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19.10.2015 13:21

„Eine Denkfabrik für die Energiewende“: House of Energy in Kassel gegründet

Um die Energiewende in Hessen weiter voranzutreiben, haben Unternehmen, Forschungseinrichtungen und Landesregierung am Montag in Kassel das „House of Energy“ gegründet. Beteiligt ist auch die Uni Kassel.

„Die Umstellung unserer Energieversorgung auf erneuerbare Quellen ist ein gesellschaftliches Großprojekt, das Austausch und Zusammenarbeit vieler Beteiligter verlangt“, sagte Wirtschafts- und Energieminister Tarek Al-Wazir. „Das House of Energy wird als Denkfabrik, als Kommunikations- und Transferplattform zwischen Wissenschaft, Wirtschaft und Politik fungieren, die Umsetzung der Ergebnisse des Hessischen Energiegipfels konzeptionell begleiten und zur Profilierung Nordhessens als Energietechnologie-Region beitragen.“
 
„Wir bringen die Expertise hessischer Firmen und Forschungseinrichtungen mit den Praxiskenntnissen der Anwender zusammen“
 
Organisiert ist das House of Energy als Verein. Zu den Mitgliedern zählen öffentliche Versorger wie die Städtischen Werke Kassel, private Firmen wie die Viessmann-Werke, Forschungseinrichtungen wie die Universität Kassel und das Fraunhofer-Institut für Windenergie und Energiesystemtechnik sowie die Hessischen Ministerien für Wissenschaft und Wirtschaft. Der Verein und die Landesregierung teilen sich die Kosten der Geschäftsstelle des HoE, deren Etat nach vorläufiger Kalkulation bei 640.000 Euro jährlich liegt. Mit der Zeit sollen neue Mitglieder hinzukommen, so dass die öffentliche Förderung Schritt für Schritt reduziert werden kann.
 
„Wir bringen hier die immense Expertise hessischer Firmen und Forschungseinrichtungen mit den Praxiskenntnissen der Anwender zusammen, damit sich beide Seiten gegenseitig anregen und inspirieren“, erläuterte Al-Wazir. „Vernetzung führt zu Innovationen - diese Strategie hat sich schon auf anderen Gebieten bewährt.“ Der Minister verwies auf die bereits bestehenden Einrichtungen wie House of IT (Darmstadt) und House of Logistics and Mobility (Frankfurt). „Das House of Energy ergänzt diese Reihe um ein außerordentlich wichtiges Themengebiet; die Landesregierung setzt damit einen weiteren Punkt ihrer Koalitionsvereinbarung um.“
 
„Als Vorsitzende des Vorstandes von ENTEGA freue ich mich auf den Austausch mit anderen Wegbereitern der Energiewende“, sagte Dr. Marie-Luise Wolff-Hertwig, Vorstandsvorsitzende des Darmstädter Energieversorgers ENTEGA und Vize-Vorsitzende des HoE. „Forschung und Innovation haben seit je her einen großen Stellenwert bei ENTEGA. Wir haben zahlreiche Projekte erfolgreich abgeschlossen: Etwa die erste geothermische Tiefenbohrung in Hessen oder Forschungsprojekte zur Optimierung von Speichern oder intelligenten Netzen. Wir wollen unser Know-how in dieses Netzwerk einbringen und aus den Erfahrungen und den theoretischen und praktischen Kenntnissen der anderen lernen.“

„Die Energiewende in Deutschland und in Hessen wird nur dann zügig gelingen, wenn neue Forschungsergebnisse arbeitsteilig generiert und zusammengefügt werden, wenn sie dann in Anwendungsoptionen transformiert werden, die von den komplementären privaten und öffentlichen Unternehmen und Einrichtungen aufgegriffen und umgesetzt werden, und wenn der ganze Prozess im politischen Raum ausdrücklich gewollt, gezielt gefördert und auch mit Blick auf die gesellschaftliche Akzeptanz kontinuierlich begleitet wird“, sagte Prof. Dr. Rolf-Dieter Postlep, zweiter Vize-Vorsitzender des House of Energy. „Das House of Energy ist eine hervorragende Plattform, um Reibungen zu minimieren, Abstimmungen zu beschleunigen und ein Konzept aus einem Guss entstehen zu lassen. Der Standort Kassel und die Rolle der Universität Kassel und des Fraunhofer Instituts IWES in diesem Prozess unterstreichen das Profil Nordhessens als Modellregion für die Energiewende."
 
Das House of Energy wird auf dem Campus der Universität Kassel residieren. Deren Präsident Prof. Dr. Reiner Finkeldey sagte: „Wir freuen uns über die Entscheidung der Landesregierung, ein House of Energy zu etablieren, das die jeweiligen wissenschaftlichen und technologischen Stärken der beteiligten Partner bündelt. Für die Universität Kassel ergeben sich durch unser Forschungsprofil auf dem Gebiet der Erneuerbaren Energien hervorragende Anknüpfungspunkte, und wir werden dazu beitragen, dass das House of Energy auf unserem Campus zu einer weithin beachteten Institution wird, die die Forschungsstärke Hessens deutlich macht.“
 
Kassels Oberbürgermeister Bertram Hilgen bezeichnete die Wahl des Standortes als Anerkennung der besonderen Leistungen Nordhessens für die erneuerbaren Energien und die Energieeffizienz: „Hier wurde die Energiewende schon begonnen, als andere noch von Atomkraftwerken träumten. Wir werden weiter daran arbeiten, unseren Vorsprung auf diesem Gebiet zu halten.“
 
Aufgaben des HoE sind neben Forschung auch Weiterbildung, Netzwerkpflege, Initiierung neuer Projekte, Vermittlung von Informationen und internationale Vermarktung. Die Themen reichen von der Windkraft über intelligente Stromnetze bis zur energieeffizienten Produktion. „Weltweit wächst die Nachfrage nach modernen Energietechnologien“, sagte Minister Al-Wazir. „Das HoE wird auch so etwas wie ein Schaufenster hessischer Kompetenz auf diesem Gebiet werden.“

Gemeinsame Pressemitteilung der Hessischen Wirtschaftsministeriums und der Uni Kassel.


KONTAKT:
Wolfgang Harms
Hessisches Ministerium für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Landesentwicklung
Pressestelle
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Email: wolfgang.harms@wirtschaft.hessen.de
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