Tan­kred Dorst

Bild: Tankred Dorst (Wikimedia Commons; CC BY-SA 4.0)
Tankred Dorst (2006)

Tankred Dorst ist für das Wintersemeste 1986/87 als Brüder-Grimm-Poetikprofessor an die Gesamthochschule Kassel (GhK) berufen worden. Seine Vorlesungen begannen am Donnerstag, dem 20. November.

Dorst ist – wie die Brüder Grimm es waren – ein Grenzgänger, der über Genres und Medien hinweg Möglichkeiten sucht: sowohl Romancier und Dramatiker als auch Filmautor, sowohl Schriftsteller als auch Zeitkritiker. Welche Möglichkeiten Medien wie Theater oder Film einem Autor eröffnen, bis hin zu ihren Wechselwirkungen, auch darauf kam Dorst in Kassel zu sprechen. Und man war in Kassel gespannt auch auf die Zusammenhänge von Werken wie Eiszeit, Toller, Merlin, Heinrich oder die Schmerzen der Phantasie bis hin zum Stück Ich, Feuerbach, das Ende Oktober 1986 im Münchener Residenztheater uraufgeführt wurde, bis hin auch zu den bis dahin drei Filmen, die Dorst als Autor und Regisseur gemacht hat – KLARAS MUTTER (D 1978), MOSCH (D 1980) und EISENHANS (D 1983) – und die er selbst als Versuch einer deutschen Mythologie sieht.

Bild: text+kritik
Tankred Dorst

GPP-Ver­an­stal­tungs­rei­he mit Tan­kred Dorst

In insgesamt sechs öffentlichen (Vor-)Lesungen in der Universität ging Dorst auf seine bisherigen Arbeiten im Zusammenhang ein um sie – vor allem seine Theaterstücke – auch im Kontext ihrer Zeitgeschichte darzustellen, so etwa den 1968 uraufgeführten Toller oder den zwischen 1978/80 entstandenen Merlin oder das wüste Land. Mit den Absichten der Brüder-Grimm-Professur der GhK, auf die jedes Jahr wechselnd namhafte zeitgenössische Autor*innen berufen werden, fühlte sich Tankred Dorst auf doppelte Weise verbunden, so hatte er die Bilder der Grimm'schen Märchen immer schon auch als »Bilder für unser Leben« empfunden und manche Motive in Filme und Stücke verwoben.

Als Termine waren der 20. November, 4. und 18. Dezember, 15. und 29. Januar sowie der 12. Februar vorgesehen, jeweils 20 Uhr im Hörsaal der GhK, Menzelstraße 13 (ehemalige Kunsthochschule).

GPP-Veranstaltungsreihe

Prei­se und Aus­zeich­nun­gen (Aus­wahl):

  • 1960 Stipendium des Gerhart-Hauptmann-Preises
  • 1962 Stipendium der Villa Massimo in Rom.
  • 1964 Gerhart-Hauptmann-Preis der Freien Volksbühne Berlin.
  • 1983 Großer Literaturpreis der Bayerischen Akademie der Schönen Künste.
  • 1984 Prix L'age d'or des Königlichen Filminstituts von Belgien
  • 1987 Carl-Zuckmayer-Medaille / Carl Schaeffer Playwright's Award
  • 1990 Georg-Büchner-Preis 
  • 1997 E.T.A. Hoffmann-Preis der Stadt Bamberg (zus. mit Ursula Ehler)
  • 1998 Friedrich-Baur-Preis (mit Ursula Ehler)
  • 1998 Max-Frisch-Literaturpreis
  • 2003 Stiftungsgastdozentur Poetik an der Universität Frankfurt am Main
  • 2009 Ehrendoktorwürde der Universität Bamberg
  • 2009 Prix européen de littérature, Straßburg
  • 2010 Schiller-Gedächtnispreis
  • 2012 Ehrenpreis des Deutschen Theaterpreises Der Faust
  • 2014 Brücke Berlin Initiativpreis (mit Manfred Beilharz)