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28.10.2026 | Meldung

Nachruf Prof. Dr. Herbert A. Zwergel

(* 25. November 1943 im unterfränkischen Geiselbach – + 2. Oktober 2026 in Gießen)

Mit Prof. Dr. Herbert A. Zwergel verbindet sich ein wissenschaftlicher Werdegang, der
philosophische Grundlagenreflexion, religionspädagogische Theoriebildung und die
praktische Qualifizierung von Religionslehrkräften miteinander verknüpfte. Als langjähriger
Hochschullehrer an der Universität und Gesamthochschule Kassel prägte er das Fach
Katholische Theologie und die Religionspädagogik und engagierte sich über seine
universitäre Lehrtätigkeit hinaus für den wissenschaftlichen Austausch in der
religionspädagogischen Community ebenso wie in der Hochschulpolitik.


Prof. Dr. Herbert Zwergel wurde im unterfränkischen Geiselbach 1943 geboren. Nach dem
Abitur (1964) in Offenbach studierte er an der Johann Wolfgang Goethe-Universität in
Frankfurt am Main das Lehramt für Grund-, Haupt- und Realschule mit den Fächern
Katholische Religion, Mathematik und Physik und legte 1967 das erste Staatsexamen ab. Er
absolvierte ein Promotionsstudium in Religionsphilosophie, Psychologie und Moraltheologie.
1971 wurde er am Fachbereich Religionswissenschaften der Universität Frankfurt mit der bei
dem Religionsphilosophen Prof. Dr. Johannes G. Denninger angefertigten Dissertation „Das
Prinzip vom zu vermeidenden Widerspruch bei Aristoteles“ zum Dr. phil. promoviert. Im
gleichen Jahr wurde er am gleichen Fachbereich Religionswissenschaften (Abteilung
Katholische Theologie) der Frankfurter Universität Wissenschaftlicher Assistent, 1972
Dozent mit Hochschullehrerstatus.


1980 wurde er zum Universitätsprofessor für Religionspädagogik im Fachbereich
Erziehungswissenschaft/Humanwissenschaften der Universität/Gesamthochschule Kassel
berufen. 30 Jahre lang vertrat er hier engagiert die fachlichen und hochschulpolitischen
Anliegen des Instituts für Katholische Theologie innerhalb und außerhalb der Universität.
Durch sein Engagement konnte er, gemeinsam mit seinem Kollegen Helmuth Rolfes, den
Studiengang in Kassel vor der Schließung retten. Dies gelang ihm durch überzeugende
Sachargumente, gepaart mit zugewandt-kommunikativem Handeln und gemeinschaftlichem
Agieren.


Herbert Zwergel war über viele Jahre Direktor des Instituts für Katholische Theologie sowie
1979, 1987 und 1993 Dekan des Fachbereichs Erziehungswissenschaft/Humanwissenschaften
der Universität Kassel. 2009 trat Herbert Zwergel in den Ruhestand.
Die wissenschaftliche Arbeit Herbert Zwergels lässt sich von philosophischen Grundfragen
über religionspädagogische Theorie bis hin zur Fachdidaktik darstellen und in drei
miteinander verbundene Bereiche gliedern: (1) Philosophische und wissenschaftstheoretische
Reflexionen zu den Grundlagen des Faches mit seiner kritischen Auseinandersetzung des
wissenschaftlichen Selbstverständnisses sowie der Forschungslage der Fachdidaktik; (2)
Auseinandersetzung mit religiöser Bildung und der Persönlichkeitsentwicklung von
angehenden Religionslehrkräften und Schüler*innen, hier reflektierte er besonders die
psychologischen Voraussetzungen religiöser Lernprozesse und deren emotionale
Verankerung; (3) Fachdidaktische Fragestellungen und Engagement in der
Religionslehrkräftebildung mit seinem starken Interesse hinsichtlich des Umgangs mit
Kommunikationsstörungen und Aggression, kollegialer Beratung und professionellen
religionspädagogischen Handelns.


Grundsätzlich ging es Herbert Zwergel um die wissenschaftstheoretische Begründung einer
Religionspädagogik, die Theologie und Humanwissenschaften, insbesondere Psychologie,
stimmig zu integrieren vermag. Gerade in den letzten Jahren richtete sich sein Interesse nicht
allein auf die theoretische Begründung religiöser Bildung, sondern besonders auf die
Herausforderungen, denen Lehrkräfte im schulischen Alltag begegnen, so dass die
praxisbezogene Seite seines religionspädagogischen Wirkens nicht zu unterschätzen ist. Er
verstand es früh, dass Lehrkräftebildung ganzheitlich gesehen werden muss, dass Fachliches,
Pädagogisches und Kommunikatives eine Einheit bilden, damit das Lernen von Schüler*innen
gut gelingen kann.


Von 1988 bis 2000 war Herbert Zwergel mit 24 Bänden allein verantwortlicher Schriftleiter
der Religionspädagogischen Beiträge und von 2002 bis 2006 Vorsitzender der
wissenschaftlichen Vereinigung Arbeitsgemeinschaft Katholische Religionspädagogik und
Katechetik (AKRK). Er pflegte zudem kontinuierlich den Kontakt zu und die Mitarbeit in der
2001 gegründeten Gesellschaft für Fachdidaktik, zu deren Mitbegründern die AKRK gehörte.
Seine wissenschaftliche Tätigkeit ist durch zahlreiche Veröffentlichungen ausgewiesen (in
Auswahl):


Religiöse Erziehung und Entwicklung der Persönlichkeit. Psychologischer Leitfaden für
Religionslehrer und praktische Theologen (1976), Philosophische Aspekte der Begründung
einer religionspädagogischen Handlungstheorie (1981), Zum Begründungsproblem einer
kritischen Religionspädagogik (1983), Paul Ricoeur: Hermeneutik der Symbole und die Frage
nach dem Subjekt (1989), Die Allensbacher Untersuchungen angesichts
religionspädagogischer Theoriebildung und empirischer Forschung. Eine Zwischenbilanz in
weiterführender Absicht (1990), Heute Religionslehrer/in und Katechet/in sein. Theologie im
Fernkurs, Religionspädagogisch-katechetischer Kurs, Lehrbrief 24 (1991), Elementare
Glaubensmomente und Erfahrungsspuren im Religionsunterricht (1993), Zur emotionalen
Verankerung religiöser Lernprozesse (1994), Hermeneutik und Ideologiekritik in der
Religionspädagogik (1995), Auf der Suche nach einer Spiritualität von Religionslehrerinnen
und -lehrern (1998), Zur Förderung kommunikativer Kompetenzen in der Ausbildung (1999),
Bildungsstandards – eine Orientierung (2005), Der bischöfliche Blick auf den
Religionsunterricht. Ein religionspädagogischer Kommentar zur Erklärung „Der
Religionsunterricht vor neuen Herausforderungen“ (2006) u.v.m.


Herbert Zwergel war ein angenehmer und unterstützender Kollege, politisch-denkender und
engagierter Mensch und unterhaltsamer Gesprächspartner. Er hatte stets ein keckes
freundlich-herausforderndes Funkeln in seinem Wesen, das seiner klaren und integren
Sachanalyse aber keinen Abbruch tat. Das konnte er gut miteinander verbinden: Sache und
verbindlich zugewandtes Zwischenmenschliches. Wenn er anwesend war, strahlte er Freude,
Humor, Leichtigkeit aus – wiederum ohne oberflächlich zu werden oder Kritisches zu
umgehen. Er war nahbar, sowohl Studierenden als auch Doktorand*innen gegenüber, und
trotz seiner fachlichen „Größe“ ein angenehm-kollegialer Fachvertreter ohne professorale
Attitüde und Standesdünkel. Und er war ein Suchender, einer, der nicht fertig war mit den
Dingen, der sich nicht zufrieden gegeben hat mit einfachen Aussagen, dem Schwarz-Weiß-
Denken Unbehagen bereitet hat, für den divergierende Meinungen Ansporn waren für tiefe
Gespräche und Auseinandersetzungen.


Mit Herbert Zwergel verliert die Religionspädagogik und das Institut für Katholische
Theologie der Universität Kassel eine markante Persönlichkeit ihres Faches, die nie das
offene Wort gescheut und sich leidenschaftlich in die fachlichen und hochschulpolitischen
Debatten eingebracht hat.


Alle, die ihn näher gekannt haben, trauern um einen offenen und warmherzigen Menschen,
möge er ruhen in Gottes Frieden.


Birgit Menzel und Prof. Dr. Annegret Reese-Schnitker
(Kassel, den 13.10. 2026)