De­co­lo­ni­sing Development in Re­se­arch, Teaching, and Prac­tice

Der Lehrstuhl für Entwicklungspolitik und Postkoloniale Studien an der Universität Kassel freut sich darauf Co-Gastgeber des COST-Action-Netzwerks CA19129 "Decolonising Development“ zu werden. Als Teil eines Konsortiums kritisch engagierter Wissenschaftler*innen aus mehr als 20 Ländern, ist es Prof. Aram Ziai und Dr. Julia Schöneberg gelungen, Förderung des "European Cooperation in Science and Technology" (COST) Programms einzuwerben. Ab September 2020 wird sich das Netzwerk der Herausforderung stellen, Entwicklungsforschung, -Lehre und -Praxis nach nicht-eurozentrischen Maßstäben konstruktiv und dekolonial zu (re-)formulieren.

Kritik an „Entwicklung“ steht in einer langen und bedeutsamen Tradition. In Debatten und Diskussionen der letzten drei Jahrzehnte wurde weitgehend anerkannt, dass Entwicklung als Diskurs und Praxis untrennbar mit Macht, der Wissensproduktion über und die daraus resultierende Kontrolle von Menschen, Orten und Räumen außerhalb Europas verbunden ist.

Dennoch wurden bisher (zu) wenige Schritte unternommen, um jenseits dieses linearen Evolutions- und Modernisierungsnarrativs zu praktischen und praktizierten dekolonialen Gegenentwürfen zu gelangen.

Die COST Action stellt sich der Herausforderung Entwicklungstheorie und -Praxis zu dekolonialisieren. In nicht-eurozentristischer Weise, die sich ungerechter und ungleicher Machtverhältnisse bewusst ist, zielt das Netzwerk auf eine Neuordnung und Diversifizierung der Akteur*innen, Strukturen, Institutionen und Räume, in denen Wissen über und für Entwicklung produziert, geteilt, angefochten und in die Praxis umgesetzt wird.

„Wissen über Entwicklung zu dekolonialisieren bedeutet, dass die paternalistisch-hierarchische Zweiteilung zwischen „Entwickelten“ und „Unterentwickelten“ endlich aufgehoben wird“, sagt Dr. Julia Schöneberg, Kandidatin für die Rolle des Action Chair. „Durch die verschiedenen Aktivitäten innerhalb der nächsten vier Jahre wollen wir gemeinsam die Strukturen und Institutionen aufbrechen, die Machtungleichgewichte aufrechterhalten, und die Ideen in Frage stellen, die paternalistische Beziehungen und Grundannahmen der Überlegenheit stützen. Wir werden Alternativen in drei Bereichen untersuchen und formulieren: Forschung, Lehre und Praxis".

Das European Cooperation in Science and Technology (COST) Programm bietet Forschenden Förderung für den Aufbau interdisziplinärer Forschungsnetzwerke in Europa und darüber hinaus. Die Netzwerke sind offen, inklusiv und interdisziplinär.

"Wir freuen uns sehr, dass unsere Initiative für ein paneuropäisches Netzwerk zum Thema 'Dekolonisierung der Entwicklung' unter so starken Mitbewerber*innen ausgewählt wurde", sagt Prof. Aram Ziai, der auch deutscher Vertreter im Management Committee der Action ist. "Wir müssen uns von kolonialen Denk- und Handlungsmustern befreien: nicht nur in Bezug auf das Verhalten der Polizei gegenüber People of Colour oder den Denkmälern in unseren Städten, sondern auch in der Art und Weise, wie wir über globale Ungleichheit denken und diesbezüglich handeln. Wir freuen uns darauf, unser Netzwerk als einen Raum des Wissensaustauschs, des gegenseitigen Lernens und der nicht-hierarchischen Co-Konstruktion alternativer Denk-, Lebens- und Handlungsweisen zu etablieren.“

Für mehr Informationen über die COST Aktion „Decolonising Development“

https://www.cost.eu/actions/CA19129/#tabs|Name:overview

 

Bei Fragen kontaktieren Sie bitte

Dr. Julia Schöneberg, julia.schoeneberg[at]uni-kassel[dot]de

Prof. Dr. Aram Ziai, ziai@uni-kassel.de