Sektion 8

Die Erneuerungen der Tragödie in der Frühen Neuzeit, 1500-1700 (Frankreich, Italien, Spanien)

Sektionsleitung: Jörn Steigerwald (Paderborn), Hendrik Schlieper (Paderborn)

Ansprechpartner: Jörn Steigerwald
(jsteiger@mail.uni-paderborn.de)

Die Sektion fokussiert mit der Tragödie die Erneuerung einer einzigen, aber exemplarischen Gattung im 16. und 17. Jahrhundert in Italien, Frankreich und Spanien, um allgemein die Frage zu diskutieren, wie die Tragödie von ausgewählten AutorInnen in den verschiedenen romanischen Kulturräumen sowohl im Rahmen von Gattungstheorien als auch bzw. besonders im Rahmen der dichterischen Praxis erneuert wird. Hierzu werden zwei leitenden Überlegungen vorangestellt: 1. Die frühneuzeitliche Tragödiendichtung stellt eine in hohem Maße transnational vernetzte Literatur dar, so dass die jeweiligen, kulturell und/oder national auf je eigene Weise geprägten Tragödien stets in Konkurrenz zu anderen Modellierungen dieser Gattung gefasst werden. 2. Die latente Hybridität der frühneuzeitlichen Tragödie lässt sich produktiv wenden, insofern die bewusst weitgefasste Gattungsbezeichnung der spanischen comedia nach Lope de Vega oder die unscharfe Trennung zwischen tragédie und tragi-comédie im Französischen als Kennzeichen für die kritischen Reflexionen über eine Erneuerung der Tragödie angesehen werden.

Die Sektion zielt darauf ab, die Erneuerung der Tragödie prozessual zu denken und danach zu fragen, welche spezifischen Modellierungen der Tragödie in einem Kulturraum – durchaus in Konkurrenz zu anderen Modellierungen des gleichen Raumes – ausgebildet werden. Zudem ist die Transnationalität der Tragödiendichtungen zu diskutieren, mithin der Frage nachzugehen, welche Konkurrenzen zwischen den kulturell spezifischen Modellierungen der Tragödien auszumachen sind und wie diese jeweils produktiv für die Erneuerungen der Gattung genutzt werden. Schließlich soll nach dem kulturell je charakteristischen Verhältnis von Gattungstheorie und -praxis sowie deren damit einhergehenden innerromanischen Dynamiken gefragt werden, die gerade vor dem Hintergrund der Reaktualisierung der antiken Dichtungstheorien seit der Renaissance von grundlegender Bedeutung sind. Damit verbunden sind die Fragen, wie sich die Tragödie zu anderen Gattungen verhält – etwa zum Epos –, und wie ebendieses Analogieverhältnis produktiv gewendet wird, um eine Erneuerung der Tragödie zu leisten.