Er­fah­rungs­be­rich­te


1. Vorbereitungen für den Auslandsaufenthalt

1.1.    Bewerbungsprozess
Der Bewerbungsprozess an der Uni Kassel in der spanischen Fakultät war relativ unkompliziert und einfach. Nachdem ich die Bewerbungsunterlagen fristgemäß eingereicht habe, setzte ich mich mit meinem Koordinator zusammen um mögliche Ziele zu besprechen. Unglücklicherweise war mein 1. Wunsch Mexiko dieses Jahr nicht möglich, da der Vertrag mit der Universität in Puebla nicht verlängert wurde, sodass mir 3 Alternativen blieben, von denen ich mich am Ende für Las Palmas entschied. Auch hier war der Prozess einfach und relativ schnell zu bewältigen und schon bald hatte ich den ganzen bürokratischen Teil abgeschlossen und konnte mich auf meine bevorstehende Ausreise freuen.

1.2.    Wohnungssuche
Zu Beginn der eigentlichen Ausreise in das gewünschte Zielland musste ich einige organisatorischen Hürden bewältigen, dabei stand die Wohnungssuche im Vordergrund. Glücklicherweise ist Las Palmas eine sehr beliebte Stadt für Erasmus-Studenten, daher gibt es ein großes Angebot an Wohnungen und Apartments zur Miete, teilweise auch speziell nur für Erasmus-Studenten. Durch einen Freund, der auch in Las Palmas einen Austausch absolviert hatte, bekam ich eine Kontakte in der Stadt um mir so die Wohnungssuche zu erleichtern. Unglücklicherweise hatten diese aber keinen Platz mehr. Letztendlich kam ich durch eine Anzeige auf Facebook in Kontakt mit einer Italienerin, die meine zukünftige Mitbewohnerin werden sollte, zu einem Zimmer 5 Minuten Fußweg vom Strand und 15 Minuten mit dem Fahrrad zur Universität. Die Nähe zum Strand war mir sehr wichtig, da ich dem Wellenreiten während meiner Freizeit nachgehen wollte, und ich deswegen gezielt Zimmer in der Nähe des Strands gesucht habe. Ingesamt verlief die Wohnungssuche eher unkompliziert.

2.    Studieninhalte

An der Universität in Las Palmas entschied ich mich für zwei Kurse auf Englisch und zwei auf Spanisch. Das Niveau auf Englisch war deutlich unter dem in Deutschland, daher waren diese zwei Kurse eher weniger anspruchsvoll. Im Gegensatz dazu, waren die Kurse auf Spanisch deutlich anspruchsvoller.  Das System auf den Kanaren schien mir deutlich
 “verschulter” als bei uns. “Hausaufgaben” mussten jede Woche abgegeben werden und zwischendurch wurden kleine Tests geschrieben um Gelerntes abzufragen. Es gab außerdem noch eine Zwischenklausur die einen Teil der Gesamtnote ausmachte. Auch an das Spanisch der DozentInnen musste ich mich am Anfang erst gewöhnen, aber nach einiger Zeit konnte ich auch diese gut verstehen. Die DozentInnen dort zeigten viel Verständnis für Erasmus- StudentInnen und waren immer offen für Verständnisfragen und anderen Anmerkungen.

2.1.    Leben in Las Palmas
Neben den 4 Kursen an der Universität, die jeweils 4-stündig unter der Woche stattfinden, blieb genügend Zeit um das Leben in Las Palmas besser kennen zu lernen. Der Kontakt zu den “Canarios” war am Anfang etwas schwierig, aber im Laufe des Semesters wurde er immer besser. Las Palmas hat viel zu bieten wenn es um Bars, Live-Musik und Sportmöglichkeiten geht. Es gibt auch ein Programm für speziell für Erasmus-StudentInnen mit dem man praktisch an jedem Tag etwas anderes machen konnte, bzw. eine andere Bar/ Club jeden Abend. Am Anfang des Aufenthalts kann ich durch empfehlen einige dieser Veranstaltungen wahrzunehmen um Kontakte zu anderen StudentInnen zu knüpfen. Allerdings wird es schnell repetitiv, weil jede Woche das Programm wiederholt wird und um Einheimische kennen zu lernen, sollte man sich anderen kanarischen StudentInnen anschließen. Ein Highlight für mich war dennoch jeden Donnerstag die “Tapas-Night" in der wunderschönen Altstadt von Las Palmas. Für wenig Geld kann man sich hier durch die Tapas- Bars schlemmen und dabei noch Leute aus der ganzen Insel kennen lernen.
Las Palmas ist eine sehr lebendige Stadt und jede Woche konnte man Konzerte an der Strandpromenade besuchen, zu neuen Ausstellungen gehen oder auch einfach nur ein Bier am Strand mit ein paar Freunden trinken. Zurück in Deutschland vermisse ich, das Meer nicht mehr vor meiner Haustüre zu haben. Definitiv ein großer Pluspunkt um sich für ein Auslandssemester auf den Kanaren zu entscheiden.

2.2.    Touristische und kulturelle Empfehlungen
Als kanarischer Erasmus-Student hat man den unglaublichen Vorteil, Anrecht auf die spanische Residencia und damit auch die “Bonificación de viajes” zu haben. Dies beinhaltet einen 75% Preiserlass auf alle Boots- und Flugreisen innerhalb der Inseln und Reisen zu und vom Festland. Daher kann ich jedem Student und jeder Studentin empfehlen diesen Erlass auszunutzen. Der Umwelt zu Liebe bieten sich Bootsreisen zwischen den Inseln enorm an. Man kann in zwei Stunden von Las Palmas Teneriffa erreichen und auch Lanzarote ist nur 4 Stunden entfernt, allein die Reise auf Fähre, die übrigens meistens nur 8 bis 10 € kostet, ist ein Highlight für sich. Nicht selten, sieht man Delphine und Wale während man auf dem Wasser ist.
Gran Canaria hat viel zu bieten und lässt sich leicht und schnell erschließen. Die Autovermietungen sind zudem relativ erschwinglich und haben sowohl in Las Palmas als  auch am Flughafen Mietautos stationiert. Innerhalb von zwei Stunden kann man die Insel umrunden und zu den Highlights gehören unter anderem der “Pico de la Nieves”, der höchste Punkt der Insel, der “Roque Nublo” und das Bergdorf Tejeda. Der “Parque Nacional Tamedaba” bietet zudem auch mehrstündige, gut ausgeschilderte Wanderwege die durch gut erhaltende Wälder hoch oben auf der Insel führen.
Sportliche Herausforderungen, sofern man sie sucht, hat die Insel einige zu bieten. Wie schon erwähnt, hat es mich persönlich sehr gefreut mich dem Wellenreiten zu widmen. Gran Canaria bietet aber auch passionierten Fahrradfahrern, Windsurfen, Kitesurfen, Paraglidern oder Kanufahren genügend Platz und atemberaubende Landschaften um ihren Sport auszuüben.
Persönlich habe ich den Süden der Insel eher gemieden, weil sich dort die großen Hotelanlagen und Urlauber an den Dünen “Maspalomas” und den weißen Sandstränden tummeln. Der Norden der Insel ist etwas rauer und unbewohnter, hat aber dadurch mehr Anziehungskraft wenn man ein kleines, oder großes Abenteuer sucht.

3.    Fazit

Ich würde ein Auslandssemester in Gran Canaria sehr empfehlen. Neben der spektakulären Landschaft, dem Meer vor der Haustür und dem wunderschönen Hinterland mit unglaublichen Aussichten bis nach Teneriffa und Fuerteventura, hat die Stadt auch kulturell einige Sachen zu bieten. Persönlich gefiel mir am Besten, das Meer gleich vor der Tür zu haben und das ganze Jahr herum surfen oder schwimmen gehen zu können. Definitiv ein großer Faktor für die Lebensqualität und das allgemeine Wohlbefinden. Man kann am Strand lernen, Leute treffen oder einfach nur entspannen und einen Kaffee trinken. Besonders viel Fokus habe ich dabei auf das Wellen reiten gelegt, welches mir besonders viel Spaß gemacht hat und ein guter Ausgleich zur Uni war. Ich würde auch darauf achten, eher Richtung Strand zu wohnen, da die Uni doch sehr im Hinterland gelegen ist.
Obwohl ich teilweise das Pensum an der Uni in einigen Fächern viel zu hoch fand, und in anderen eher weniger, habe ich viel Spanisch gelernt. Man muss sich im Klaren sein, dass man nicht unbedingt ein Auslandssemester macht, um möglichst viele Kurse zu absolvieren, bei mir stand das eher im Hintergrund. Mir ging es dagegen eher um einen erhöhten Sprachgebrauch und Spracherwerb durch soziale Kontakte die ich in der Uni knüpfen konnte und um einen anderen Ort und eine Kultur in Europa kennen zu lernen, die mir persönlich sehr gefiel.
Den akademischen Nutzen dieses Auslandssemester schätze ich eher durchschnittlich ein, abgesehen davon, dass ich mein Spanisch deutlich verbessern konnte, habe ich mir nicht viele Kurse anerkennen lassen können. Den persönlichen Nutzen sehe ich aber umso deutlicher. Abgesehen von den vielen Erasmusstudenten aus ganz Europa mit denen man sich austauschen und Freundschaften knüpfen konnte, habe ich viele „Canarios“ kennen gelernt mit denen ich hoffe noch länger Kontakt halten zu können. Auch die Lebensweise, und die teilweise deutlich entspanntere Sicht auf wesentliche Dinge des Lebens werde ich versuchen beizubehalten. Stress ist hier für viele ein Fremdwort und man merkt es durch ihre gelassene und freundliche Art auf Menschen zuzugehen.