Additive Fertigung trifft LSR – eine neue Möglichkeit für flexible Kleinserien
Die additive Fertigung ist längst ein fester Bestandteil moderner Produktionsprozesse. Vor allem bei komplexen oder individualisierten Bauteilen zeigt sie ihre Stärken: Werkzeuge lassen sich schneller herstellen, Kosten sinken und Entwicklungszyklen werden deutlich kürzer. Besonders in der Produktentwicklung von Spritzgießteilen sowie bei Kleinserien bieten additiv gefertigte, harzbasierte Werkzeugeinsätze enorme Vorteile.
Bisher gab es jedoch eine klare Hürde: Während Thermoplaste bereits erfolgreich mit additiven Werkzeugeinsätzen verarbeitet werden, galt dies nicht für Flüssigsilikone (LSR). Unternehmen, die Silikonbauteile herstellen, waren weiterhin auf klassische Werkzeuge angewiesen, dieses war zeit- und kostenintensiv, besonders wenn mehrere Iterationsschleifen notwendig sind.
Mit dem Forschungsprojekt „ADDmold für LSR“ ändert sich das jetzt.
Das Projekt untersucht, wie sich additiv gefertigte Werkzeugeinsätze künftig auch in der Verarbeitung von Flüssigsilikon einsetzen lassen können. Ziel ist es, einen Ansatz zu entwickeln, der die Herstellung von Silikonbauteilen schneller, wirtschaftlicher und flexibler macht – insbesondere in frühen Entwicklungsphasen oder bei Kleinserien aus Originalmaterial.
Vor allem für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) eröffnet der Ansatz großes Potenzial. Sie könnten künftig von deutlich verkürzten Entwicklungszeiten profitieren und wesentlich schneller auf individuelle Kundenwünsche reagieren. Gleichzeitig ermöglicht die additive Fertigung eine kostengünstige Herstellung der benötigten Werkzeuge, was gerade bei kleinen Stückzahlen oder häufig wechselnden Produktvarianten entscheidende Vorteile bietet. Zudem lassen sich mögliche Produktänderungen unkompliziert umsetzen, sodass KMU insgesamt flexibler und agiler auf Marktanforderungen reagieren können.
Dr.-Ing. Ralf-Urs Giesen (UNIpace, Universität Kassel) unterstreicht die Bedeutung des Ansatzes: „Durch diese völlig neue Herangehensweise an die Silikonverarbeitung können bestehende Unternehmen, die bereits mit Silikonen arbeiten, erheblich von den Vorteilen der additiven Fertigung profitieren. Die Möglichkeit, schnell und kosteneffizient Werkzeuge zu erstellen, wird die Innovationskraft dieser Branche deutlich steigern.“
Alexander Schulmann, Wissenschaftlicher Mitarbeiter Additive Fertigung am SKZ, ergänzt: „Mit diesem Projekt bauen wir unser Know-how im Bereich additiv gefertigter Werkzeuge weiter aus. Wir haben bereits umfassende Erfahrungen mit Thermoplasten gesammelt und sehen nun großes Potenzial darin, die Verarbeitung von Flüssigsilikon auf dieselbe Weise zu revolutionieren.“
Unternehmen sind herzlich eingeladen, sich kostenfrei am Projektausschuss zu beteiligen. So erhalten sie frühzeitig Einblicke in die Ergebnisse und können gleichzeitig eigene Anforderungen und Anwendungsfälle einbringen.