Mittelalterliche Geschichte
Die Professur für Mittelalterliche Geschichte deckt in Lehre und Forschung die gesamte epochale Breite der Mittelalterlichen Geschichte von ca. 500 bis ca. 1500, von der frühmittelalterlichen Transformation der Antike bis zu den spätmittelalterlichen Wurzeln der Neuzeit ab. In räumlicher Hinsicht betreiben wir eine europäische und transkulturell vergleichende Mittelalterforschung, deren Schwerpunkt auf dem nordalpinen Reich, Italien, Frankreich und England liegt. Zugleich nimmt sie außereuropäische und globale Zusammenhänge in den Blick.
Mittelalterliche Geschichte ist grundsätzlich immer auch Gegenwartswissenschaft, die ihre Fragestellungen aus unserer Zeiterfahrung schöpft. Sie betont die kulturelle Diversität und den zeitlichen Abstand ihres Gegenstands und stellt sich jeglichen politischen Vereinnahmungsversuchen für Gegenwartsinteressen entschieden entgegen. Als konstruiertes Kontrastbild ist sie für das Selbstverständnis der Moderne konstitutiv. Sie lädt damit zur Reflexion über moderne Gewissheiten und die historische Gewordenheit unseres eigenen Denkens ein.
In Forschung und Lehre verbindet die Professur eine dezidierte Quellenorientierung, die dem traditionellen, auch grundwissenschaftlichen Handwerk der historischen Mediävistik breiten Raum gibt, mit einer starken kulturgeschichlichen Profilbildung. Neben klassischen Themen erkundet sie neue Felder der Mittelalterforschung, etwa im Bereich der Sport- und Wettkampfgeschichte, der Mensch-Tier-Beziehungen, der transalpinen Verflechtungsgeschichte oder der politischen Mittelalteraneignung in der Gegenwart. Eine interdisziplinäre und interepochale Offenheit und Anschlussfähigkeit sind für die Kasseler Mediävistik dabei selbstverständlich.