PAUL - Wasserrucksack

Naturkatastrophen gefährden die Trinkwasserversorgung der betroffenen Bevölkerung. Hygienisch belastetes Wasser führt in solchen Katastrophenfällen von Durchfallerkrankungen bis hin zu Epidemien (bspw. Cholera).
Die bisher in der mobilen Notfallversorgung eingesetzten Trinkwasseraufbereitungsanlagen zeichnen sich meist durch einen hohen Technisierungsgrad aus und erfordern einen hohen Personal-, Energie und Zusatzstoffbedarf. Der Transport und die Inbetriebnahme solcher Anlagen dauern üblicherweise mehrere Tage. Entlegene Gebiete können mangels Auslastung und schlechter Zugänglichkeit nicht durch derartige Anlagen versorgt werden, so dass ein Wassertransport realisiert werden muss. Dieser ist, wenn überhaupt möglich, logistisch sehr schwer zu realisieren, aufwendig und zudem langsam.

Diese Versorgungslücke zu schließen und das vorhandene Portfolio der Notfallhilfe zu ergänzen, ist die Intention des vom Fachgebiet Siedlungswasserwirtschaft entwickelten Wasserrucksacks PAUL - Portable Aqua Unit for Lifesaving. PAUL ist ca. 23 kg schwer und bereitet 1.200 Liter Wasser pro Tag auf, ohne Energie, Chemikalien, Wartung und ohne geschultes Bedienpersonal. 400 Menschen können sich selbst helfen, 4 einfache Piktogramme ermöglichen dies selbst Analphabeten.

Herzstück von PAUL ist ein Membranfilter (Oberfläche: 10 m²; Porenweite: 40 nm), der hydrostatisch betrieben wird. Krankheitserreger wie Bakterien werden wirksam aus dem Wasser herausgefiltert. Die Standzeit der Membran beträgt ca. 10 Jahre, sodass neben dem akuten Katastropheneinsatz auch eine wirtschaftliche Langzeitversorgung mit trinkbarem Wasser möglich ist. Während dieser Zeit kann der Wasserrucksack im Dauerbetrieb mit gelegentlichem Entleeren/Abspülen/Reinigen der Membran eingesetzt werden.

Im Jahr 2006 wurde mit Unterstützung durch die DBU ein Prototyp hergestellt. In einem zweistufigen Folgevorhaben werden bis 2013 konstruktive Optimierungen und Messanalysen zur hydraulischen und mikrobiologischen Leistungsfähigkeit unter Einsatzbedingungen durchgeführt.

Erstmals zum Einsatz kam PAUL nach dem Erdbeben in Chile Anfang 2010. Mittlerweile sind über 1200 Wasserrucksäcke im weltweiten Einsatz (u.a. Pakistan, Haiti, Vietnam, Thailand, Kenia).
Im Rahmen des Wettbewerbes "365 Orte im Land der Ideen" wurde das Projekt PAUL - trinkbares Wasser in Katastrophenfällen im Jahre 2011 zweifach ausgezeichnet, zum einen als „Ausgewählter Ort im Land der Ideen“ und in der Folge als Bundessieger in der Kategorie „Gesellschaft“.