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Nachruf auf Cord Benecke (1965 – 2025)
Der Tod von Cord Benecke erfüllt uns mit Mitgefühl und Traurigkeit. Wir würdigen in diesem Nachruf sein Wirken am Fachgebiet für Klinische Psychologie I des Instituts für Psychologie im Fachbereich Humanwissenschaften der Universität Kassel.
Damit schließt sich der Fachbereich Humanwissenschaften der Universität dem Gedenken durch das Institut für Psychologie gern an und stellt noch einmal das besondere Wirken von Cord Benecke an der Universität Kassel heraus.
Cord Benecke kam bereits als bekannter Psychotherapieforscher, Psychoanalytiker und klinischer Psychologe nach Kassel. Nach seiner affektpsychologischen Dissertation fokussierte er sein wissenschaftliches Interesse bereits an der Universität Innsbruck auf die psychodynamische Psychotherapieforschung, sowohl in Diagnostik, als auch in der Evaluation der Wirkungen psychodynamischer Psychotherapien.
Seine wissenschaftlichen Impulse gab er besonders auch in die Deutsche Psychoanalytische Gesellschaft (DPG) und den psychoanalytischen Dachverband DGPT, indem er später die Forschungskommission der DPG leitete, regelmäßige Summer Schools durchführte und vielfältige Forschungsprojekte der Institutionen durchführte.
Der Ruf an die Universität Kassel im Jahr 2010 bot ihm die Möglichkeit, als einziger Lehrstuhlinhaber für Klinische Psychologie an einer staatlichen Universität in Deutschland, der zugleich Psychoanalytiker ist, zentrale Impulse für die wissenschaftliche Anerkennung der Psychoanalyse in der akademischen Psychologie, der Medizin und den weiteren, mit der Psychoanalyse verbundenen Wissenschaften zu setzen. Er wurde zu einem der führenden Vertreter:innen der psychodynamischen Psychotherapieforschung in Deutschland. Hervorzuheben ist, dass Cord Benecke mit hoher Kompetenz und großer Anerkennung auch den Vertreter:innen der anderen Psychotherapieschulen begegnete. Dies führte nicht zuletzt zur Gestaltung der klinischen Studiengänge der Psychologie in Kassel, die, wie nur wenige, mit hoher Expertise Grundlagen der Psychoanalyse, der Verhaltenstherapie und der Systemischen Therapie auf Bachelor- und Masterniveau vermitteln.
An der Universität Kassel entwickelte er gemeinsam mit Prof. Heidi Möller den Masterstudiengang „Klinische Psychologie und Psychotherapie“, der durch seine Praxisorientierung viele Elemente des heutigen Psychotherapie-Studiengangs vorwegnahm, den er in Kassel in beeindruckender Schnelligkeit und Präzision einführte. Zudem baute er die Psychotherapeutische Hochschulambulanz auf, die mit ihrer regelhaften Möglichkeit, „hinter der Scheibe“ life-Psychotherapien mitzuerleben, sowie einer großen Video-Datenbank von Psychotherapiesitzungen die Verbindung von praktischer Psychotherapieausbildung und Forschung ermöglicht. Hinter dieser Zugänglichkeit der Praxis der Psychotherapie für Studierende stand eine hohe Auffassungsgabe, Reflexivität und ein Mut, sich selbstkritisch in Übertragungsprozessen zu zeigen.
Die Entwicklung eines neuen Psychotherapeutengesetzes für Psycholog:innen wurde von Cord Benecke mit großem Elan und hoher wissenschaftlicher Integrität betrieben. Dies führte zu einer deutlich profunderen Verankerung der Psychoanalyse im Studium der Psychologie in Deutschland.
Cord Benecke wirkte auch innerhalb des Fachbereichs Humanwissenschaften, indem er den Dialog mit den psychodynamischen Professor:innen aller Institute aufnahm und diese auch in konkrete Projekte umsetzte: Hierzu zählt sein Engagement für eine Aus- und Weiterbildung in der psychodynamischen Kinder- und Jugendpsychotherapie, aber auch eine große Offenheit in der Förderung von Studierenden, nicht nur der Psychologie, sondern auch der Sozialen Arbeit und des Lehramtes. Dies hatte zur Folge, dass eine große Gruppe junger Wissenschaftler:innen und Praktiker:innen sich in vielen Anwendungsgebieten der Psychoanalyse in Kassel qualifizieren und profilieren konnten. Leider nicht realisiert werden konnte im letzten Jahr gemeinsames Projekt mit Kolleg:innen aus den Erziehungswissenschaften und der Sozialen Arbeit mit innovativen YoutTube-Präsentationen der „Psychoanalyse aus Kassel!“.
Somit trug Cord Benecke mit großer Selbstverständlichkeit und großem Elan dazu bei, die Psychoanalyse nicht nur als klinische, wissenschaftlich fundierte Therapieform, sondern gerade auch in ihrer Stellung als „Wissenschaft zwischen den Wissenschaften“ (n. Modell 1984) weiterzuentwickeln.
Dieses großes Engagement war nur möglich, mit einem extrovertierten, menschenfreundlichen und zugleich kämpferischen Geist, der von Fairness und Großzügigkeit begleitet war.
Der Fachbereich Humanwissenschaften der Universität Kassel ist in Trauer mit vielen Kolleg:innen und Freund:innen von Cord Benecke verbunden. Unser ganz besonderes Mitgefühl aber gilt seiner Frau und seinen Kindern, denen wir von Herzen ein Gelingen ihres weiteren Weges wünschen.
Für den Fachbereich Humanwissenschaften
Mark Schrödter (Dekan)
Marianne Leuzinger-Bohleber
Reinhard Lindner
Patrick Meurs
Heidi Möller
Bertram von der Stein
Rolf-Peter Warsitz