Seminar

betreut von: Prof. Dr. Verena Brehm
„Das Büro“ als zentraler Arbeitsort der Dienstleistungs- und Wissensgesellschaft steckt in der Krise: Es steht zunehmend leer. Der Wandel der Arbeitswelt, New Work, und die Nachwirkungen der Corona-Pandemie („remote“ = Home statt Office) haben zu einem immensen Büroflächenüberschuss geführt. Marktveränderungen wie Ansprüche an Raumkonstellationen, erhöhte regulatorische und gebäudetechnische Anforderungen und erneuerte Standards der Immobilienbewertung (ESG) führen dazu, dass ältere Büroimmobilien und solche in peripheren Lagen nicht nur zeitweise leerstehen, sondern langfristig ungenutzt bleiben. Die durchschnittliche Leerstandsquote der „Top-7-Büro-Städte“ (Berlin, Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg, Köln, München, Stuttgart) liegt Mitte 2025 bei über 8%, allein in diesen 7 Städten sind damit 8,1 Millionen Quadratmeter Gebäudefläche brachgefallen und ungenutzt. Über das leerstehende Einzelgebäude hinaus stellen größere, monofunktionale Bürostandorte der 1960-80er Jahre (z.B. City Nord Hamburg, Frankfurt-Niederrad) eine wichtige Transformationsaufgabe dar, da sie aufgrund fehlender Urbanität die Anforderungen an eine qualitätvolle Arbeitsumgebung nicht erfüllen können.
Zeitgleich erleben wir in Deutschland eine echte Wohnungsnot, der Fehlbedarf an bezahlbaren Wohnungen liegt Ende 2023 in Deutschland bei 1,9 Millionen Wohnungen (Hanns Böckler Stiftung). Ein Bedarf, der kaum über Neubau gelöst werden kann und aus ökologischen Gründen in großen Teilen über Umnutzungen von Bestandsgebäude gedeckt werden sollte.
Im Seminar werden die Gründe der skizzierten Entwicklung und Maßnahmen zur Reduktion von Büroleerstand aufbereitet und diskutiert. Im Fokus stehen Umnutzungskonzepte für Bürogebäude und Transformationskonzepte für größere Bürostandorte, die anhand von Fallbeispielen / „Good-Practice“ beschrieben, analysiert und reflektiert werden. Ziel ist es, die städtebaulichen, freiräumlichen und architektonischen Strategien der Bürotransformation zu verstehen, strukturiert und transferfähig zu dokumentieren und für eigene Entwürfe anwendbar zu machen. Zugleich soll ein grundlegendes Bewusstsein für die rechtlichen und immobilienwirtschaftlichen Hemmnisse und Chancen des Umbaus generiert werden.