Die­ter Kühn

Dieter Kühn erhielt als erster Schriftsteller die an der Gesamthochschule Kassel (GhK) neu geschaffene Brüder-Grimm-Poetikprofessur.

Dieter Kühn, 1935 geboren und in Bayern aufgewachsen, studierte Germanistik und Anglistik in Freiburg, München und Bonn. 1964 wurde er mit einer Arbeit über Robert Musils Roman Der Mann ohne Eigenschaften promoviert. Nach kurzer Tätigkeit als Redakteur lebt er seit 1965 mit seiner Frau und zwei Kindern als freier Autor in Düren. Kühn ist Mitglied des PEN-Club der Bundesrepublik Deutschland und wurde für sein literarisches Werk mehrfach mit Preisen ausgezeichnet.

Bild: GBBTo70 (Wikimedia Commons; CC BY-SA 4.0)
Dieter Kühn (2011)

Mit Dr. Dieter Kühn haben der Präsident und der Fachbereich Germanistik für die Professur einen Autor gewonnen, dessen Arbeit durch spielerisch-experimentelle Schreibweisen und ein ungewöhnliches Spektrum von Themen charakterisierbar ist. Als bei Kritik und Lesern erfolgreichster fiktionaler Text gilt sein 1977 erschienenes Buch Ich Wolkenstein. Eine Biografie, in der er das Leben Oswald von Wolkensteins rekonstruiert, der als Dichter, Komponist und Sänger zu den bedeutendsten Künstlern zwischen Mittelalter und Renaissance zählt: wissenschaftlich fundiert, aber erzählend den Leser*innen Bereiche erschließend, die traditioneller Geschichtsschreibung unerreichbar sind.

Mit der neu initiierten Brüder-Grimm-Poetikprofessur will die Gesamthochschuel Universität Kassel nicht nur einen Beitrag zum Brüder-Grimm-Jahr 1985 leisten (immerhin konzipierten und verfassten die Grimms einen großen Teil ihres Werkes in Kassel), sondern auf Dauer eine Begegnungsmöglichkeit von Wissenschaft und Literatur eröffnen. Die Namensgebung soll die Kasseler Gastprofessur deshalb auch nicht eingrenzen, sondern vielmehr im Sinne des ungewöhnlich weit gespannten Grimm’schen Werks offenhalten für Grenzüberschreitungen. Grenzgängerei soll ermöglicht werden: zwischen Überlieferung und Gegenwart, Literatur und Wissenschaft, Praxis und Intellekt, Produktion und Kritik – und dies über das Spektrum der Fächer und Medien des literarischen Metiers hinweg. Das Bemühen, sich ausgrenzende und zunehmend verständnislos gegenüberstehende Kulturwelten überschreiten zu helfen, sollte in einer Gesamthochschule am richtigen Ort sein. Auch die Einrichtung einer Schreibwerkstatt und damit die Einbeziehung ästhetischer Praxis unterscheidet die Kasseler Grimm-Poetikprofessur der GhK von Poetik-Dozenturen an einigen anderen Universitäten.

GPP-Ver­an­stal­tungs­rei­he mit Die­ter Kühn

Die erste Veranstaltung mit Dieter Kühn eröffnete GhK-Präsident Prof. Dr. Franz Neumann und der Dekan des Fachbereichs Germanistik, Prof. Dr. Anselm Maler, am Donnerstag, dem 23. Mai (im Hörsaal des Kunstbereichs, in der Menzelstraße).

Kühn sprach insgesamt insgesamt fünfmal anhand seiner Arbeit am Parzival des Wolfram von Eschenbach über individuelle Poetik. Dabei stellte er zugleich seine eigene Schreib- und Produktionsweise zur Diskussion. Für die Studierenden der GhK richtete Dieter Kühn außerdem eine Schreibwerkstatt zum Thema »Trennung« ein.

Prei­se und Aus­zeich­nun­gen (Aus­wahl):

  • 1972 Förderpreis des Landes Nordrhein-Westfalen für Literatur
  • 1974 Georg-Mackensen-Literaturpreis
  • 1975 Hörspielpreis der Kriegsblinden
  • 1977 Hermann-Hesse-Preis
  • 1980/1981 Stadtschreiber von Bergen
  • 1989 Großer Literaturpreis der Bayerischen Akademie der Schönen Künste
  • 1993 Mainzer Stadtschreiber Literaturpreis des ZDF und der Stadt Mainz
  • 2014 Carl-Zuckmayer-Medaille