Stu­di­en­gän­ge mit Schwer­punkt Nachhaltigkeit, Um­welt und Öko­lo­gie

Umwelt- und Nachhaltigkeitsbelange sind für uns in der Lehre und in der Forschung sehr wichtig. Wir haben eine Vielzahl an Lehrveranstaltungen und Studiengänge, die einen Schwerpunkt auf diese Themen legen - und zwar aus den unterschiedlichsten wissenschaftlichen Bereichen. Einige ausgewählte Studiengänge für Studienstarter:innen möchten wir hier vorstellen.

Auch in der Stadt Kassel ist das Thema Umwelt, Klimaschutz und Energie an vielen Stellen sichtbar. Die Region Nordhessen gilt als Pionier in Sachen Energiewende. Die Universität Kassel ist hierbei ein zentraler Motor:

Ar­chi­tek­tur

Mobilitätskonzepte, hybride Stadt- und Gebäudekonzepte, materialeffizientes konstruieren und Bauen, Funktionalität, Wirtschaftlichkeit, Energieeffizienz und Bauökologie – das Thema Nachhaltigkeit in sozialen und ökologischen Belangen ist längst in der Architektur angekommen. Es hat hier einen allumfassenden Charakter, reicht es doch von der Bauplanung über Materialersparnis und Senkung des Energieverbrauchs bis hin zum Recycling von Baustoffen. Tatsächlich hat die Bauwirtschaft weltweit den größten Rohstoffverbrauch, sorgt für das größte Müllaufkommen und ist der größte CO2-Emittent. Grundlegende Fragen, die sich verantwortungsbewusste Architektinnen und Architekten heute stellen, lauten:

  • Wie sind die im Zuge der Klimakrise anstehenden Aufgaben sozial, mensch- und umweltgerecht zu gestalten?
  • Wie sehen in diesem Kontext die Stadt, die Landschaft und das Haus von Morgen aus?
  • Wie kann ich umweltverträglich bauen?
In diesem Kontext thematisiert und behandelt der Bachelor-Studiengang Architektur mit seinen 14 Fachgebieten gestalterische, kritische, konzeptionelle und methodische Fragestellungen des nachhaltigen und zukunftsfähigen Planens und Bauens. Städtebauliche, soziale, konstruktive und technische Aspekte werden ebenso fächerübergreifend berücksichtigt wie soziale Nachhaltigkeit, klimabewusstes und ressourcensparendes Bauen. Auch für Neubauten, Bestandsmodernisierung und Nachverdichtung werden Lösungen für die gesellschaftlichen und ökologischen Herausforderungen entwickelt.

Zentrale Themen in Lehre und Forschung sind:

  • Lebenswerte, resiliente Stadtquartiere
  • Nutzungsmischung im Stadtquartier
  • Hybride und nachhaltige Gebäudekonzepte (Flexibilität)
  • Wasserhaltung- und Speicherung
  • Temperatursenkende Begrünungen, Architektur mit Natur
  • Biodiversität
  • Mobilitätskonzepte
  • Aktive Energiegewinnung und Energieaktivhäuser
  • Materialeffizientes Konstruieren und Bauen
  • Nutzung nachwachsender Rohstoffe und deren Entwickelung
  • Nachverdichten, Um- und Weiternutzung von Bestandsgebäuden
  • Rezyklierbarkeit von Baustoffen
  • Smart Systems in der Energetik, Fassadenentwicklung und Raumkonzeption
  • Nutzung natürlicher, ortstypischer klimatischer Effekte
  • Projekte und städtebauliche Konzepte, die konzeptionell Recycling, Ökologie und Mobilität thematisieren.
  • Forschung an innovativen Baumaterialien

Nachhaltigkeitsaspekte werden in Architektur und Bauindustrie eine immer größere Rolle spielen. Von daher sind die Berufsaussichten in diesem Bereich sehr gut. Absolventen können als Freie oder angestellte Architekten arbeiten. Sie können ferner in der Bauleitung, der Projektentwicklung und -beratung tätig sein oder in kommunalen und staatlichen Bau- und Planungsverwaltungen mitarbeiten. Nachhaltigkeitsberatung im Hochbau und System- und Materialentwicklung sind weitere Tätigkeitsfelder.

Besondere Qualitätsmerkmale der Lehre sind die gelebte Interdisziplinarität, das intensive betreute Projektstudium und der individuelle Gestaltungsspielraum durch vielfältige Wahlmöglichkeiten im Lehrangebot. Neben dem breiten Fächerkanon im Bereich Architektur gibt es eine intensive Zusammenarbeit mit den Fachrichtungen Stadtplanung und Landschaftsplanung.  Das Studium verbindet Theorie- und Hintergrundwissen mit der Anwendung der Erkenntnisse im Rahmen der Entwurfsstudios. Dabei werden von Beginn an grundlegende Nachhaltigkeitsaspekte in den Fachgebieten, je nach Schwerpunkt aus verschiedenen Perspektiven, gelehrt, recherchiert und untersucht, und auch in Entwurfskonzepten räumlich, programmatisch und gestalterisch umgesetzt. Neben theoretischen Aspekten werden auch computerbasierte Programme und Technologien gelehrt, um unter anderem Prozesse sichtbar zu machen, diese in den Entwurf zu integrieren oder auch Konzepte prototypisch zu bauen. Nach dem Erwerb des Bachelors sind drei Mastervertiefungen möglich, in denen Nachhaltigkeitsaspekte ebenfalls eine große Rolle spielen: 

  • Umweltbewusstes Planen und Bauen (UPB)
  • Städtebau/Urban Design
  • Design Research

Öko­lo­gi­sche Land­wirt­schaft

Klimakriese, Nahrungsmittelknappheit in vielen Weltgegenden, wachsende Umweltbelastung, soziale Schieflagen, Migration – die globale Gemeinschaft steht vor großen Herausforderungen. Einer auf Nachhaltigkeit ausgerichteten Landwirtschaft kommen in diesen Spannungsfeldern bedeutende Aufgaben zu: Einerseits muss sie für die wachsende Weltbevölkerung ausreichend gesunde und hochwertige Lebensmittel sowie Rohstoffe und Energie erzeugen, andererseits die Artenvielfalt erhalten, Tierwohl gewährleisten und das Klima, die Böden und das Grundwasser schützen. Der Fachbereich Ökologische Agrarwissenschaften der Universität Kassel hat hierin in Forschung und Praxis langjährige Erfahrung: Es ist in Deutschland der einzige Universitätsfachbereich, der sich auf das Thema Ökologische Landwirtschaft konzentriert – und das bereits seit 1981 mit der Einrichtung eines Lehrstuhls für Alternativen Landbau, dem 1995 die grundlegende Ausrichtung auf Ökologische Landwirtschaft folgte.

Zentrale Themen in Lehre und Forschung sind:

  • Neue Ökologische Anbausysteme
  • Bodenschutz und Bodenfruchtbarkeit
  • Biodiversität in der Landwirtschaft
  • Vermeidung von Treibhausgasemissionen und Anpassung der Landwirtschaft and den Klimawandel
  • Tiergerechte und umweltverträgliche Tierhaltung
  • Verbraucherschutz und Ernährung
  • Schutz der Vielfalt der Kulturlandschaft
  • Nachhaltige Entwicklung des ländlichen Raumes
  • Sozial-ökologischen Agrarsysteme in den (Sub-)Tropen
  • Verknüpfung von natur-, ingenieur-, wirtschafts- und sozialwissenschaftlicher Erkenntnisse und Methoden

Die Ökologische Land- und Lebensmittelwirtschaft ist eine wachsende Zukunftsbranche. Absolventen und Absolventinnen bieten sich breit gefächerte Perspektiven. Sie haben Möglichkeiten, in der landwirtschaftlichen Praxis, Beratung, Vermarktung und Verwaltung im In- und Ausland tätig zu werden. Hinzu kommen Berufschancen in der Forschung, in der Lebensmittelwirtschaft, im Umwelt- und Naturschutz, in der Bildungsarbeit und in der Entwicklungszusammenarbeit.

Studienort ist nicht Kassel, sondern der Campus in Witzenhausen. Das idyllische Städtchen liegt in der reizvollen Landschaft des Werratals zwischen Kassel und Göttingen. Der Fachbereich betreibt mit der Domäne Frankenhausen bei Kassel einen eigenen, 340 Hektar großen Lehr- und Versuchshof, besitzt ein eigenes Gewächshaus für tropische Nutzpflanzen sowie gut ausgestattete Labore. Mit der Universität Göttingen besteht seit 2005 ein Kooperationsvertrag.

Der dreijährige Bachelorstudiengang (B.Sc.) ermöglicht Studierenden eine praxisnahe Ausbildung auf wissenschaftlicher Grundlage. In dem einmaligen Lehrangebot geht der Studiengang neue Wege, um Fachkenntnisse und Fertigkeiten praxisnah und selbstbestimmt zu vermitteln. Lehrformen sind neben der klassischen Vorlesung und den interaktiven Seminaren:

  • Projektarbeiten zu selbstgewählten Themen (allein oder in Gruppen)
  • Praktika im Labor und auf dem Feld
  • Exkursionen (Tagesexkursionen und eine einwöchige Auslandsexkursion)
  • Studentische Referate und Tutorien
  • Konferenzen mit Gastreferenten und Gastreferentinnen

Voraussetzung für die Aufnahme ins Studium ist ein mindestens 13 Wochen dauerndes landwirtschaftliches Praktikum sowie die allgemeine oder fachgebundene Hochschulreife bzw. die Fachhochschulreife. Empfohlen wird eine einjährige landwirtschaftliche Vorpraxis.

Der Studiengang kann auch als Duales Studium Landwirtschaft aufgenommen werden. Darin wird parallel zum Bachelorabschluss die landwirtschaftliche Lehre absolviert. Zur Vertiefung der Nachhaltigkeitsthemen können aufbauend auf den Bachelor können die Masterstudiengänge Ökologische Landwirtschaft, Sustainable International Agriculture und International Food business and Consumer studies fortgesetzt werden.


Produktdesign

Design ist in Zeiten von Klimawandel, Rohstoffverknappung und wachsender Müllberge mehr als die geglückte Verbindung von Form und Funktion zu einem attraktiven Produkt. „Gutes“ Design ist zunehmend nachhaltiges Design. EcoDesign oder auch Ökodesign, Sustainable Design bzw. Green Design verfolgt den Ansatz, mit innovativen Ideen Umweltbelastungen bei der Gestaltung von Produkten in jeglicher Hinsicht zu reduzieren. Die Auswirkungen der Produktentwicklung auf die Umwelt und die Gesundheit des Menschen werden dabei ebenso in den Blick genommen wie die Auswahl, Gewinnung und Verarbeitung der verwendeten Materialen: Wie, wo und unter welchen Bedingungen werden Rohstoffe für die Produkte gewonnen und diese schließlich gefertigt, wie sieht deren Energiebilanz aus, welche Lebensdauer haben sie, sind sie reparierbar und lassen sie sich umweltfreundlich entsorgen? Verantwortungsbewusste Produktdesigner stellen sich Fragen wie diese und betrachten nicht nur den gesamten Lebenszyklus von Produkten, es geht ihnen auch um gesellschaftliche Zusammenhänge und um soziale und ethische Aspekte. Aktuell richtet der Studiengang eine neue Professur mit dem Schwerpunkt nachhaltiges Design ein. Die Professur wird an das gerade entstehende Zentrum für Nachhaltige Transformation der Universität Kassel eingebunden sein – und somit Anschluss zu unterschiedlichsten Ansätzen der Nachhaltigkeitsforschung herstellen.

Produktdesignerinnen und -designer arbeiten in Design-Agenturen und Konstruktionsbüros. Nicht selten erhalten diese Agenturen ihre Aufträge von großen Industrieunternehmen, sofern sie nicht selbst eigene Entwicklungsbüros betreiben. Die Betätigungsmöglichkeiten sind so vielseitig wie das Produktsortiment selbst. Dabei ist Kreativität ebenso gefragt wie die Fähigkeit, Trends zu erkennen und bei der Produktgestaltung aufzugreifen. Gerade im Hinblick auf Nachhaltigkeitsaspekte ist hier das Potential groß. Selbstständiges Arbeiten ist ebenso üblich wie das Arbeiten in Teams. Flexibilität wird großgeschrieben. 

 

Das Studium Produktdesign an der Kunsthochschule Kassel hat den Nachhaltigkeitsaspekt im Blick und verfolgt einen ganzheitlichen Ansatz: Neben der Herausbildung entwurfspraktischer Kompetenzen und ihrer vielfältigen Verfeinerung geht es nicht zuletzt um die Entwicklung von Persönlichkeiten. Durch ihre im Studium erworbenen gestalterischen Kompetenzen wissen die Absolventinnen und Absolventen sich in die Gesellschaft einzubringen, indem sie ökonomische und soziale und umweltrelevante Perspektiven in ihre Entwurfsarbeit berücksichtigen und integrieren. 

Die Studierenden arbeiten mit ihren Professorinnen und Professoren zusammen, greifen auf die vielen Werkstätten und digitalen Tools der Kunsthochschule zurück und erhalten damit Gelegenheit, schrittweise während der neunsemestrigen Regelstudienzeit ihre eigenen Vorstellungen zu entfalten. Der Studiengang beginnt immer im Wintersemester. Voraussetzung ist der Nachweis der Allgemeinen Hochschulreife (z.B. Abitur, Meisterprüfung) in Verbindung mit der künstlerischen Begabung, die in einer künstlerischen Aufnahmeprüfung nachzuweisen ist. Bewerber und Bewerberinnen ohne ein entsprechendes Zeugnis können sich ebenfalls bewerben, müssen aber in einer künstlerischen Aufnahmeprüfung eine überragende künstlerische Begabung nachweisen. Der Quereinstieg ist mit Bachelor-Abschluss in einem Gestaltungsfach ebenfalls möglich. Ein handwerkliches Praktikum von neun Monaten ist obligatorisch. Es kann in Handwerks- oder Industriebetrieben, Fachschulen oder anderen Einrichtungen absolviert werden, wo Gebrauchsprodukte und Werkstücke aus Holz, Metall, Kunststoff, Glas, Keramik oder Textil hergestellt werden. 


Um­welt­in­ge­nieur­we­sen

Trinkwasser umweltfreundlich gewinnen, Abfallwirtschaftskonzepte entwickeln und umwelttechnische Anlagen betreiben, Hochwasserschutz und Wasserkraftanlagen planen und bauen, den städtischen oder ländlichen Verkehr planen, oder Genehmigungsverfahren in der Umweltverwaltung überwachen: in solchen Berufsfeldern arbeiten Umweltingenieurinnen und Umweltingenieure. Ihre Aufgaben sind vielfältig und lösungsorientiert: Sie forschen, entwickeln, beraten und realisieren. Sie analysieren und bewerten Ist-Zustände, finden ökologisch, sozial und wirtschaftlich verträgliche Lösungen. Sie arbeiten daran, Umweltschäden und Umweltbelastungen zu vermeiden, zu reduzieren oder diese zu beheben. Kurz: Der Studiengang Umweltingenieurwesen an der Universität Kassel verbindet hoch aktuelle umweltrelevante Fragestellungen mit dem wissenschaftlichen und technologischen Know-how des Ingenieurwesens. Klimawandel und schwindende Ressourcen stellen nicht nur aus technischer Sicht eine Herausforderung dar und machen Anpassungen notwendig. Zudem steigen die Umweltschutzanforderungen durch Gesetzesvorgaben. Die Umwelttechnikbranche wächst national und international stetig, was zur Folge hat, dass die beruflichen Aussichten für Absolventinnen und Absolventen des Studiengangs hervorragend sind.

Umweltingenieurinnen und Umweltingenieure arbeiten in einem breiten Spektrum möglicher Berufsfelder in den Bereichen Forschung und Wirtschaft, in Ingenieurbüros oder der öffentlichen Verwaltung. Sie befassen sich mit Ingenieuraufgaben, bei denen ein vertiefendes Verständnis in verschiedenen umweltrelevanten Bereichen gefordert wird. Dabei erarbeiten sie umwelttechnisch relevante Lösungen im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung.

Mögliche Arbeitsfelder sind

  • Abfall- und Kreislaufwirtschaft: z. B. Entsorgung, Verwertung, Recycling, Deponietechnik und Altlastenentsorgung.
  • Siedlungswasserwirtschaft: z. B. Trinkwassergewinnung, Abwasserentsorgung und -aufbereitung.
  • Wasserbau: z. B. Hochwasserschutz, Gewässerrenaturierung.
  • Energieerzeugung aus erneuerbaren Quellen: z. B. Sonne, Wind, Wasser, Biomasse, Erdwärme.
  • Umweltverwaltung: z. B. Gewässer- und Bodenschutz.
  • Umweltmanagement: z. B. Energieeffiziente Produktion, Simulation von Stoffkreisläufen, Ökobilanzierung von Verfahren und Produktion, Simulation von Umweltrisiken.
  • Mobilität und Verkehr: Maßnahmen für einen nachhaltigen Verkehr.
  • Beratung: z. B. Energie, Wasser, Abfall, umweltgerechtes Bauen.

Studierende des Umweltingenieurwesens bringen ein großes Interesse an umweltrelevanten Themen mit. Sie interessieren sich außerdem für mathematisch-naturwissenschaftliche Methoden und technische Lösungen, wobei sie wirtschaftliche und gesellschaftliche Fragestellungen stets im Blick haben.

Der Bachelorstudiengang hat keine Zulassungsbeschränkung und beginnt immer zum Wintersemester. Er bietet einen Überblick über die grundlegenden Zusammenhänge des Umweltingenieurwesens. Nach einer ingenieurtechnischen Ausbildung vertiefen die Studierenden ihre Kenntnisse in den Schwerpunkten Ressourcenmanagement und Abfalltechnik, Siedlungswasserwirtschaft, Verkehr sowie Wasserbau und Wasserwirtschaft. Das Lehrangebot wird durch umfangreiche Auswahlmöglichkeiten ergänzt.

Die Regelstudienzeit beträgt 7 Semester. Ein Ingenieurpraktikum und die Bachelor-Abschlussarbeit sind darin enthalten. Ein Praktikum vor Studienbeginn ist nicht erforderlich, empfohlen wird jedoch ein vierwöchiger Mathematik-Vorkurs und die Teilnahme am Mentoring-Programm in den ersten Studiensemestern.

Nach dem Erwerb des Bachelors kann in 3 Semestern der konsekutive Master erworben werden.