INCHER-Kassel: Einladung zu Kolloquien und Brown-bag-Lunches 2019


Forschungskolloquium des INCHER-Kassel, 17:00 - 18.30 Uhr

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19. Juni 2019

Überlegungen zum Verhältnis von Stratifikation und Elitebildung im deutschen Hochschulwesen

Alexander Mitterle (Institut für Soziologie/Zentrum für Schul- und Bildungsforschung (ZSB), Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Halle)

Die deutsche Hochschulbildung hat sich durch die Hochschulreformen der vergangenen 20 Jahre rapide gewandelt. Galt für Deutschland lange eine Gleichheitsfiktion beim Hochschulzugang, zwischen Abschlüssen gleichen Typs und gleicher Disziplin, lässt sich heute eine deutliche Ausdifferenzierung zwischen Zulassungskriterien, Inhalten und Einrichtungen konstatieren. Die Möglichkeit, neben horizontalen, auch vertikale Unterscheidungen zwischen Studiengängen einzuführen, ist damit gestiegen. Solche Stratifikationen sind disziplinär gebrochen. Man findet sie eher in den Wirtschaftswissenschaften als in der Romanistik. Anhand von Falluntersuchungen in der Betriebswirtschaftslehre rekonstruiert der Vortrag, wie im Spannungsverhältnis von Organisation, Disziplin und Arbeitsmarkt Stratifikationen erzeugt werden. Erst aus der je spezifischen Disziplinlogik heraus lässt sich – so die These –verstehen ob und wie es Hochschulen möglich wird, Eliten zu produzieren.

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26. Juni 2019

Studienerfolg und Studienabbruch bei internationalen Studierenden in Deutschland: Ein interdisziplinärer Zugang

Dr. Jesús Pineda (DAAD – Deutscher Akademischer Austauschdienst (Referat Forschung und Studien), Bonn)

Im Jahr 2017 studierten mehr als 350.000 ausländische Studierende in Deutschland – die Erfüllung des Mobilitätsziels von Bund und Ländern, dessen Erreichung erst für 2020 angestrebt worden war, ergab sich somit vorzeitig. Schätzungen des Deutschen Zentrums für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW) zufolge brechen immer noch viele internationale Studierende ihr Studium in Deutschland ab (45% der internationalen Studierenden im Bachelorstudium bzw. 29 % im Masterstudium). Der Studienabbruch internationaler Studierender ist nicht nur eine Herausforderung für die Hochschulen, sondern auch für die Hochschulforschung, denn die Ursachen sind noch weitgehend unbekannt. Im BMBF-geförderten Projekt „Studienerfolg und Studienabbruch bei Bildungsausländern in Deutschland im Bachelor- und Masterstudium“ (SeSaBa) analysieren der DAAD, die FernUniversität in Hagen und das Bayerische Staatsinstitut für Hochschulforschung und Hochschulplanung (IHF) gemeinsam die spezifische Studiensituation von internationalen Studierenden in Deutschland anhand eines Studienverlaufspanels sowie verschiedener qualitativer Methoden. Im Vortrag werden nach einer kurzen Einführung in die Konzeption und Durchführung des Projekts erste Zwischenergebnisse der Studie vorgestellt. Ein Fokus liegt auf der Komplexität der Durchführung eines Verbundprojekts bestehend aus heterogenen Forschungsteams.

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4. Juli 2019

Open Access und Open Infrastructures – wissenschaftssoziologische Perspektiven

Dr. Niels Taubert (Institute for Interdisciplinary Studies of Science/Universitätsbibliothek Bielefeld, Universität Bielefeld, Bielefeld)

Die soziologische Wissenschaftsforschung hat sich bislang recht zögerlich Fragestellungen angenommen, die mit dem digitalen Wandel innerhalb der Wissenschaft verbunden sind und das Feld in weiten Teilen den Bibliotheks- und Informationswissenschaften überlassen. Mit einer Fokussierung auf die Themenfelder „Open Access“ und „Open Infrastructures“ soll gezeigt werden, was eine wissenschaftssoziologische Perspektive in der Debatte zu leisten vermag und wie an etablierte Forschungslinien der wissenschaftsreflexiven Forschung angeschlossen werden kann. Eine Konkretisierung erfahren die dabei skizzierten Forschungsperspektiven durch Projekte, die im Rahmen der AG Bibliometrie durchgeführt werden.


Brown-bag-Lunch, 12:15 - 14:00

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2. Juli 2019

The role of prior work experience for labour market entry and spatial mobility of German graduates

Dr. Anne Otto (Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) der Bundesagentur für Arbeit (BA), Nürnberg)

We use administrative social security records and event history analysis to investigate the significance of previous work experience for the migration decision of German university graduates. The regression results suggest that work experience gained previously and while studying in the university region reduces the likelihood of graduates out-migrating, while extra-regional work activity enhances the probability of labour market entry outside the region of study. The size of the effect depends on the type of work experience. The findings point to the importance of knowledge about local labour markets and social networks for graduates’ migration decision at the start of their career.

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10. Juli 2019

Hochschulfinanzierung in Deutschland im Zeitverlauf: Erklärungsansätze für den Wechsel zwischen Stagnation und Wachstum

Dr. Nicolas Winterhager (Bildung und Wissenschaft, Gruppenleiter Wissenschaftssystem, VDI/VDE Innovation + Technik GmbH, Berlin)

Die Finanzierung der Hochschulen in Deutschland unterliegt im historischen Zeitverlauf periodischen Schwankungen. Seit 1975 wechseln sich Phasen der Stagnation mit Phasen des Wachstums ab. Der Vortrag behandelt die Frage, welche Faktoren die Entwicklung der Hochschulfinanzierung im zeitlichen Kontext jeweils erklären. Die Grundlage bilden Daten der Hochschulstatistik (Einnahmen und Ausgaben für Hochschulen) und der Jahresrechnungsstatistik (Ausgaben der Körperschaften für Hochschulen). Die Ergebnisse zeigen, dass die Hochschulfinanzierung – nach Phasen der Stagnation – immer dann signifikant ansteigt, wenn sich die Finanzierung durch den Bund gegenüber den Ländern anteilig erhöht. Die Steigerungen werden dabei jeweils durch komplementäre Bund-Länder-Programme bewirkt, die einerseits auf die Aufnahme zusätzlicher Studienanfänger*innen abzielen (HSP1, Hochschulpakt 2020) und andererseits die Leistungsfähigkeit der Hochschulen in der Forschung aufrechterhalten sollen (HSP 2, HEP, Exzellenzinitiative).Der Vortrag knüpft an die „Untersuchung der Auswirkungen des Hochschulpakts 2020“ an, die im Jahr 2017 in der VDI/VDE-IT durchgeführt wurde. Herr Winterhager wird in seinem Vortrag zusätzlich kurz die Hintergründe dieser Untersuchung darlegen und weitere Projekte und Themenfelder der VDI/VDE-IT (Bereich Bildung und Wissenschaft) vorstellen.