Smart Environment, Smart Information? (SEnSI)

Information und Auskunft über personenbezogene Datenverarbeitung im Internet der Dinge

Das Internet der Dinge steht für die Verbreitung digital-vernetzter Alltagsgegenstände in der Wohnung, im Auto oder am Körper. So etablieren sich zunehmend Umgebungen, in denen automatisiert und teils unbemerkt Daten erfasst und gespeichert werden. In dieser Situation stellt das interdisziplinäre Projekt „Smart Environment, Smart Information?“ (SEnSI) die Frage, wie Nutzer*innen angemessen über die Datenerhebung und -verarbeitung in solchen Umgebungen informiert werden können. Ziel ist die Entwicklung alternativer Informationskonzepte, die neue Strategien des Verbraucher*innen- und Datenschutzes erproben.

Im Zuge fortschreitender Digitalisierung werden immer mehr Gebrauchsgegenstände mit Sensoren und Funkverbindungen ausgestattet, um dann mit dem Internet verbunden und untereinander vernetzt zu werden. Solche Gegenstände bilden das sogenannte „Internet der Dinge“ und in der Folge Umgebungen, in denen die Erfassung von Daten allgegenwärtig und damit unübersichtlicher wird. Dieses „Ubiquitous Computing“ macht es für Nutzer*innen teils schwer nachvollziehbar, welche Daten erhoben, gespeichert oder verarbeitet werden. Darüber hinaus kann unklar sein, welche Folgen sich aus der Übermittlung und Auswertung dieser Daten ergeben.

In dieser Situation analysiert das rechtswissenschaftliche, soziologische und pädagogische Forschungsprojekt die normativen und sozialen Bedingungen für Informationskonzepte im Internet der Dinge. Die Frage ist, wie Nutzer*innen über ihre Beteiligungsrechte und die Prozesse der Datenverarbeitung informiert werden können, ohne dabei über- oder unterfordert zu werden. Im Fokus der Projektarbeit stehen insbesondere drei Szenarien der Nutzung des Internets der Dinge: Smart Car, Smart Home und Wearables. Ziel ist die Entwicklung von Vorschlägen zur Regulierung des Internets der Dinge.

Im soziologischen Teil des Projekts wird analysiert, welche Menschenbilder und Konzepte demokratischer Legitimierung mit unterschiedlichen Modellen der Auskunft einhergehen. Die soziologische Theorie wird hier aufzeigen, welche Paradigmen hinter verschiedenen Informationsmodellen stehen und welche Folgen mit der Wahl bestimmter technischer Mittel verbunden sind.

Aus rechtswissenschaftlicher Sicht werden zunächst die normativen Rahmenbedingungen der Informations- und Auskunftspflichten untersucht. Mit der Datenschutz-Grundverordnung, die ab Mai 2018 in der Europäischen Union gelten wird, liegt eine neue Rechtsgrundlage für Datenverarbeitungen vor. Diese gilt es im Allgemeinen und ganz speziell im Hinblick auf die drei Szenarien Smart Car, Smart Home sowie Fitness-Wearables zu analysieren. Die interdisziplinär entwickelten Vorschläge zur Regulierung des Internets der Dinge sollen abschließend in konkrete Gesetzgebungsvorschläge münden.

Für den pädagogischen Teil und bei der Entwicklung alternativer Informations- und Beteiligungsansätze konzentriert sich das Forschungsvorhaben auf die Bedürfnisse und Kompetenzen Jugendlicher und junger Erwachsener. Diese haben als „Digital Natives“ zwar einen guten Zugang zum Internet der Dinge aber nur wenig explizites Wissen über die Chancen und Risiken dieser Technologien.

Das BMJV-geförderte Drittmittelprojekt „Smart Environment, Smart Information?“ (SEnSI) geht auf die Initiative einer universitätsintern geförderten interdisziplinären Arbeitsgruppe zur Verbraucherpolitikforschung der Universität Kassel zurück und wird vom 1. Januar 2017 bis zum 31.12.2017 im Wissenschaftlichen Zentrum für Informationstechnik-Gestaltung (ITeG) der Universität Kassel durchgeführt.

Projektpartner

Fachgebiet Soziologische Theorie
Universität Kassel
Prof. Dr. Jörn Lamla
Fabian Pittroff 
Dr. Andreas D. Schulz