UN-Resolution „Correct the Map”
Die flächentreue Darstellung der Kontinente bedeutet eine Abkehr von der im 16. Jahrhundert zu Navigationszwecken entwickelten, winkeltreuen Mercator-Projektion. Durch diese werden Flächen zu den Polen hin vergrößert und am Äquator komprimiert, sodass z.B. Grönland riesig und Afrika viel kleiner erscheint, als es den tatsächlichen Flächen entspricht. Dennoch galt die Mercator-Projektion für viele Jahre als „neutrale“ und weitverbreitete kartografische Darstellung der Welt.
Das Fachgebiet für Entwicklungspolitik und Postkoloniale Studien begrüßt die Resolution der UN ausdrücklich, denn in der Meractor-Projektion steckt eine verzerrte, europäische Perspektive auf die Welt, die nicht zuletzt ein koloniales Erbe darstellt. Daher hat unser Fachgebiet seit seiner Gründung 2014 in Vorlesungen und Vorträgen eine flächengetreue Karte (die sog. Peters-Projektion) eingesetzt. Die Resolution 80/L.104 der UN-Generalversammlung schreibt: „Das historische Erbe kartografischer Verzerrungen der Kontinentalgrößen hat kognitive, bildungsbezogene, kulturelle, geopolitische und sozioökonomische Auswirkungen“. Und deswegen stimmt auch, dass eine veränderte flächentreue Darstellung, besonders des afrikanischen Kontinents, ein „Akt kognitiver Gerechtigkeit und reparatorischer Erinnerungspolitik“ ist.
Klar ist aber gleichzeitig: Eine Änderung der kartografischen Darstellung ist keine Änderung globaler Machtbeziehungen. Sie baut koloniale Kontinuitäten in der Weltwirtschaft und den internationalen Beziehungen nicht automatisch ab. Dennoch kann sie dazu beitragen, das Politische hinter vermeintlich neutralen Selbstverständlichkeiten sichtbar zu machen. Dass die UN-Resolution dazu das Zeug hat, lässt sich nicht zuletzt an der einsamen Gegenstimme der USA ablesen, die „Correct the Map“ als „radikales ideologisches Projekt“ verurteilten.