HBS-Projekt
Dem Aufstieg des rechten Autoritarismus begegnen: Die Rolle von Gewerkschaften bei der Entwicklung von Gegenstrategien und -bewegungen
Projektlaufzeit: 01.01.2026 - 30.06.2028
Projektbearbeitung: Franziska Rozicki
Das Forschungsprojekt zielt darauf ab Gewerkschaften und anderen sozialen Bewegungen analytische und strategische Instrumente an die Hand zu geben, um langfristige Gegenstrategien und Gegenbewegungen gegen global zunehmenden Autoritarismus zu entwickeln. Der Aufstieg des Autoritarismus stellt für die meisten Gewerkschaften eine doppelte Herausforderung dar. Einerseits bedroht er die Grundprinzipien der kollektiven Interessenvertretung von Arbeitnehmern, und der Solidarität, der sozialen Gerechtigkeit und Gleichheit sowie der demokratischen Entscheidungsfindung in der Arbeitswelt und darüber hinaus. Dies zwingt die meisten Gewerkschaften dazu, eine entschiedene Haltung gegen Autoritarismus einzunehmen. Andererseits birgt eine solch klare Positionierung das Risiko, eigene Mitglieder zu verprellen, da auch Arbeitnehmer – und sogar Gewerkschaftsmitglieder – autoritäre politische Kräfte unterstützen. Das Projekt begegnet diesem Dilemma mit einem Ansatz, der Aktionsforschung (Action Research) mit der Anwendung und Verbreitung von Wissen verbindet. Die Forschung untersucht die Schlüsselfaktoren, die die gewerkschaftlichen Reaktionen auf Autoritarismus prägen, sowie die Bedingungen, unter denen die Arbeiterbewegung wirksame Strategien und Bewegungen gegen Autoritarismus aufbauen und aufrechterhalten kann. Nach außen hin werden diese Reaktionen beeinflusst durch (1) die Narrative und politischen Programme autoritärer Parteien, (2) das Vorhandensein oder Fehlen alternativer Narrative sowie (3) die politischen und wirtschaftlichen Gegebenheiten (Opportunity Structures). Nach innen hin – und dies ist von entscheidender Bedeutung – werden die Reaktionen durch die Ideologie und Identität der Gewerkschaften bestimmt. Die Forschung umfasst eine vergleichende Analyse der gewerkschaftlichen Reaktionen in acht Ländern (Argentinien, Brasilien, Deutschland, Indien, Philippinen, Türkei, Vereinigtes Königreich und USA). Die Forschungsteams in den jeweiligen Ländern setzen sich aus Wissenschaftler*innen, Gewerkschafter*innen, Aktivist*innen sowie zertifizierten Bildungsreferent*innen und Trainer*innen des Netzwerks zusammen, die eine Schlüsselrolle bei der Wissensgenerierung und -verbreitung spielen. Die vergleichende Studie zielt darauf ab, einen fundierten Austausch über die politischen Prozesse bei der Strategieentwicklung zu ermöglichen – insbesondere darüber, welche Strategien sich erfolgreich gegen autoritäre Regime behaupten und welche Bedingungen solche Strategien entweder behindern oder begünstigen. Die Anwendung und Verbreitung des Wissens erfolgt durch Forschungspublikationen (auch in den jeweiligen Landessprachen) sowie durch die Entwicklung eines Bildungspakets. Dieses soll der Arbeiterbewegung und anderen progressiven Kräften, die sich autoritären Regimen widersetzen, analytische Werkzeuge für den Aufbau langfristiger Gegenstrategien und Gegenbewegungen an die Hand geben. Das Bildungspaket umfasst einen Massive Open Online Course (MOOC), Blended-Learning-Maßnahmen, die von zertifizierten Bildungsreferent*innen für Arbeitnehmer*innen in den acht Ländern durchgeführt werden, sowie die Entwicklung eines Handbuchs zur Unterstützung der Einführung des Online-Kurses.