FASSADE
FASSADE steht für Flächenanalyse, Applikationen und Solar-Simulation zur Auswertung Digitaler Energiepotenziale. Im Mittelpunkt des Forschungsprojekts steht die Gebäudefassade als bislang wenig erschlossene Fläche für die solare Energiegewinnung.
Welche Potenziale bieten Gebäudefassaden für Photovoltaik und Solarthermie – und wie lassen sich geeignete Flächen bereits in frühen Planungsphasen erkennen und bewerten? Während für Dachflächen bereits zahlreiche Solarkataster und digitale Bewertungsinstrumente existieren, fehlen bislang vergleichbare, niedrigschwellige Werkzeuge für die deutlich komplexere Analyse vertikaler Fassadenflächen.
Das Forschungsprojekt FASSADE entwickelt eine digitale Anwendung, die mithilfe von KI sowie Fernerkundungs- und 3D-Gebäudedaten geeignete Fassadenflächen automatisiert erfasst und ihre solaren Energiepotenziale bewertet. Berücksichtigt werden unter anderem Ausrichtung, Verschattung und mögliche Energieerträge. Die Ergebnisse sollen Kommunen, Planenden, Wohnungsbaugesellschaften sowie Energieversorgern und Energiedienstleistern eine belastbare Grundlage für die Integration von Photovoltaik und Solarthermie an Gebäuden und Gebäudeensembles bieten.
Das Fachgebiet Entwerfen und Nachhaltiges Bauen (ENB) bringt die architektonische und planerische Perspektive in die Entwicklung von FASSADE ein. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie solare Fassadenpotenziale nicht nur technisch ermittelt, sondern im Kontext realer Gebäude, Fassadensysteme und Planungsprozesse sinnvoll bewertet werden können.
Hierfür werden relevante architektonische, bauphysikalische und energetische Parameter für Bestands- und Neubauten untersucht und in Kriterien und Referenzszenarien für die digitale Bewertung übersetzt. Unterschiedliche Fassadentypen, Gebäudetypologien, städtebauliche Situationen und Nutzungskontexte werden dabei ebenso berücksichtigt wie Anforderungen aus Entwurf, Sanierung und praktischer Umsetzung.
Das Fachgebiet begleitet zudem die architektonische Einordnung und Validierung der entwickelten Methoden. Ziel ist es, die technische Analyse mit den Anforderungen realer Planungsprozesse zu verbinden und eine Bewertungslogik zu entwickeln, die bereits in frühen Planungsphasen und bei der Untersuchung unterschiedlicher Entwurfs- und Sanierungsvarianten eingesetzt werden kann.
Durch die Verbindung von Architektur, nachhaltigem Bauen und digitaler Analyse trägt ENB dazu bei, bislang wenig erschlossene solare Potenziale von Gebäudefassaden sichtbar und für Planungsentscheidungen nutzbar zu machen.
Das Projekt wird im Rahmen der Distr@l-Förderlinie 2A des Landes Hessen gefördert und unterstützt die Entwicklung und Implementierung digitaler Infrastrukturen zur Stärkung der wissenschaftlichen Zusammenarbeit und Innovationskraft in der Region.
Das Vorhaben wird interdisziplinär vom Fachgebiet Entwerfen und Nachhaltiges Bauen (ENB) und dem Fachgebiet Projektmanagement in der Digitalen Transformation (PMDT) der Universität Kassel gemeinsam mit der be2morrow GmbH und HildebrandHans Architekten PartGmbB durchgeführt.