Profilprojekt Städtebau

betreut von: Prof. Dr. Verena Brehm, Prof. Dipl.-Ing. Ariane Röntz

Das Büro als zentraler Arbeitsort der Dienstleistungs- und Wissensgesellschaft steckt in der Krise: Es altert funktional und energetisch und steht zunehmend leer. In den deutschen Top-7-Büromärkten (Berlin, Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg, Köln, München, Stuttgart) liegt die Leerstandsquote inzwischen bei über 8%. Allein dort fallen damit ca. 8,1 Millionen Quadratmeter aus der bisherigen Nutzungslogik heraus. Demgegenüber stehen Raum- und Flächenbedarfe einer klimaangepassten, gemeinwohlorientierten Stadtentwicklung für bezahlbares Wohnen, öffentliche Freiräume, soziale und kulturelle Infrastrukturen, Bildungseinrichtungen und neue Formen produktiver Stadt.
Das Entwurfsprojekt „Beyond Office“ nimmt diese Spannung zum Ausgangspunkt. In dem Entwurfsprojekt „Beyond Office“ erarbeiten Studierende aus ASL ein Entwicklungskonzept, Transformationsmaßnahmen und einen städtebaulich-freiräumlichen Entwurf mit architektonischer Vertiefung für einen ehemals monofunktional geprägten Bürostandort der Nachkriegsmoderne: die City Nord in Hamburg.
Das Quartier dient als Labor für eine Frage, die viele europäische Städte betrifft: Wie lassen sich überalterte Bürostandorte in gemischte, klimaangepasste und räumlich integrierte Stadtbausteine überführen? Wie viel muss umgebaut, wie viel kann weitergenutzt, wie viel muss neu programmiert werden?
Im Mittelpunkt stehen der Umgang mit dem teils denkmalgeschützten Bestand, die Umnutzung und Weiterentwicklung von Bürogebäudetypen, die Programmierung neuer Nutzungen, die Qualifizierung öffentlicher Räume, Fragen der Klimaanpassung sowie die Verknüpfung von Maßnahmen auf Gebäude- und Quartiersebene. Das Projekt bereitet auf eine zentrale Aufgabe der Berufspraxis vor, die eine interdisziplinäre Herangehensweise erfordert: die Umwandlung leerstehender Bürobestände in gemischte, klimaangepasste, integrierte Quartiere.
Eine wichtige Grundlage bildet das Seminar „Leerstand Büro. Strategien der Umnutzung und Transformation im Maßstab von Gebäude und Quartier“, das im SoSe 2026 durchgeführt wurde. Darin wurden Hemmnisse und Chancen von Büroumnutzungen analysiert, recherchiert, diskutiert und dokumentiert. Anhand von Fallbeispielen wurden projektspezifische und übertragbare Transformationsmaßnahmen zeichnerisch und textlich untersucht. Die Ergebnisse werden allen Teilnehmer:innen zur Verfügung gestellt und können als Materialsammlung, Referenz und entwurfsleitender Impuls im Profilprojekt genutzt werden.
Das Projekt wird interdisziplinär von den Fachgebieten Landschaftsarchitektur | Entwurf, Prof. Ariane Röntz, Städtebau, Prof. Stefan Rettich, und Entwerfen im städtebaulichen Kontext, Prof. Dr. Verena Brehm, betreut.
Das Stadtplanungsamt Hamburg unterstützt als Kooperationspartnerin die Konzeption und Durchführung des Profilprojektes. Im Rahmen einer eintägigen Exkursion im Oktober 2026 (NICHT in der Exkursionswoche) wird ein Einblick in die derzeitigen Planungen und offene Entwicklungsfragen gegeben.
Das Projekt ist zudem an eine bundesweite Debatte angebunden: Im Rahmen des Projektes wird die Teilnahme von zwei Studierenden an der durch das BBSR geförderten Winterschule „Fachlicher Nachwuchs entwirft Zukunft” (1.3. bis 5.3.2027) zum Thema „Die post-extraktive Stadt” ermöglicht. Die Reisekosten werden übernommen.