Er­fah­rungs­be­rich­te

Er­fah­rungs­be­richt des Mo­nats: Nor­we­gisch ler­nen, Klau­su­ren oh­ne Zeit­druck und Quid­ditch als Unis­port - Eras­mus in Trond­heim

Am Anfang meines Masterstudiums wurde mir bewusst, dass ein Auslandsaufenthalt während des Studiums sehr viele Vorteile bietet. Beispielsweise die verhältnismäßig einfache Organisation. Es ist zudem die vorerst letzte Möglichkeit ein neues Land kennenzulernen, ohne dort zu arbeiten. Schließlich entschied ich mich für ein Auslandssemester.

Da ich in der Fachschaft aktiv war, kannte ich die Möglichkeiten unseres Fachbereichs und wusste, dass nur eine Universität einen englischsprachigen Masterstudiengang in unserem Bereich anbietet. Daher war schnell klar, dass ich nach Trondheim gehen möchte.

Das Bewerbungsverfahren ist recht einfach und ohne große bürokratische Hürden. Ich bewarb mich also für ein Auslandssemester vom 01.01.2017 bis zum 30.06.2017. Durch das einfache Verfahren, wusste ich schon nach wenigen Tagen und 9 Monate im Voraus, dass ich erasmusgefördert ein Auslandssemester an der NTNU in Trondheim machen kann.

Die Wohnungssuche gestaltete sich ebenfalls einfach und wird in Trondheim von einer zentralen Stelle geregelt. Zwar wird kein Apartment garantiert, aber nach meinen Erfahrungen denke ich, dass fast alle ausländischen Studierenden ein Apartment im Studentenwohnheim bekommen. Die Bewerbung für ein Apartment wird online ausgefüllt und abgeschickt. Ich bekam etwa 5 Tage später einen Mietvertrag zugesendet, welcher ohne Unterschrift gültig ist und mit Bezahlung der Kaution in Kraft tritt. Alle weiteren Informationen wurden mir ebenfalls im Voraus zugesendet, wodurch ich die Möglichkeit hatte viele Dinge wie beispielsweise die Anmeldung im Universitären Prüfungssystem (hier HISPOS) und ähnliches von Deutschland aus zu erledigen.

Bei der Ankunft in Trondheim war es ca. -12°C und alles war verschneit. Da ich gemeinsam mit meiner Freundin mit dem Auto gefahren bin, hatten wir jedoch keine Transportprobleme. Die Straßenverhältnisse sind zwar schwieriger als in Deutschland, aber nach 500 km gewöhnt man sich auch daran. In der Einführungswoche waren wir unter anderem auf dem Tyholt Tower und in Byrmaka. Diese Ziele haben bereits einiges von Trondheim und der norwegischen Mentalität gezeigt.

Die Stadt selbst besteht im Wesentlichen aus einem Stadtkern, im welchem die meisten Geschäfte, Bars und Restaurants angesiedelt sind. Um diesen Kern herum gibt es Wohngebiete und Gewerbegebiete. Die Lebens und die Unterhaltskosten sind im Vergleich zu Deutschland um etwa 1/3 höher, wobei besonders Milchprodukte und frisches Obst oder Gemüse deutlich teurer sind. Die Lebensqualität ist jedoch sehr hoch, was auch an der stehst freundlichen und zuvorkommenden Art der Norweger und Norwegerinnen liegt.

Sowohl die Universität, als auch der Stadtkern sind vom Studentenwohnheim Moholt zu Fuß zu erreichen. Die Busverbindungen sind jedoch auch gut und es besteht die Möglichkeit alle 5 bis 7 Minuten (in der Kernverkehrszeit) in die Stadt zu gelangen. In dem von mir bewohnten Studentenwohnheim gab es zudem einen Supermarkt, welcher auch Sonntags geöffnet hat und ein Fitnessstudio.

Im Umkreis von Trondheim finden sich viele gute Wander-/Ski-und Radfahrmöglichkeiten. Die Landschaft ist sehr schön und da es direkt am Golfstrom gelegen ist, sind die Temperaturen eher mild. Bei meinem Aufenthalt waren -15 bis -18°C die tiefsten Temperaturen.

Das Studium in Trondheim empfand ich als weniger stressig, was auch an dem Workload gelegen hat. 7,5 Credits besitzen dort nach meinen Erfahrungen in etwa einen Workload von 6,0 Credits in Deutschland. Außerdem fand ich die Vorlesungen sehr praxisnah. Selbstverständlich ist das Niveau einer Vorlesung immer von den vortragenden Personen abhängig, was sich auch bei den von mir besuchten Vorlesungen zeigte. Die Vorlesung Economic Assessment of Hydropower Projects war sehr gut strukturiert und aufeinander aufbauend, während die Vorlesung Planning of Hydropower sehr unorganisiert und durcheinander war.

Selbiges gilt auch für die Inhalte der Vorlesungen. Die Kommunikation mit den Professoren, wissenschaftlichen Mitarbeitern und Mitstudierenden war jedoch sehr gut und so konnten Probleme oft schnell behoben werden.

Die abschließenden Klausuren unterscheiden sich von den bei uns normalerweise geschriebenen deutlich, gerade der wesentlich weniger vorhandene Zeitdruck ist eine sehr schöne Abwechslung zu dem bei uns üblichen Zeitdruck. Meist ist zudem die Aufgabenstellung freier gefasst und lässt oft Spielraum für eigene Ausführungen und Gedankengänge.

Im Allgemeinen ist die Universität mit sehr vielen studentischen Organisationen und einem großen Sportangebot auch im sozialen Bereich sehr gut aufgestellt. Ich haben während meiner Zeit beispielsweise begonnen Quidditch zu spielen und so Norweger und Norwegerinnen und andere Erasmusstudenten und Studentinnen kennengelernt.

Ich empfand das Auslandssemester als eine tolle neue Erfahrung und würde es jederzeit wieder machen. Da es im Leben nicht immer einfach möglich ist ein neues Land, andere Kulturen und Menschen kennenzulernen, sollte jeder der ein Interesse daran hat die Möglichkeit im Studium wahrnehmen. In Norwegen ist es für Deutsche zudem recht einfach die Sprache zu lernen und durch die ähnliche Kultur ist die eingewöhnungsphase recht kurz. So gibt es auch mehr Zeit sich mit dem Land und den Menschen zu beschäftigen. Für mich war die Universität in Trondheim, weil der Masterstudiengang in Englisch ist und der Ruf der Universität sehr gut ist eine optimale Wahl.

In den sechs Monaten bin ich sehr viel offener gegenüber anderen Kulturen, Sprachen und Menschen geworden. Gerade die englische Sprache wieder anwenden und sprechen zu müssen hat mir sehr geholfen auf andere Menschen zuzugehen.

Für meine berufliche Laufbahn hat mir der Aufenthalt ebenfalls etwas gebracht, da die Norweger ein Volk sind, dem die Freizeit sehr wichtig ist und die Arbeit erst an zweiter Stelle kommt, kann ich beruhigter und gelassener ins Arbeitsleben einsteigen. Zudem sind die fachlichen Dinge, die ich den Vorlesungen gelernt habe auf ein breites Aufgabenspektrum anwendbar, so kann ich vermutlich effizienter und zielstrebiger arbeiten und zu besseren Ergebnissen gelangen.

Ich würde jedem interessierten Studierenden empfehlen ein Auslandssemester zu machen, da diese Chance im Leben normalerweise nicht mehr wiederkommt.