Nachruf Prof. Dr. med. Bertram von der Stein (1958 – 2026)
Der Tod von Bertram von der Stein macht uns traurig. Wir möchten mit diesem Nachruf an einen Menschen denken, der als Psychoanalytiker und Psychiater die Lehre in psychodynamischer Beratung und Therapie im Studium der Sozialen Arbeit bereichert hat. Er tat dies, indem er sowohl die Psychoanalyse als auch die wissenschaftlichen Disziplinen der Sozialen Arbeit aufforderte, aus dem Elfenbeinturm bürgerlicher Selbstverständlichkeit herauszutreten und den Alltagsumständen mit reflektiertem Mitagieren im Übertragungsgeschehen, wie er schrieb, zu begegnen. Diese unbedingte Nähe zu Menschen, die den Professionellen zunächst fremd sind, verbinde angewandte Psychoanalyse und Soziale Arbeit.
Es ist demnach auch bezeichnend, dass die Nachricht von Bertram von der Steins Tod Menschen aus allen Bereichen des Instituts für Sozialwesen erfasst hat – Studierende, die davon sprachen, durch ihn in Selbsterfahrungs- und theoretischen Seminaren gelernt zu haben, dass Psychoanalyse in erster Linien Verstehen von Beziehungen ist und nicht Reden über die Vergangenheit; Mitarbeitende im Institut, die seine lebendige, humorvolle und direkte Freundlichkeit benannten und Kolleg:innen aus der Gruppe der Professor:innen, die ihn als dezidiert streitbaren Psychoanalytiker schätzten, der sich tatkräftig und freundlich an der Lehre und der Diskussion im Institut beteiligt hat.
Bertram von der Stein war ein Psychoanalytiker, Psychiater und Psychosomatiker, der vielfältige Formen der Praxis des Gesprächs mit Menschen, die mit psychosozialen Problemlagen konfrontiert sind, gut kannte. Neuropathologie, Psychiatrie, Neurologie, Psychosomatik, Sucht- und Rehabilitationsmedizin sind Arbeitsfelder in einem langen Berufsleben als Arzt, sowohl in Kliniken als auch in seiner Praxis im Kölner Nordwesten. Er engagierte sich als Lehranalytiker (DGPT), Dozent und Vorsitzender am Institut für Psychoanalyse und Psychotherapie Düsseldorf (IPD), war Gruppenlehranalytiker (D3G) und lange Jahre Ambulanzleiter des IPD, was ihm tiefe Einblicke in die komplexen Dynamiken psychosozialer Institutionen brachte. Darüber hinaus aber verfolgte er eine rege wissenschaftliche Auseinandersetzung mit Fragen der Alterspsychotherapie, der Gruppenpsychotherapie, der Fragen von Rassismus, Interkulturalität, Antisemitismus und transgenerationalen Traumaweitergabe. Er zeichnete wissenschaftlich verantwortlich für eine Vielzahl der Kasseler Symposien der Arbeitsgruppe „Psychoanalyse und Altern“, wirkte hochengagiert als Mitherausgeber der Zeitschrift „Psychotherapie im Alter“ und engagierte sich in einer Initiative für empirische, psychodynamische Alterspsychotherapieforschung. Gemäß seiner Fundierung in der praktischen Psychotherapie und Psychoanalyse war sein Ausgangspunkt für Erkenntnis der Fall und daraus folgend die Fallgeschichte, wobei er sich systematischen qualitativen und quantitativen Methoden der Psychotherapie- und Beratungsforschung mit einem kreativen Geist zuwandte.
Diese Verbindung von klinischer Expertise und wissenschaftlicher Produktivität waren auch Gründe, ihn zunächst 2021 als Gastprofessor für „Theorien und Methoden psychosozialer und klinisch orientierter Beratung in Tätigkeitsbereichen der Sozialen Arbeit “ und seit 2023 als Honorarprofessor am Fachbereich Humanwissenschaften für die Lehre in Studiengängen der Sozialen Arbeit zu gewinnen.
Wir trauern um den Verlust eines hochgeschätzten Hochschullehrers, Kollegen und Freundes. Unser Mitgefühl gilt seiner Frau Gabriele von der Stein und seinen Söhnen.
Für das Institut für Sozialwesen
Prof. Dr. Reinhard Lindner Prof. Dr. Felix Welti
FG Theorie, Empirie und geschäftsf. Direktor
Methoden der Sozialen Therapie Institut für Sozialwesen