Forschung

Forschungsprojekte

Entwicklung eines ökonomisch ausgerichteten Zuchtprogramms für die bedrohte Schweinerasse 'Bunte Bentheimer'

Sau der Rasse Bunte Bentheimer mit Ferkeln

Das Bunte Bentheimer Schwein, eine alte deutsche Schweinerasse zählt zu den gefährdeten Nutztierrassen in Deutschland. Anders als herkömmliche Rassen weist diese einen hohen Fettgehalt  im Schlachtkörper auf, was eine Vermarktung auf konventionellem Wege nicht möglich macht. Mitte des 20. Jahrhunderts führten Veränderungen des Verbraucherverhaltens und die Anpassung von Zuchtzielen in Richtung fettarmer Schweine mit hohen Magerfleischanteilen zum erheblichen Rückgang der Populationsgröße.
Der Erhalt dieser existenzgefährdeten Population wird heute gefördert durch die Tätigkeiten des gemeinnützig anerkannten „Verein zur Erhaltung des Bunten Bentheimer Schweines e.V.“ und der Züchtervereinigung „Nordschwein e.V.“.
Ziel dieses Vorhabens ist es geeignete Instrumentarien der Zuchtplanung zu entwickeln um das Produkt Schweinefleisch des Bunten Bentheimer Schweins erfolgreich am Markt zu etablieren. Dazu sind Strategien zu entwerfen, die Zuchtfortschritt und diskontierten Züchtungsgewinn bei gleichzeitiger Minimierung der verwandtschaftlichen Beziehungen in der Population nachhaltig maximieren. Ein Fokus soll hierbei auf innovative Merkmale der Fruchtbarkeit, des Verhaltens und der Produktqualität gelegt werden, womit die Rasse Bunte Bentheimer zukünftig ein Alleinstellungsmerkmal inne hätte und sich deutlich von Mitbewerbern am Schweinefleischmarkt abgrenzen könnte. Im Ergebnis ist somit auch eine deutliche Charakterisierung oder Rassebeschreibung möglich.

Das Projekt wird aus dem Zweckvermögen des Bundes bei der Landwirtschaftlichen Rentenbank gefördert. 

Projektleitung

Prof. Dr. Sven König, Universität Kassel

 

Kooperationspartner

Verein zur Erhaltung des Bunten Bentheimer Schweines e.V.

Bearbeitung

Anne Biermann (M. Sc. Agr.)


Pathologie, Ethologie und Ökonomie beim Einsatz eines automatischen Huf- und Klauenreinigers für Pferde und Milchkühe

erkrankte Klaue / Rind

In diesem Projekt wird die Veränderung der Huf- und Klauengesundheit bei Pferd und Rind durch den Einsatz eines Huf- und Klauenreinigers untersucht, welcher mit Hilfe von Bürsten die Klauen und Hufe reinigt. Das Gerät wird für den Versuch in einem Großbetrieb mit über 700 gemolkenen Tieren für 8 Monate installiert. Neben der Veränderung der Klauengesundheit werden zudem die Herzfrequenzen einiger ausgewählter Tiere gemessen sowie das Tierverhalten im Umgang mit dem Klauenreiniger. Zusätzlich wird die genetische Beeinflussung der Klauengesundheit beim Rind erfasst. So wird der  Zusammenhang zwischen Klauengesundheit und Fruchtbarkeit untersucht.

Bei Pferden werden neben der Hufgesundheit verschiedene Gewöhnungsmethoden getestet, mit welchem die Tiere an den Umgang mit dem Hufreiniger gewöhnt werden können. In diesem Bereich liegt ein besonderer Fokus auch auf der möglichen Arbeitsentlastung und Zeitersparnis der Tierpfleger durch das Reinigungsgerät.
Im Anschluss an die Erhebungen sollen ökonomische und ökologische Auswirkungen durch den Einsatz des Huf- und Klauenreinigers in Rinder- und Pferdebetrieben bewertet werden.

Projektleitung

Prof. Dr. Sven König, Universität Kassel

Adj. Prof. Dr. Uta König v. Borstel, Universität Göttingen

Kooperationspartner

Schmidt Land- und Gartentechnik, Adelebsen-Eberhausen

Bearbeitung

Dorothee Döhne (M. Sc. Agr.)


KLIFF-Teilprojekt 1.1 Leistungseigenschaften beim Milchrind: Einflussgrößen, Wechselwirkungen und züchterische Maßnahmen in verschiedenen Produktionssystemen

Die Untersuchung des Einflusses von Temperaturindizes (THI) auf Produktions- und Sekundärmerkmale bei der Rasse Deutsche Holstein führte in Abhängigkeit der Region (Aller/Leine, Heide und Küste) und des Merkmals (Milchmenge, Fett-/Eiweißgehalt, Zellzahl) zu unterschiedlichen Schwellenwerten für das Auftreten von Hitzestresserscheinungen. Obwohl im Moment verglichen mit internationalen Studien nicht so extreme Temperaturbelastungen vorherrschen, sind auch für niedersächsische Verhältnisse negative Auswirkungen auf Mengenmerkmale und Zellzahlen mit ähnlichem Ausmaß festzustellen. Interessant ist, dass Hitzestress schon bei geringeren THI-Schwellen auftritt. Dies könnte bei einer Zunahme der Extremtemperaturen in den kommenden Jahrzehnten problematisch werden.

Aus der Schätzung genetischer Parameter mittels Random-Regression-Modell resultierten Varianzen und Heritabilitäten, die sich in Abhängigkeit des Laktationstages und des THI verändern. Niedrige Heritabilitäten bei Hitzebelastung führen zu dem Schluss, dass unter suboptimalen Bedingungen das genetische Potential nicht in vollem Umfang exprimiert wird. Dieses interessante Resultat ist ein wichtiger Hinweis zur optimalen Gestaltung der Leistungsprüfung.

Im folgenden Abschnitt geht es darum, mit Hilfe der geschätzten (Ko)Varianzkomponenten die  Energieeffizienz einer Milchkuh unter Berücksichtigung verschiedener Szenarien zu simulieren und ökonomische Gewichte abzuleiten.

Projektleitung Prof.Dr. Sven König


Projektdurchführung Dr. Kerstin Brügemann

Laufzeit 01/2009 bis 12/2013

Homepage:

www.kliff-niedersachsen.de.vweb5-test.gwdg.de


Quantitativ-genetische Analysen und Zuchtplanungsrechnungen für konventionelle Merkmale des Milchkuhverhaltens und neue Merkmale der Mensch-Tier-Beziehung

Kontinuierliche Untersuchungen zum Verhalten von Milchkühen über lange Zeiträume sind nur mit automatischen Datenerfassungssystemen möglich, wie sie in gewisser Weise in Form der Aktivitätsmesssysteme in vielen Praxisbetrieben vorhanden sind. Ausgehend von  Untersuchungsergebnissen der vergangenen Jahre ist bekannt, dass mit derartigen Aufzeichnungen Ergebnisse zu erwarten sind, die einen Beitrag zur Optimierung des Haltungsmanagements in der Milchviehhaltung leisten können, sowie Aussagen zur Tiergerechtheit von Laufstallhaltung und zum Wohlbefinden der darin gehaltenen Rinder zulassen (Tober, 2009; Tober et al., 2011).


Im Vergleich zu anderen Merkmalskomplexen in der Tierzucht (Produktionsmerkmal, Exterieur, Fruchtbarkeit, Nutzungsdauer) werden Verhaltensmerkmale, die die Mensch-Tier-Beziehungen widerspiegeln, nicht systematisch erfasst und somit auch nicht in der praktischen Zuchtarbeit berücksichtigt. Allerdings wird Tierverhalten immer wichtiger in den landwirtschaftlichen Betrieben, auch aus Gründen der Arbeitszeit und Arbeitsqualität. Deswegen soll mit dieser Arbeit ein Beitrag geleistet werden zur Beantwortung der Frage, welche Verhaltensmerkmale bei Kühen aus tierzüchterischer Perspektive eine Rolle spielen in Hinsicht auf die Produktion und den Produktionsablauf in den milchkuhhaltenden Betrieben, auf das Wohlbefinden des Tieres und auf direkt messbare Merkmale der Mensch-Tier-Beziehung.


Das übergeordnete Ziel des Projekts ist daher die Identifikation des genetischen Hintergrunds für Merkmale der Mensch-Tier-Beziehung und deren Beziehung zu Merkmalen der konventionellen Leistungsprüfung sowohl auf genetischer als auch auf phänotypischer Skala. Primär gilt es somit, die Selektionswürdigkeit innovativer Merkmale des Tierverhaltens zu evaluieren und für diese Merkmale mittels neu zu entwickelnder genetisch-statistischer Modelle genetische (Ko)Varianzkomponenten zu schätzen. Darüber hinaus ist ein finales Ziel, optimale Selektionsstrategien zur Verbesserung der Mensch-Tier-Beziehung zu definieren. Dieses Ziel impliziert die Bewertung zuchtplanerischer Strategien basierend auf neu konstruierten Gesamtzuchtwerten.

Dieses Teilprojekt wird aus dem Zweckvermögen des LOEWE-Projekts: Tier-Mensch-Gesellschaft gefördert.

Projektleitung    Prof. Dr. Sven König, Universität Kassel


Bearbeitung       Laura Santos (M. Sc. Agr.)


Erfassung von Gesundheitsdaten in hessischen MLP-Betrieben -Berechnung erster Zuchtwerte zu direkten Gesundheitsmerkmalen

Projektlogo

Das im Mai 2013 ins Leben gerufene Projekt wird sich über einen Zeitraum von drei Jahren mit der praxistauglichen Etablierung eines Systems zur Erfassung von Gesundheitsdaten in hessischen MLP-Betrieben beschäftigen. Ziel ist es, durch die tierindividuelle Dokumentation von Diagnosen, große und zuverlässige Datenmengen zu erhalten, welche die Berechnung erster Gesundheitszuchtwerte in Hessen ermöglichen.
Aktuell ist ein Großteil der Abgänge in deutschen Milchviehherden durch gesundheitliche Problematiken bedingt, wobei das Spektrum der auftretenden Erkrankungen eng ist und teilweise von den „Berufskrankheiten“ der modernen Milchkuh gesprochen werden kann.
Bis heute bedient sich die Rinderzucht indirekter Merkmale als Indikatoren für Gesundheit; zum Beispiel wird auf „Somatische Zellzahl“ selektiert, um die Eutergesundheit zu verbessern. Untersuchungen von König und Swalve (2006) haben jedoch gezeigt, dass die Selektion auf direkte Merkmale, in diesem Beispiel „gesundes Euter“, einen doppelt so hohen züchterischen Fortschritt bedingen kann.
Voraussetzung für die zukünftige züchterische Verbesserung der Tiergesundheit, ist die präzise Dokumentation des Ist-Zustandes in hessischen Milchviehbetrieben. Nur ein umfangreiches und verlässliches Datenvolumen an Einzeltierdiagnosen erlaubt das erfolgreiche Arbeiten mit direkten Gesundheitsmerkmalen.
„HVL-Gesundheit“ ist eine Zusammenarbeit des Fachgebiets Tierzucht der Universität Kassel und des HVL Alsfeld (Hessischer Verband für Leistungs- und Qualitätsprüfungen in der Tierzucht e.V.). Die im Projektzeitraum von zwei Jahren gesammelten Gesundheitsdaten werden anschließend statistisch ausgewertet  und bilden die Basis für erste Berechnungen zu Gesundheitszuchtwerten. Dies soll in Zukunft die Selektion auf direkte Gesundheitsmerkmale ermöglichen und genetisch „gesündere“ Milchviehherden schaffen, die mit hoher Milchleistung und nicht immer optimalen Umweltbedingungen besser zurechtkommen.
Durch intensive Betreuung soll die Erfassung von Einzeltierdiagnosen, mittels der Herdenmanagementprogramme NETRIND oder Herde, vor Ort etabliert werden. Um Landwirte zur Teilnahme am Projekt zu motivieren, wurde ein umfangreiches Konzept (u.a. Gesundheitsberichte, Seminare und Treffen zum Erfahrungsaustausch, Beratungstermine) erarbeitet, welches dem teilnehmenden Betrieb schon im Projektzeitraum Möglichkeiten bietet, die eigene Herdengesundheit zu fördern.

Projektleitung Prof. Dr. Sven König u. Dr. Baltissen HVL Alsfeld

Durchführung   Mona Suchy

Homepage:

http://www.hvl-alsfeld.de/milchleistungspruefung/gesundheit/das-projekt.html


Leistungsprüfung und Zuchtwertschätzung - Optimierungsansätze der deutschen Reitpferdezucht in Hinblick auf die Zucht von Vielseitigkeitspferden

Während bisher der Schwerpunkt der Forschung als auch der Praxis im Bereich der Pferdezucht auf den Disziplinen Dressur und Springen lag, wird durch die Erfolge der deutschen Reiter/Pferde auf den vergangenen Championaten der Vielseitigkeit vermehrt Beachtung geschenkt. Die Vielseitigkeit zeichnet sich als Kombination von Dressur, Springen und einer Geländeprüfung in einem Wettbewerb aus, und stellt auf Grund der Komplexität der Aufgabenstellung besondere Anforderungen an das Pferd.
Anders als bei der Zucht von Dressur- und Springpferden, für die seit 2001 eine Integrierte Zuchtwertschätzung durchgeführt wird, fehlen bei der Zucht von Vielseitigkeitspferden züchterische Strategien und Strukturen zur Selektion potentieller Elterntiere. Zwar wird während der Hengstleistungsprüfung (HLP) eine Geländeprüfung durchgeführt, aber die Ergebnisse aus HLP und Turniersport werden nicht zur Berechnung von Zuchtwerten in Hinblick auf die Eignung „Vielseitigkeit“ herangezogen.
Ziel des Vorhabens ist es, Handlungsempfehlungen zur gezielten Zucht von Vielseitigkeitspferden ableiten zu können und mit Hilfe einer Zuchtwertschätzung Vielseitigkeit eine Selektionsgrundlage für ein bundesweites Programm zur Zucht von Vielseitigkeitspferden zu legen.
Dazu werden Heritabilitäten für Vielseitigkeit insgesamt und aufgegliedert in nationale und internationale Prüfungen geschätzt und die genetischen Korrelationen zwischen den Disziplinen Dressur, Springen und Vielseitigkeit berechnet. Desweiteren werden Merkmale, die in der HLP geprüft werden, in Beziehung zu Turniersportergebnissen gesetzt, um eine Eignung der Merkmale zur Selektion von Vielseitigkeitspferden zu testen. Es soll die Frage beantwortet werden, wie die optimale Definition von Merkmalen und Zuchtziel zur Zucht von Vielseitigkeitspferden aussieht und wie sich ein Gesamtzuchtwert Vielseitigkeit definieren und in die Integrierte Zuchtwertschätzung integrieren lässt.


Projektleitung               Prof. Dr. Sven König, Universität Kassel
 
Kooperationspartner     Deutsche Reiterliche Vereiningung e.V. (FN)

Bearbeitung                  Henning Frevert (M. Sc. Agr.)


WEIDEKUH II: Ökonomische Evaluierung züchterischer Strategien in Weideproduktionssystemen zur Verbesserung der Tiergesundheit und des Tierwohlbefindens

Kuehe auf Weide

Im Jahr 2010 wurde das Projekt 'WEIDEKUH I' begonnen, welches im Wesentlichen auf der Initiative von milchkuhhaltenden Betrieben basierte und somit von der Praxis an die Wissenschaft herangetragen wurde. Zielsetzung war, für das Produktionssystem 'Weide' die geeignete genetische Grundlage zu identifizieren. Für den Vergleich von drei genetischen Bullenherkünften (HF aus Deutschland, HF aus Neuseeland, Jerseys aus Neuseeland) wurden deutschlandweit 50 Betriebe ausgewählt, die eine intensive Weidewirtschaft praktizieren. In Zusammenarbeit mit den Betrieben wurde ein Versuchsdesign entwickelt, welches insbesondere den innerbetrieblichen Bulleneinsatz regelt. Ohne zusätzliche Merkmalserfassungen können im Rassevergleich nur solche Merkmale berücksichtigt
werden, die ohnehin mittels routinemäßiger Leistungsprüfung erfasst werden. Das sind Produktionsmerkmale und Merkmale der paternalen und maternalen Fruchtbarkeit.
Zusätzliche, funktionale Merkmale wie Tiergesundheit und Tierwohlbefinden, sind jedoch von
elementarer Bedeutung für ökologische Zuchtprogramme oder das Züchten in ökologischen Produktionssystemen wie den weidebasierten Haltungsverfahren.
WEIDEKUH II wird in Rassevergleichen neue funktionale Phänotypen berücksichtigen, die nicht mittels routinemäßiger Leistungsprüfung erfasst werden. Die Datenerfassung für eine weite Bandbreite an Merkmalen in Kombination mit einer umfassenden ökonomischen Bewertung der Milchviehhaltung in weidebasierten Produktionssystemen erlaubt a) Untersuchungen zu Genotyp-Umwelt-Interaktionen für funktionale Merkmale, b) die Ableitung ökonomischer Gewichte für Produktions- und funktionale Merkmale in Weidesystemen, c) die Entwicklung eines Gesamtzuchtwertes für Weidebetriebe und entsprechende Rangierung von Bullen und d) die Identifizierung von Kriterien für erfolgreiche Milchviehhaltung in weidebasierten Haltungssystemen basierend auf ökonomischer Bewertung innerbetrieblicher Daten. WEIDEKUH II ist die Voraussetzung zur Implementierung und Ausdehnung weidebasierter Produktionssysteme in Deutschland. Auf Grundlage der generierten Daten können anhand des entwickelten Gesamtzuchtwertes sowohl die am besten geeignete Rasse als auch die wertvollsten Bullen innerhalb der untersuchten Rassen identifiziert werden. Desweiteren sind betriebliche Strategien zur Maximierung des Betriebsgewinns zu definieren.

Projektförderung    BLE

Projektleitung    Prof. Dr. Sven König

Bearbeitung       Dr. Kerstin Brügemann

Projektdauer    01.08.2013 – 31.07.2016


Zuchtprogramme für Hornlosigkeit beim Milch- und Zweinutzungsrind in Deutschland

Ziel des Forschungsprojektes ist die Erstellung einer Leitlinie für Holstein- und Fleckviehzuchtverbände, um Empfehlungen für einen Umzüchtungsprozess auf Hornlosigkeit in diesen beiden Populationen ohne Verlust in den übrigen relevanten Produktionsmerkmalen und funktionalen Merkmalen geben zu können. In diesem Zusammenhang gilt es, die vorhandene genetische Diversität innerhalb der Populationen zu erhalten und möglichst zu maximieren, sowie eine potentielle Inzuchtsteigerung im Rahmen eines Umzüchtungsprozesses in den beiden Populationen zu vermeiden.

Erstes wissenschaftliches Ziel im Rahmen des Forschungsprojektes ist die Realisierung von Assoziationsstudien auf quantitativ-genetischer und molekulargenetischer Ebene, um Erkenntnisse über Wechselwirkungen zwischen dem Merkmal Hornlosigkeit und weiteren Merkmalen (sowohl klassische Leistungs- als auch funktionelle Merkmale) zu gewinnen. Diese Erkenntnisse sind zwingende Notwendigkeit, um das zweite wissenschaftliche Ziel, die Entwicklung züchterischer Strategien mittels Simulationsstudien, praxisnah abbilden und evaluieren zu können.

Das weitergehende technische Arbeitsziel besteht in der Umsetzung der erstellten Leitlinien im Rahmen eines Zuchtprogramms auf genetische Hornlosigkeit mit den damit verbunden Modifikationen in der Zuchtzieldefinition (Konzipierung eines neuen Gesamtzuchtwertes unter Berücksichtigung des Merkmals Hornlosigkeit) und soll in Kooperation mit den Rinderzuchtverbänden realisiert werden.

Die Förderung erfolgt aus Mitteln des Zweckvermögens des Bundes bei der landwirtschaftlichen Rentenbank.

Projektlaufzeit: 01.05.2014 – 31.10.2016

Projektleitung: Prof. Dr. Sven König, Universität Kassel

Koop.partner: Uni Halle-Wittenberg, Prof. Dr. Hermann H. Swalve

Bearbeitung: Carsten Scheper (M. Sc. Agr.)


Kuh-L: Kuh-Lernstichproben zur Implementierung genombasierter Selektionsstrategien auf Basis von Hochdurchsatztypisierungen beim Milchrind

Das Projekt „Kuh-Lernstichprobe zur Implementierung genombasierter Selektionsstrategien auf Basis von Hochdurchsatztypisierungen beim Milchrind“ hat zum Ziel, ein methodisches Konzept zur genomischen Zuchtwertschätzung basierend auf molekulargenetischen Informationen von Hochdurchsatztypisierungen und einem phänotypischen Datenpool von 20.000 Kühen in einer Lernstichprobe zu entwickeln. In Testherden die bereits in Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern bestehen werden an den Kühen innovative Merkmale, wie z.B. der Fett : Eiweiß-Quotient in der Frühlaktation, Klauenbefunde beim Klauenschnitt oder Zellzahlen in der Frühlaktation erfasst und genetische Profile der Tiere erstellt. Die Kombination der phänotypischen mit den genetischen Daten wird es erlauben, für die bisher im klassischen Selektionsverfahren nur indirekt bearbeiteten Merkmale Zuchtfortschritt zu realisieren. Die Bearbeitung findet unter Kooperation mit dem Förderverein Biotechnologieforschung e.V. (FBF), der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg und dem Vereinigten Informationssysteme Tierhaltung w.V. (vit) statt. Neben der Finanzierung durch den FBF wird das Projekt im Rahmen des Förderprogramms „KMU-innovativ: Biotechnologie – BioChance“ vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) getragen.

Die generierten Ergebnisse können im Erfolgsfall von beteiligten Zucht- und Besamungsstationen mit ihren Mitgliedsbetrieben nach einer Marktanalyse und der Evaluierung sowie Validierung der Ergebnisse verwertet werden. Das Potential des Projektes besteht darin, dass nach einer erfolgreichen Durchführung, die Umsetzung der wissenschaftlichen Ergebnisse dazu führen kann, dass durch die verbesserte Selektion der Tiere auf Tiergesundheit der Einsatz von Tierarzneimitteln vermindert und die Nutzungsdauer sowie das Tierwohl gesteigert werden können. Dem gesellschaftlichen Anspruch im Sinne von „Gesunde Tiere – gesunde Lebensmittel“ kann damit nachhaltig nachgekommen und den Milchviehhaltern robustere Zuchttiere zur Verfügung gestellt werden.

 

Projektförderung: BMBF u. Förderverein Biotechnologieforschung e.V.

Projektleitung: Prof. Dr. Sven König

Kooperationspartner:

FG Tierzucht, Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

Förderverein Biotechnologieforschung e. V. (FBF)

Vereinigten Informationssysteme Tierhaltung w.V. (vit)

Bearbeitung: Jakob Gährken (M. Sc. Agr.)

Projektdauer: 01.04.2014 – 31.03.2017


Entwicklung und Implementierung eines Zuchtkonzeptes zur Produktion von Jungsauen zur Eigenremontierung und zum Verkauf im Ökologischen Landbau

Deutschland ist EU-weit führend in der Erzeugung von ökologischem Schweinefleisch. Die Landwirte müssen von der EU vorgegebene restriktive Vorschriften einhalten sowie die Vorgaben des Staates selbst erfüllen. 20% der weiblichen Zukauftiere für die Remontierung dürfen aus konventioneller Haltung stammen, allerdings sind diese Tiere nur bedingt für die Haltung in ökologischen Produktionssystemen geeignet.

Die konventionelle Schweinezucht hat in den letzten Jahren einen großen Zuchtfortschritt gemacht - vor allem hinsichtlich der Zahl der geborenen Ferkel pro Wurf. Leider geht dies mit negativen Effekten auf die Überlebensfähigkeit der Ferkel sowie die Gesundheit der Sau und ihre Nutzungsdauer einher. Um dieser Problematik entgegenzuwirken ist es erforderlich, ein neues Selektionsystem für Jungsauen zur Zucht und Remontierung im ökologischen Landbau zu etablieren. Aufgaben sind die Anpassung von Einzelmerkmalen für einen Gesamtzuchtwert sowie die Entwicklung eines Zuchtkonzeptes für die Jungsauenvermehrung.

Ziele dieses Forschungsvorhabens ist die Entwicklung einer Leistungsprüfung für Jungsauen im ökologischen Landbau mit der Überprüfung auf ihre Realisierbarkeit hinsichtlich der Eigenremontierung und der Nutzungsdauer. Dies impliziert die Zuchtwertschätzung  für neue Merkmale die in der Leistungsprüfung relevant sind und die Schätzung deren genetischer Parameter.  Auf der Basis dieser Ergebnisse kann ein neu entwickelter Gesamtzuchtwert auf Ökobetrieben eingesetzt werden.

Am Ende der Forschungsarbeit wird ein Zuchtplanungskonzept für die Optimierung der Gewichtung der Einzelmerkmale in einem Gesamtzuchtwert analysiert. An dieser Stelle werden sowohl unterschiedliche Merkmalskombinationen als auch verschiedene Remontierungskonzepte miteinander verglichen, um eine optimale Selektionsstrategie zu definieren.

 

Projektförderung: BÖLN

Projektleiter: Prof. Dr. Sven König

Bearbeitung: Olga Stelter (M. Sc. Agr.)

Projektdauer: 01.11.2015-31.12.2017


Zuchtwertschätzung für Schauerfolge – Genetische Parameter für Zuchtzielmerkmale unter Berücksichtigung von Rangierungsergebnissen bei Holsteinkühen

Bei der Selektion von Milchkühen der Rasse Holstein Friesian stehen insbesondere Merkmale der Milchleistung und der Funktionalität der Tiere sowie Fruchtbarkeitsparameter  im Vordergrund der züchterischen Aktivitäten. Das Zuchtziel der Rasse wird vom Deutschen Holstein Verband (DHV) vorgegeben und in regelmäßigen Abständen angepasst. Im Rahmen von Tierschauen werden diejenigen Tiere vorgeführt, die das Zuchtziel der Zeit verkörpern.  Sie werden in Klassen je nach Laktationsnummer miteinander verglichen und in eine Rangfolge gebracht. Von besonderem Interesse ist in diesem Zusammenhang, welche Merkmale der vorgeführten Kühe besonders wichtig für eine hohe Einstufung sind. So wird bei der Schau hauptsächlich der Eindruck des Richters hinsichtlich des Exterieurs bewertet und nicht die direkte Leistung der Kuh.

Das Forschungsvorhaben konzentriert sich darauf, Merkmale und Merkmalskomplexe, die im Rahmen von Tierschauen zu einer hohen Rangierung führen, zu identifizieren. Weiterhin sollen genetische Parameter für Leistungs- und Fruchtbarkeitsmerkmale prämierter Holstein-Kühe unter Berücksichtigung ihrer Rangierung geschätzt werden. Hierfür werden lineare Modelle sowie verschiedene Schwellenwertmodelle zur Berechnung herangezogen.

Weiterhin ist der Einfluss der Väter interessant, die für die Zucht von Schaulinien als Vererber in Frage kommen. Auch ein Vergleich mit der Grundgesamtheit der Kühe, die nicht auf Tierschauen präsentiert werden, kann aufzeigen, inwiefern es sich bei den Siegerkühen auch um die Leistungsträger der Gesamtpopulation handelt.

Ein weiteres Teilprojekt ist die Charakterisierung von Züchtern in Hinblick auf ihre Motivation an Tierschauen teilzunehmen sowie ihre Selektionskriterien bei der Zucht auf das Merkmal ‚Schauerfolg‘ aufzuzeigen. Mittels hierarchischer Clusteranalyse ist es möglich, besondere Merkmale einzelner Typen von Landwirten herauszustellen (vgl. Wilson, 2007). Im Rahmen der Befragung ist es weiterhin geplant, ökonomische Gewichte für Merkmale zu ermitteln, die unter dem Gesichtspunkt der Schauteilnahme relevant erscheinen.

Dieses Forschungsvorhaben wird im Rahmen des LOEWE-Projektes ‚Tier-Mensch-Gesellschaft‘ durchgeführt und wird gefördert vom Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst.

 

Projektleitung: Prof. Dr. Sven König, Universität Kassel

Bearbeitung: Julia Anthe (M. Sc. Agr.)


„2-Org-Cows- Projekt“

In Richtung eines präventiven Gesundheitsmanagements für heimische Zweitnutzungsrinder in ökologischen Weideproduktionssystemen mittels neuartiger Zuchtstrategien auf Basis von innovativen Datenerfassungssystemen

Heutzutage wird der ökologischen Produktion von Lebensmitteln eine immer größere Bedeutung beigemessen. Die Grundidee der ökologischen Lebensmittelproduktion zeichnet sich durch eine ressourcenschonende und nachhaltige sogenannte „low-input“- Arbeitsweise aus. Hierbei steht besonders die Verwendung von erneuerbaren und lokalen Ressourcen im Vordergrund, was die Wahl der Nutztierrasse und deren Zuchtziele erheblich beeinflusst. Die ökologische Nutztierproduktion verfolgt somit den Ansatz, das Tier vielmehr an gegebene lokale, natürliche Umwelteinflüsse anzupassen, als wie es in der konventionellen Nutztierhaltung üblich ist, die Umgebung der Hochleistungstiere nach deren Bedürfnissen auszurichten. Da Zweinutzungsrassen von jeher eine gewisse Anpassungsfähigkeit an verschiedenste Umwelteinflüssen bewiesen haben, wird ihnen eine besondere Robustheit im Bereich der ökologisch weidebasierten Milchproduktion zugeschrieben. Herkömmliche Zuchtziele, welche eine hohe Milchleistung in der konventionellen Nutztierhaltung vorsehen, entsprechen daher nicht den Kriterien einer „low-input“ und ökologisch versierten Milchproduktion. Vielmehr besteht die Aufgabe darin, bereits bestehende Zuchtziele von Milchkühen neu zu formulieren bzw. den Einsatz von alternativen und lokal angepassten Rassen, welche durch Robustheit, Fitness und Langlebigkeit überzeugen, zu fördern.

Das Projekt verfolgt den Ansatz, die biologische Leistung einer „alternativen Genetik“ (Doppelnutzungsrassen) in Korrelation zu Gesundheitsparametern und Umweltbedingungen zu setzen. Eigens definierte Zuchtziele sollen verfolgt und eine darauf aufbauende Zuchtwertschätzung erstellt werden. Zuletzt sollen die Projektergebnisse in der Praxis verbreitet werden und den Landwirten als Informations- und Entscheidungshilfe  dienen. Ziel des Projekts ist eine eingehende Bewertung von neuartigen funktionalen Merkmalen und damit verbundenen Umweltdeskriptoren als eine Voraussetzung a) für die Umsetzung von ökologischen Zuchtstrategien für Zweinutzungsrinder aus Weideproduktionssystemen und b) für ein vorbeugendes Gesundheitsmanagement. Auf Basis eines interdisziplinären Forschungsdesigns unter Einbeziehung der Fachbereiche Tierzucht, Tierernährung, Tierhaltung und Agrartechnik werden bedeutende europäische Zweinutzungsrinderrassen im Hinblick auf Unterschiede für die zu entwickelnden Gesundheitsmerkmale (auch nach wirtschaftlichen Bewertungskriterien) analysiert. Dabei werden Vergleiche innerhalb und zwischen Rassen auf phänotypischer und genotypischer Ebene durchgeführt. Konkret werden Anpaarungsdesgins in der Versuchsherde der Universität Kassel in Frankenhausen durchgeführt. Insbesondere die Rassevergleiche auf genetischer Ebene sind innovativ und wurden bei Zweinutzungsrindern bisher nicht durchgeführt.

The financial support for this project is provided by transnational funding bodies, being partners of the FP7 ERA-net project, CORE Organic Plus, and the cofound from the European Commission.

Projektleitung: Prof. Dr. Sven König, Universität Kassel

Bearbeitung: Maria Jaeger (M.Sc. Agr.)

Projektlaufzeit: 01.04.2015-31.03.2018

 

Projektpartner:

Thomasz Sakowski (IGAB and FSK, Poland)

Ton Baars (IGAB and R-Ju, Poland)

Marija Klopcic (UL, Slovenia)

Beat Bapst (QAG, Switzerland)

Mattalia Sophie (France)

Nicolas Gengler (Belgium)

Wytze Nauta (WU-FSE, Netherlands)

Egbert Lantinga (WU-FSE, Netherlands)

Oya Akin (TAGEM, Turkey)