun?

Ein Sperren oder Löschen von Inhalten oder Nutzerkonten muss – etwa bei strafbaren Inhalten – sachlich gerechtfertigt sein, darf nicht willkürlich sein und muss die Meinungsfreiheit in der politischen Diskussion beachten. Sie müssen sowohl Over- als auch Underblocking verhindern.

Was können Medien tun?

Medien sollten entlarven und korrigieren. Dabei sollten sie nicht nur der Falschmeldung die richtige Version entgegensetzen, sondern die Richtigstellung „in eine Geschichte einbetten“. Dies erfüllt zwei Ziele: Zum einen kann die Geschichte dazu beitragen, dass das Interesse der Leserinnen und Leser geweckt und die korrekte Information mit höherer Wahrscheinlichkeit gelesen und weitergeleitet wird. Zum anderen kann die Verpackung in eine Geschichte dazu beitragen, dass die richtige – und nicht die falsche – Information fester in den Wissensbestand der Rezipienten aufgenommen wird.




Die Handlungsempfehlungen sind in der Publikationsreihe der „Policy Paper“ des Forschungsverbunds „Forum Privatheit“ erschienen und können kostenlos heruntergeladen werden: Desinformation aufdecken und bekämpfen - Handlungsempfehlungen

 

Das Projekt „Desinformation aufdecken und bekämpfen“ (DORIAN) wird vom Fraunhofer-Institut für Sichere Informationstechnologie (SIT) (Koordination), von der Universität Duisburg-Essen, Medienpsychologie, der Hochschule der Medien Stuttgart (HdM), Journalistik und der Projektgruppe verfassungsverträgliche Technikgestaltung (provet) im Wissenschaftlichen Zentrum für Informationstechnik-Gestaltung (ITeG) der Universität Kassel durchgeführt. DORIAN wird seit dem 1.8.2017 vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert und läuft bis 2019.

 

Projektkoordination „DORIAN“:

Dr. Michael Kreutzer

Fraunhofer-Institut für Sichere Informationstechnologie SIT

Tel.: 06151 869-348

E-Mail: Michael.Kreutzer@sit.fraunhofer.de

 

Sprecher „Forum Privatheit“:

Prof. Dr. Alexander Roßnagel

Universität Kassel

Projektgruppe verfassungsverträgliche Technikgestaltung (provet)

Wissenschaftliches Zentrum für Informationstechnik-Gestaltung (ITeG)

Tel.: 0561 804-3130 oder 2874

E-Mail: a.rossnagel@uni-kassel.de

 

Projektkoordination „Forum Privatheit“:

Dr. Michael Friedewald

Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung ISI

Competence Center Neue Technologien

Tel.: 0721 6809-146

E-Mail: Michael.Friedewald@isi.fraunhofer.de

 

Presse und Kommunikation „Forum Privatheit“:

Barbara Ferrarese, M.A.

Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung ISI

Tel.: 0721 6809-678

E-Mail: presse@forum-privatheit.de

 

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