Profilprojekt Städtebau

betreut von: Prof. Dr. Verena Brehm, Prof. Dipl.-Ing. Ariane Röntz

Das Büro als zentraler Arbeitsort der Dienstleistungs- und Wissensgesellschaft steckt in der Krise: Es altert funktional und energetisch und steht zunehmend leer. In den deutschen Top-7-Büromärkten (Berlin, Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg, Köln, München, Stuttgart) liegt die Leerstandsquote inzwischen bei über 8%. Allein dort fallen damit ca. 8,1 Millionen Quadratmeter aus der bisherigen Nutzungslogik heraus. Demgegenüber stehen Raum- und Flächenbedarfe einer klimaangepassten, gemeinwohlorientierten Stadtentwicklung für bezahlbares Wohnen (deutschlandweites Defizit von ca. 1,9 Mio. 2023), für öffentliche Freiräume, soziale und kulturelle Infrastrukturen, Bildungseinrichtungen und neue Formen produktiver Stadt.
 
Das Entwurfsprojekt „Beyond Office“ nimmt diese Spannung zum Ausgangspunkt und entwickelt Visionen für einen ehemals monofunktional geprägten Bürostandort der Nachkriegsmoderne: die City Nord in Hamburg. Im Projekt erarbeiten Studierende aus ASL in interdisziplinären Teams ein Entwicklungskonzept, Transformationsmaßnahmen und einen städtebaulich-freiräumlichen Entwurf, der ausschnittweise studiengangsspezifisch vertieft wird.
 
Die City Nord dient als Labor für Fragen, die viele europäische Städte betrifft. Die Projektarbeit bereitet zudem auf eine zentrale Aufgabe der Berufspraxis vor, die eine interdisziplinäre Herangehensweise erfordert: Wie lassen sich überalterte, im Stadtgefüge isolierte Bürostandorte in gemischte, klimaangepasste und räumlich integrierte Stadtbausteine überführen? Wie viel muss umgebaut, wie viel kann weitergenutzt, wie viel muss neu programmiert werden? Wo und wie ist ergänzender Neubau sinnvoll? Wie lassen sich die Potentiale der großzügigen, aber untergenutzten Außenanlagen für lebendige Freiräume aktivieren?

 

In der City Nord, die in den 1960er Jahren als Entlastungsstandort gegründet wurde, ist dieser Transformationsprozess bereits seit mehr als 15 Jahren im Gange. Es sind Gebäude saniert (z.B. Arne-Jacobsen-Gebäude) und umgenutzt worden, Parkplätze bebaut worden, einige Bürobauten (u.a. „Postpyramide“) sind abgerissen worden und durch gemischte Ensembles mit Wohnen und Gewerbe ersetzt worden („Ipanema“). Der Bau der U-Bahnlinie 5 mit Halt in der City Nord wird in Zukunft die Anbindung erheblich verbessern.
Zentrale Herausforderungen sind weiterhin der Umgang mit dem teils denkmalgeschützten Bestand, die Umnutzung und Weiterentwicklung von Bürogebäudetypen, die Qualifizierung öffentlicher Räume, insbesondere des mittigen, ebenfalls denkmalgeschützten City Nord Parks, Fragen der Klimaanpassung, die nahräumliche Vernetzung in die angrenzenden Quartiere (u.a. das neue Pergolenviertel), die kontextualisierte bauliche Nachverdichtung, die Entwicklung einer dem Standort angemessenen Nutzungsmischung sowie die Verknüpfung von Maßnahmen auf Gebäude- und Quartiersebene.
Wir grenzen den entwurflichen Bearbeitungsraum ein auf die zentrale Zone, die ursprünglich als belebtes Zentrum mit Läden und Gastronomie konzipiert war. Dieser Bereich soll in Zukunft strukturell gestärkt, besser zugänglich und mit dem Park vernetzt werden, mit neuen Nutzungsbausteinen aufgewertet werden und Leerstand reduziert werden. In interdisziplinären Teams wird ein bestandsorientierter städtebaulich-freiräumlicher Entwurf für die zentrale Zone erarbeitet und im Anschluss architektonisch, landschaftsarchitektonisch und städtebaulich vertieft.
 
Eine wichtige Grundlage bildet das Seminar „Leerstand Büro. Strategien der Umnutzung und Transformation im Maßstab von Gebäude und Quartier“, das im SoSe 2026 durchgeführt wurde. Darin wurden Hemmnisse und Chancen von Büroumnutzungen analysiert, recherchiert, diskutiert und dokumentiert. Anhand von Fallbeispielen wurden projektspezifische und übertragbare Transformationsmaßnahmen zeichnerisch und textlich untersucht. Eine Mitwirkung an diesem Seminar ist nicht Voraussetzung für die Projektteilnahme. Die Ergebnisse werden allen Teilnehmer:innen zur Verfügung gestellt und können als Materialsammlung, Referenz und entwurfsleitender Impuls im Profilprojekt genutzt werden.
 
Das Projekt wird interdisziplinär von den Fachgebieten Landschaftsarchitektur | Entwurf, Prof. Ariane Röntz, Entwerfen im städtebaulichen Kontext, Prof. Dr. Verena Brehm, mit Unterstützung des Stadtplaners Lukas Hegele betreut.
Das Stadtplanungsamt Hamburg-Nord ist Kooperationspartnerin für die Konzeption und Durchführung des Profilprojektes. Im Rahmen einer eintägigen Exkursion zur Ortsbesichtigung am Fr 30.10.2026 werden sie uns einen Einblick in die derzeitigen Planungen und offene Entwicklungsfragen geben.

 

Das Projekt ist zudem an eine bundesweite Debatte angebunden: Für zwei Studierende kann die Teilnahme an der durch das BBSR geförderten Winterschule „Fachlicher Nachwuchs entwirft Zukunft” (1.3. bis 5.3.2027) zum Thema „Die post-extraktive Stadt” ermöglicht werden (einschl. Übernahme der Reise- und Übernachtungskosten).

 

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