Wissenschaftliche Begleitung und Evaluation des Projektes „Mobilität im ländlichen Raum / Mobilfalt“

Prof. Dr.-Ing. Carsten Sommer
Dominik Bieland M.Sc.
Dipl.-Ing. Jonas Harz
Dipl.-Wi.-Ing. Volker Schmitt

 

Schrumpfung und Alterung der Bevölkerung haben vor allem im ländlichen Raum gravierende Konsequenzen für den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV):

  • eine Abnahme der Schülerzahlen und damit ein Rückgang der „Zwangskunden“ bei gleichzeitig zunehmend längeren Schulwegen und höheren Beförderungskosten,
  • eine Abnahme der Anzahl erwerbstätiger Personen und damit verbunden ein Rückgang der Fahrgastzahlen im Berufsverkehr (Pendler),

so dass insgesamt die Stammkunden des ÖPNV wegbrechen, die Bündelungseffekte entfallen und damit die Systemvorteile des traditionellen Linienverkehrs – etwa die Beförderung großer Fahrgastströme - nicht mehr greifen.

zu sehen sind auf einem dreitteiligen Bild eine Frau die aus ihrem blauen Kleinwagen aussteigt, ein Mann hinter dem Steuer eines PKW und neben ihm eine Frau als Beifahrer, und eine Frau an die Tür ihres Fahrzeugs gelehnt.

Vor diesem Hintergrund wurde unter Federführung des Nordhessischen Verkehrsverbundes (NVV) das Pilotprojekt „Mobilität im ländlichen Raum / Mobilfalt“ entwickelt. Dieses Projekt wurde finanziell vom Land Hessen im Rahmen der „Nachhaltigkeitsstrategie Hessen“ unterstützt.

Kern des Projektes war die Verknüpfung vorhandener öffentlicher Verkehrsangebote mit dem Individualverkehr. Durch die Integration von Pkw-Fahrten, bei denen Privatpersonen oder gewerbliche Anbieter ÖPNV-Kunden mitnehmen, soll die zeitliche und räumliche Verfügbarkeit des ÖPNV deutlich verbessert werden. Dieser Ansatz wurde im April 2013 in drei Pilotgebieten in Nordhessen gestartet und ist derzeit in den folgenden Gebieten in Betrieb:

  • Sontra / Herleshausen / Nentershausen (Werra-Meißner-Kreis / Landkreis  Hersfeld-Rotenburg)
  • Witzenhausen (Werra-Meißner-Kreis)
  • Großalmerode (Werra-Meißner-Kreis)

Das Fachgebiet Verkehrsplanung und Verkehrssysteme der Universität Kassel hat in diesem Projekt die wissenschaftliche Begleitung übernommen. Diese teilte sich in drei Phasen ein:

In der ersten Phase (09/2011 bis 03/2015) wurden die Entwicklung dieses neuartigen Ansatzes vom Konzept bis zur Testphase begleitet und beobachtet sowie die wirtschaftlichen, verkehrlichen und sozialen Wirkungen basierend auf empirischen Untersuchungen ermittelt. Der Schwerpunkt lag dabei auf der Prozessevaluation, d. h. auf einer Bewertung der Mittel und Abläufe, durch die das Konzept umsetzt wurde.

Die zweite Phase (08/2015 bis 11/2016) umfasste ein kontinuierliches Monitoring der Entwicklung von Mobilfalt anhand von vorher festgelegten Zielindikatoren. Außerdem wurde die Evaluation der wirtschaftlichen Indikatoren anhand von aktualisierten Daten fortgeschrieben.

In der dritten Phase (07/2017 bis 06/2018) wurde das Monitoring fortgeführt. Weiterhin erfolgte eine Evaluation der Prozesse bei telefonischen Buchungen.

Weitere Informationen:
www.mobilfalt.de


Laufzeit: 09/2011 bis 06/2018

Auftraggeber: Nordhessischer VerkehrsVerbund (NVV), Verkehrsverbund und Fördergesellschaft Nordhessen mbH, Kassel