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26.01.2016 | Umwelt_Nachhaltigkeit

For­­schungs­­­pro­jekt zur Fi­­nan­zie­­rung von En­­er­gie­­spar-Ma­ß­­nah­­men an Hoch­­­schu­­len – Uni Kas­­sel Pi­­lo­t­hoch­­­schu­­le

„Intracting“ ist ein Finanzierungskonzept, bei dem Energiekosteneinsparungen nach energetischen Verbesserungen von Gebäuden in neue Energiesparmaßnahmen reinvestiert werden. Das Forschungsprojekt IntrHo untersucht die Umsetzung dieses Konzeptes an Hochschulen und erprobt die Anwendung des Intracting-Ansatzes an der Universität Kassel.

Bild: Uni Kassel

In Energieeinsparmaßnahmen investieren und diese Investition sich von selbst nach einiger Zeit amortisieren lassen: In Zeiten angespannter Hochschulhaushalte und hoher Ziele zur Reduzierung von Energieverbrauch ist das ein attraktiver Gedanke. Durch energetische Verbesserungen von Gebäuden lassen sich Geldmittel einsparen, die ihrerseits wieder in neue Energiesparmaßnahmen investiert werden. Während dieses „Intracting“ genannte Verfahren bereits in manchen deutschen Städten, Kommunen und Gemeinden erprobt und eingesetzt wird, findet es im Hochschulbereich bisher noch keine Anwendung. Das könnte sich bald ändern. Am von Prof. Dr.-Ing. Jens Knissel geleiteten Fachgebiet Technische Gebäudeausrüstung der Universität Kassel wurde nun das Forschungsprojekt IntrHo initiiert, mit dem systematisch und übertragbar ein realisierbares Intracting-Verfahren für Hochschulen erarbeitet werden soll. Wissenschaftlich beteiligt sind an dem Vorhaben die Fachgebiete Solar- und Anlagentechnik sowie Bauphysik der Universität Kassel.

„Ziel von IntrHo ist“, so Knissel, „ein anwendungsorientiertes, übertragbares Finanzierungskonzept für Energiesparmaßnahmen an Hochschulen zu entwickeln und zu erproben.“ Es gehe darum, das jeweilige hochschulinterne Energiemanagement in die Lage zu versetzen, kontinuierlich die Effizienz seiner Hochschulgebäude zu steigern und vorhandene Energieeinsparpotenziale langfristig zu erschließen.

Die Umsetzung von IntrHo gliedert sich in mehrere Arbeitspakete: Zunächst wird analysiert, ob und wenn ja in welcher Form die Idee des Intracting an Universitäten und Hochschulen angewendet werden kann. Hierzu werden die bisherigen Erfahrungen, die Kommunen mit Intracting gemacht haben, zusammengetragen und hierauf aufbauend sinnvolle Ausgestaltungsformen für Hochschulen identifiziert und beispielhaft umgesetzt.

Bei der Anwendung von Intracting an Hochschulen typischerweise auftretende Fragen werden beantwortet: Anschubfinanzierung, Quantifizierung der Energieeinsparung, Wirtschaftlichkeitsberechnung, Möglichkeiten zur Nutzermotivation und -kooperation, aber auch verwaltungs- und haushaltsrechtliche Fragen. Es wird ein Berechnungswerkzeug entwickelt, mit dem in Szenarien-Simulation die zeitliche Entwicklung der Energie- und CO2-Einsparungen sowie der Kontostand der Intracting-Kostenstelle berechnet und visualisiert werden kann. Damit ist es möglich, das Implementierungsmodell in der Konzeptphase zu optimieren und in der Anwendungsphase zu bewerten.

Wichtiger Bestandteil ist zudem die Kommunikation: Die Ergebnisse werden durch Vorträge, Artikel und eine Fachtagung zum Projektende bekannt gemacht. In einem Leitfaden „Intracting an Hochschulen“ sollen die Projektergebnisse zusammengefasst und praxisgerecht aufbereitet werden.

Die Laufzeit des Projekts beträgt fünf Jahre, es soll im Herbst 2020 abgeschlossen sein. Das Bundeswirtschaftsministerium fördert IntrHo mit rund 630.000 Euro.

 

Pilothochschule Uni Kassel investiert nach neuem Modell ins Energiesparen

Im Gegensatz zum sogenannten Contracting wird beim Intracting kein externer Dienstleister hinzugezogen. Dessen Rolle wird von einer internen Organisationseinheit der Hochschule übernommen. Hier kommt die Universität Kassel als Pilothochschule ins Spiel: Sie führt Energiespar-Maßnahmen in den nächsten Jahren nach dem Intracting-Verfahren durch. Dafür hat sie einen besonderen Haushaltsposten im Umfang von 250.000 Euro eingerichtet, mit denen sie in den kommenden Jahren Energiesparmaßnahmen finanzieren will. Zu den ersten Maßnahmen zählen die Umstellung von Strahlern in einigen Laboren und Hallen auf LED-Leuchten sowie die Einbindung der Abwärme von Kältemaschinen zur Trinkwarmwasser-Erzeugung.

Die eingesparten Energiekosten werden dann dem neuen Haushaltsposten gutgeschrieben, womit künftig neue Maßnahmen finanziert werden. Auch die Anschubfinanzierung kann mit der Zeit amortisiert werden: Nach rund fünf Jahren wird damit gerechnet, dass die eingesparten Energiekosten die Personal- und Investitionskosten decken und die Aktivitäten sich selbst tragen. Von da an, so Knissel, kann auch ein Beitrag zur Entlastung des allgemeinen Universitäts-Haushalts geleistet werden. 

Die Forschungsgruppe von Prof. Knissel begleitet und evaluiert diese Pilotphase wissenschaftlich. Auch wenn die Energiesparmaßnahmen der Uni und das wissenschaftliche Projekt IntrHo formal zwei getrennte Projekte sind, sollen beide Vorhaben eng verzahnt werden. So kann die Wissenschaft von der Praxis und die Praxis von der Wissenschaft profitieren.

 

Bild von Prof. Dr.-Ing Jens Knissel (Foto: Sonja Rode) unter:
http://www.uni-kassel.de/uni/fileadmin/datas/uni/presse/anhaenge/2015/Knissel__Jens.jpg
 

 

 

Kontakt:

Prof. Dr.-Ing Jens Knissel

Fachbereich: Architektur, Stadtplanung, Landschaftsplanung

Fachgebiet: Technische Gebäudeausrüstung

Tel. 0561/804-7463

E-Mail: knissel[at]uni-kassel[dot]de

 

 

Klaus Sausmikat

Leitung Abteilung Bau, Technik, Liegenschaften

Tel. 0561/804 2259

E-Mail: sausmikat[at]uni-kassel[dot]de