„Better save than sorry“ überzeugt im internationalen Wettbewerb „House of No Waste“
Zwischen dem 28. August und dem 2. Dezember 2025 reichten 1.005 Autor:innen aus 112 Ländern insgesamt 927 Bewerbungen ein. Aus 225 formal zugelassenen Projekten wählte eine internationale Jury im Januar 2026 die sieben Preisträger aus, zu denen auch „Better save than sorry“ zählt.
Reuse Hubs als Schlüssel zur Bauwende
Das prämierte Konzept setzt auf sogenannte Reuse Hubs in rurbanen Räumen als neue Infrastruktur für die Bauwirtschaft. Ziel ist es, die Wiederverwendung von Bauteilen systematisch zu etablieren und damit einen grundlegenden Wandel von linearen zu zirkulären Prozessen anzustoßen.
Trotz politischer Zielsetzungen bleibt eine umfassende Transformation der Bauindustrie bislang aus. Nachhaltigkeit wird häufig nur punktuell umgesetzt, während ressourcenintensive Neubauprozesse weiterhin dominieren. „Better save than sorry“ begegnet dieser Herausforderung mit einem strukturellen Ansatz: Wiederverwendung, neue Organisationsformen und die gezielte Nutzung bestehender Infrastrukturen.
Modellstandort Speichersdorf
Ausgangspunkt der Studie ist die geplante Schließung des Rosenthal-Porzellanwerks in Speichersdorf im Jahr 2026. Das Konzept umfasst ein zentrales Bauteillager als logistisches Herzstück, das die systematische Erfassung, Lagerung und Verteilung wiederverwendbarer Komponenten ermöglicht. Ergänzt wird dieses durch ein Reuse-Management-Zentrum, das die Materialflüsse zwischen Rückbau- und Neubauprojekten koordiniert und fachliche Beratung für das Bauen mit wiederverwendeten Bauteilen bietet. Werkstätten zur Aufbereitung und Qualitätssicherung stellen die Funktionsfähigkeit der Bauteile sicher, während Bildungs- und Forschungsräume Raum für Wissenstransfer und Innovation schaffen. Öffentliche Bereiche wie ein Café und weitere Begegnungsorte öffnen den Hub für die Gemeinschaft und fördern den sozialen Austausch. Damit entsteht ein hybrider Raum, der wirtschaftliche, ökologische und soziale Funktionen vereint.
Regionale Kreisläufe und globale Wirkung
Reuse Hubs ermöglichen dezentrale Materialkreisläufe, verkürzen Transportwege und stärken regionale Wertschöpfung. Gleichzeitig schaffen sie neue Perspektiven für Handwerksbetriebe und fördern Fachwissen im Bereich des zirkulären Bauens. Die Nutzung leerstehender Gewerbeimmobilien reduziert Flächenverbrauch und belebt strukturschwächere Regionen.
Durch die enge Zusammenarbeit von Kommunen, Bildungseinrichtungen, Unternehmen und Zivilgesellschaft werden die Hubs zu Reallaboren für Innovation, Wissensaustausch und nachhaltige Baupraktiken.
Ein skalierbares Modell für die Zukunft
Das Projekt verfolgt einen hybriden Ansatz, der physische Lagerinfrastruktur, digitale Plattformen sowie Beratungs- und Bildungsangebote kombiniert. Eine geplante Organisationsstruktur in Form einer GmbH mit kommunaler Beteiligung soll wirtschaftliche Tragfähigkeit mit Gemeinwohlorientierung verbinden.
„Better save than sorry“ zeigt, wie die Bauindustrie durch zirkuläre Strategien neu gedacht werden kann: regional verankert, sozial integriert und ökologisch wirksam.
Weitere Informationen unter: https://houseofnowaste.org/#/onlineexhibition/project/UN25-AAVRW