Bioenergieerzeugung

Erneuerbare Energien im Spannungsfeld von Klimaschutz, Landschaft und Gesellschaft

Deutschland ist das erste Land in Europa, vielleicht sogar weltweit das erste, das in der politischen Agenda nach dem Atomunfall in Fukushima den Ausstieg aus der Kernenergie und eine Energiewende hin zu Erneuerbaren Energien (EE) beschlossen hat.  Die „Große Transformation", wie die Energiewende auch genannt wird, ist eine gewaltige Herausforderung für eine Gesellschaft, für die es bisher in einer Industriegesellschaft noch kein Beispiel gibt. Der Wissenschaftliche Beitrat für Globale Umweltveränderungen (2011) begreift die große Transformation als nachhaltigen, weltweiten Umbau der Wirtschaft und Gesellschaft und hinsichtlich der notwendigen Eingriffstiefe vergleichbar mit der Neolithischen Revolution. Die Privatdozentur sieht die Forschung an den Universitäten in der Verantwortung, diese Transformation mit interdisziplinären Projekten wissenschaftlich zu unterstützen und in der Lehre die Studierenden für diese gesellschaftlich wichtige Aufgabe zu sensibilisieren sowie für eigene Projekte im Bereich der Erneuerbaren Energien (EE) zu motivieren.

Ziel der Lehre

In der Lehre werden die Chancen und Probleme/Herausforderungen die sich mit so einer fundamentalen Umstellung der Energieversorgung ergeben, mit besonderem Blick auf die Landwirtschaft aufgezeigt. Die Notwendigkeit des Handels wird anhand der Klimaveränderungen, der Begrenztheit der fossilen Energieressourcen und der Abhängigkeiten von wenigen Energielieferanten dargestellt. Es werden die Vorzüglichkeit und Grenzen der erneuerbaren Energien Sonne, Wind und Bioenergie und die Probleme, die sich insbesondere bei der Bioenergie bezüglich Flächenverbrauch und Nahrungskonkurrenz ergeben können, erarbeitet. Die Erfahrungen und Ergebnisse aus eigenen interdisziplinären und transdisziplinären nationalen und internationalen Forschungsprojekten mit Praxispartnern werden vorgestellt: z. B. die Entwicklung und Begleitforschung von Bioenergiedörfern im Spannungsfeld von Nachhaltigkeitsanforderungen im Landkreis Göttingen, (Jühnde und weitere Dörfer in Deutschland und Japan), die Planung eines Sonnenenergiedorfes im Landkreis Wolfenbüttel; die Optimierung des Energiepflanzenbaus nach ökologischen Leitlinien auf Modellbetrieben in den Landkreisen Göttingen, Wolfenbüttel und Region Hannover und auf der Insel Hokkaido/Japan. Aktuelle energie- und agrarpolitische Informationen fließen in den Unterricht ein (z. B. Erneuerbare-Energien-Gesetz und Ausschreibungen, Kombikraftwerke, neue Düngeverordnung).

Für Studierende der Agrarwissenschaft werden angewandte Berufsfelder in Forschung und Praxis (Planung- und Projektentwicklung, Regional- Klimaschutzmanagement, Anlagenbetreiber) aufgezeigt.

Vorlesungen/Seminare

  • Gestaltung der Energiewende in Deutschland nach Fukushima: Vor dem Hintergrund des Reaktorunfalls in Fukushima und eigener Erfahrungen im Katastrophengebiet wird die deutsche und japanische Energiepolitik erläutert sowie die Potenziale für Bioenergie (forstliche, landwirtschaftliche und kommunale) sowie Wind-und Sonnenenergie aufgezeigt. Das Erneuerbare-Energie-Gesetz als Instrument der Förderung der EE und politische Jahrhundertziele für den Klimaschutz und den Ausbau erneuerbarer Energien und erfolgreiche Konzepte mit EE werden vorgestellt.

  • Erneuerbare Energien im Spannungsfeld von Klimaschutz, Landschaft und Gesellschaft: Der Schwerpunkt liegt auf den Herausforderungen und Problemfeldern, die sich mit der Umstellung der Energieversorgung ergeben: gesellschaftliche Akzeptanz der EE, wo liegen die Vor- und Nachteile der einzelnen Erneuerbaren in Bezug auf Flächenverbrauch, Nettoenergiegewinn, dezentrale und bedarfsgerechte Bereitstellung; wie könnten der Energiemix und die Energiekonzepte der Zukunft aussehen; welche neuen innovativen technischen Konzepte werden derzeit in der Fachwelt diskutiert

  • Von Bioenergiedörfern zu erneuerbaren Energiekommunen: Vor dem Hintergrund der Klimaveränderungen, der Begrenztheit der fossilen Energieressourcen und der Abhängigkeiten von wenigen Energielieferanten, der Probleme in der Landwirtschaft sowie infrastruktureller Veränderungen in Dörfern allgemein müssen neue, sozial akzeptierte, ökologisch und ökonomisch zuträgliche Konzepte erarbeitet werden, die auch künftigen Gene­rationen faire Lebenschancen garantieren. Bioenergiedörfer und erneuerbare Energiekommunen wollen ihre Dörfer zukunftsfähig machen und mit Investitionen in erneuerbare Energien einen Beitrag zur Lösung der genannten Probleme leisten. Ausgehend vom Jühnde wird die Entwicklung von Bioenergiedörfern in Bezug auf technische, ökologische, ökonomische und soziale Umsetzung beleuchtet. Es wird auf regionale biogene Ressourcen, Beteiligung der Bevölkerung und Akzeptanz, Betreibermodelle und Finanzierung der Energieanlagen, Energie- und Ökobilanzen; Energiepflanzenanbau mit neuen/alternativen Kulturen und Fruchtfolgeoptimierung eingegangen.