Aus­stel­lung Kunst­hochschule: HER­KUNFT

Ausstellungseröffnung:
30. Juni 2022, 18 Uhr

Öffnungszeiten:
1. bis 28. Juli 2022
Do – So, 15 bis 20 Uhr

 

HERKUNFT startete im Sommersemester 2021 im Rahmen eines gleichnamigen offenen und fächerübergreifenden Projektseminars an der Kunsthochschule Kassel. Im Seminar fragten wir nach den Wechselbeziehungen und Verhältnissen von sozialer Herkunft, Klasse, Klassismus, Identitätskonstitution, Sichtbarkeit und Anerkennung.

Wir beschäftigten uns mit autosoziobiographischen Texten und den in ihnen verhandelten Bildern, Narrativen und Diskursen des Topos „soziale Klasse“. Hier fanden sich Texte von Autor:innen wie Didier Eribon, Annie Ernaux, Édouard Louis, Pierre Bourdieu, bell hooks, Stuart Hall oder Toni Morrison – Autor:innen, die u.a. für wichtige Arbeiten im Rahmen von Autosoziobiographie als Gesellschaftskritik stehen und deren Texte die übermittelten Erfahrungen im Kontext der sie bestimmenden sozialen Strukturen analysieren.

Im Rahmen eines Workshops mit der Schriftstellerin Heike Geißler arbeiteten wir an eigenen autosoziobiografischen Textformaten. Der eigene Umgang mit dem Sprechen und der Sprache war uns in unserer Forschung wichtig, ebenso die Beschäftigung mit Beispielen von medialer Repräsentation von Armut und prekärem Leben. Wir diskutierten mit dem Konzeptkünstler Sven Johne über seine Ausstellung Ostdeutsche Landschaften sowie mit der Kommunikationssoziologin und Autorin Natasha A. Kelly über ihren Film Millis Erwachen.

Im Anschluss reflektierten wir unsere eigenen Erfahrungen und bereits vorhandene künstlerische Arbeitsansätze, um weitere Handlungsmöglichkeiten zu entwickeln. Neue Ansätze und Konzepte kamen auf den Tisch, bei denen alle Medien und Arbeitsweisen willkommen waren. Ziel war die Entwicklung und Erarbeitung eines komplexen Ausstellungsformates durch die Gruppe.

Die Ausstellung HERKUNFT zeigt Arbeiten von 27 Studierenden der Kunsthochschule Kassel. Wir verstehen uns als eine Gruppe aus Individuen unterschiedlicher geografischer und sozialer Herkunft. Die vielfältigen Medien, individuellen Arbeitsansätze und künstlerischen Arbeitsweisen zeigen einen jeweils persönlichen Bezug, die eigene Haltung zum Thema. Anhand intermedialer Herangehensweisen, die Medien wie Fotografie, Bewegtbild, Sound, Skulptur oder Performance einschließen, behandeln die ausgestellten Arbeiten unter anderem Erfahrungen mit Diskriminierung und Homophobie, die Geschichte unterschiedlicher Migrationsprozesse und den Einfluss geographischer und nationaler Grenzziehungen, welche das Verständnis einer eigenen Identität prägen.

Neben der Ausstellung findet das Symposium „Brüche und Linien – Gespräche über Herkünfte“ zum Rundgang statt. Mit dem Symposium möchten wir einen Raum für unmittelbaren Austausch schaffen. Auch hier ist es uns wichtig, Herkunft im Plural zu denken und verschiedene Perspektiven miteinander zu verknüpfen: Wo finden sich Berührungspunkte, Kontinuitäten, Brüche und Uneindeutigkeiten?

Konzeption und Leitung des fachübergreifenden Seminars Herkunft sowie des Ausstellungsprojektes Herkunft: Prof. Peggy Buth und Holger Jenss, künstlerischer Mitarbeiter (Klasse Intermediale Fotografie); Kuratorische Begleitung: Sebastian Klemm (Berlin).

 

 

  

 

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