Legitimation von Unternehmensberatung in unterschiedlichen institutionellen Kontexten: Eine vergleichende Untersuchung in Wirtschaft, Verwaltung und Wissenschaft

Projektbeteiligte

Kooperationspartner:

  • Prof. Dr. Rick Vogel (Leitung, Universität Hamburg)
  • Dipl.-Soz. Julia Galwa (Universität Hamburg)

Förderer

  • Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)

Laufzeit

  • 04/2015 - 03/2018


Das von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderte gemeinsame Projekt von INCHER-Kassel und der Universität Hamburg untersucht die Legitimation von Beratung in verschiedenen institutionellen Kontexten, darunter die Wissenschaft.

Beratung ist ein verbreitetes wirtschaftliches und soziales Phänomen, das oft in der Form von Unternehmensberatung betrachtet und diskutiert wird. Immer häufiger nehmen auch die öffentliche Verwaltung und Hochschulen Unternehmensberatung in Anspruch, da, im Kontext des New Public Managements, auch sie sich an den Managementprinzipien privatwirtschaftlicher Unternehmen orientieren sollen. Gleichzeitig gibt es allerdings Anhaltspunkte dafür, dass institutionelle Eigenlogiken in Verwaltung und Wissenschaft der Nachahmung von privatwirtschaftlichen Strukturen enge Grenzen setzen. Eine vergleichende Beratungsforschung, die die institutionellen Differenzen zwischen Beratungskontexten untersucht, gibt es bisher nicht; stattdessen liegen isolierte Untersuchungen über Unternehmensberatung in einzelnen Sektoren vor. Insbesondere ein vergleichender Ansatz, der die Legitimation von Unternehmensberatung unter Berücksichtigung der institutionellen Eigenlogiken unterschiedlicher Beratungskontexte untersucht, steht noch aus.

Vor diesem Hintergrund haben Prof. Dr. Georg Krücken (INCHER-Kassel) und Prof. Dr. Rick Vogel (Universität Hamburg) bei der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) erfolgreich ein Forschungsvorhaben beantragt, das die Legitimation von Unternehmensberatung in unterschiedlichen Beratungskontexten untersucht. Das besondere Augenmerk der Forschung liegt auf den Legitimierungsprozessen, die auf verschiedenen sozialen Ebenen stattfinden, und auf ihrem Zusammenwirken in der Konstitution des Beraters als institutionellem Akteur. Dabei ist eine wesentliche Annahme des Forschungsvorhabens, dass Prozesse der Mikro-, Meso- und Makro-Legitimierung nicht unabhängig voneinander verlaufen, sondern die Akteurskonstitution vor allem dadurch stabilisieren, dass sie sich aufeinander beziehen und dass daher von einer Verschachtelung der Legitimierungsebenen auszugehen ist.

Entsprechend stehen folgende Forschungsfragen im Vordergrund

der Untersuchung:

  1. Welche Prozesse der Legitimierung von Beratern finden auf der (Mikro-)Ebene des Beratungs-Projekts und auf der organisationalen (Meso-)Ebene statt und wie wirken diese Legitimierungsprozesse in der Akteurskonstitution zusammen?
  2. Wie rekurrieren diese mehrschichtigen Legitimierungsprozesse auf der (Mikro-) und der (Meso-)Ebene auf die (Makro-)Ebene der unterschiedlichen institutionellen Logiken von Wirtschaft, Verwaltung und Wissenschaft?
  3. Was lässt sich über die beratenden Kontexte in der Auseinandersetzung mit externen Beratern lernen? Gibt es spezifische Eigenlogiken von Wirtschafts-, Verwaltungs- und Wissenschaftskontexten, die hier zum Tragen kommen?

Die Datengrundlage für die Untersuchung liefert ein empirischer Teil, in dem vergleichende Fallstudien mit umfangreichen Interviews in Institutionen der Wirtschaft, der Verwaltung und der Wissenschaft durchgeführt werden. Von der Studie werden damit umfassende Einsichten in das empirische Phänomen der Unternehmensberatung erwartet, das erstmals in einem intersektoralen Vergleich untersucht wird.

Zugleich leistet die Studie einen Beitrag zur Theorieentwicklung des Neo-Institutionalismus, indem die Legitimierung von Unternehmensberatung als Konstitution institutioneller Akteure reflektiert wird, die auf mehreren miteinander verschränkten Ebenen ablaufen. Schließlich wird von den Ergebnissen ein substanzieller Input für die vergleichende Organisationsforschung erwartet.

Beide Aspekte sind von besonderer Bedeutung für die Hochschulforschung am INCHER, da sich durch die theoretische Grundlagenforschung und den empirischen Vergleich des Hochschul- und Wissenschaftskontextes mit anderen gesellschaftlichen Kontexten wichtige Erkenntnisse gewinnen lassen, die sich auch für andere Projekte und die Weiterentwicklung der Hochschulforschung insgesamt nutzen lassen.